Bürokratie duldet keine Außengastronomie

Restaurant im Streit mit der Bauaufsicht

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Schon mal aufgestellt: So könnte sie aussehen, die Außengastronomie im SchauMahl an der Bismarckstraße.

Offenbach - Wenn gesunder Menschenverstand auf behördliche Vorschriften trifft, führt das selten zu einvernehmlichem Handeln. So ist es auch im Fall von Stefan Lang. Von Matthias Dahmer

Der Eigentümer des Offenbacher Edel-Restaurants SchauMahl an der Ecke Bismarckstraße und Rathenaustraße liegt seit längerem im Clinch mit der städtischen Bauaufsicht. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Worum geht’s? Lang, dem auch das Wohnhaus gehört, in dessen Erdgeschoss das SchauMahl angesiedelt ist, will auf seinen zwei privaten Stellplätzen auf dem Grundstück in den Sommerwochen eine Außengastronomie betreiben. Es wäre eine Art Terrasse an der Bismarckstraße, auf der er maximal 25 Leute bewirten könnten.

Doch die Bauaufsicht will da nicht mitspielen. Ihre Vorgabe: Entweder werden die Stellplätze per Baulast an anderer Stelle in nächster Nähe ausgewiesen – oder es ist eine Ablöse zu zahlen. Was Lang pro Stellplatz 4602 Euro kosten würde. „Ich kann die Gäste bei diesen Temperaturen doch nicht reinsetzen, die sehe ich nie wieder“, sagt Lang. Wegen des engen Bürgersteigs und der viel befahrenen Straßen, sei Außengastronomie nur auf dem Privatgrundstück möglich. „Ein Restaurant ohne Außengastronomie ist heutzutage nicht überlebensfähig“, meint er.

Der Eigentümer betont: Die gastronomische Nutzung der Terrasse würde sich auf jene vielleicht 20 bis 25 heißen Tage im Jahr beschränken, in denen es im Restaurant zu warm wäre. Dort darf er nämlich aus Gründen des Denkmalschutzes keine Klimaanlage anbringen. Für den großen Rest des Jahres wären die Stellplätze wieder als solche nutzbar. Was Lang zusätzlich wundert: Vom April 2007 bis September 2009 gab es von der Bauaufsicht schon mal eine Genehmigung für die Außengastronomie auf den Stellplätzen. Die war befristet, das Vorhaben als „Testphase“ deklariert. Im Juli 2010 erhielt Lang dann von der Behörde die Mitteilung, die Genehmigung könne nicht mehr verlängert werden. Bei der Bauaufsicht ist der Fall offenbar nicht ohne Brisanz. Entgegen dem üblichen Vorgehen bestand die Amtsleitung darauf, dass eine Anfrage unserer Zeitung schriftlich vorliegen muss. Eine Antwort blieb jedoch bisher aus.

Immerhin: Bei der städtischen Wirtschaftsförderung wird Bedauern über den Konflikt ausgedrückt. Das sei einer jener Fälle, weswegen die Stellplatzsatzung in Richtung mehr Flexibilität überarbeitet werde, sagt Amtsleiter Jürgen Amberger. Wann eine beschlussreife Neufassung vorliege, sei indes offen. Offiziell mag es im Rathaus niemand sagen, doch die Chancen auf eine Lösung, auf eine Art Duldung der temporären Nutzung der Stellplätze als Restaurant-Terrasse, bis es eine neue städtische Satzung gibt, so war zu hören, sei durchaus vorstellbar. Dafür müssten die Entscheidungsträger aber über ihren Schatten springen.

Restaurant-Besitzer Stefan Lang kann über diesen Bürokratismus der Bauaufsicht nur den Kopf schütteln. Er weist darauf hin, dass er in unmittelbarer Nähe zum SchauMahl eine Brachfläche an der Bismarckstraße angemietet hat, wo 20 bis 30 Parkplätze für Gäste zur Verfügung stehen. Außerdem: „Da tut man was für die Stadt, macht Offenbach kulinarisch deutschlandweit bekannt, und dann bekommt man nur Steine in den Weg gelegt.“ Zur Bekräftigung holt Lang die aktuelle Ausgabe des Restaurant-Führers Gault Millau und blättert die Seite über Offenbach auf: „Auch zum Erstaunen der Frankfurter, die meist nur Spott und Hohn für ihre spröde Nachbarstadt übrig haben, serviert das bislang kulinarisch völlig öde Offenbach mit dem SchauMahl ein schöne Überraschung. Ein Wohlfühllokal mit stimmigem Ambiente“, heißt es. Ob das der Bauaufsicht auch schon mal zu Ohren gekommen ist?

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