Rettet den Tempelsee-Weiher!

Offenbach (mk) - Der Magistrat schnürte ein dickes Paket für die Teiche in der „Gemaa“ Tempelsee. Entfernung des Schlamms, Ufergestaltung, Herstellung von Frischluftschneisen. Vom zuständigen Amt veranschlagte Kosten: 240.000 Euro.

Das erscheint Stadtverordneten als zu teuer. Die radikalste Alternative, von Gemaa-Bewohnern bereits als „schräg“ betrachtet, kommt von der CDU. Die will eine Alternative erarbeitet haben, welche eine Auffüllung der Teiche und Umwandlung in eine Grünanlage zum Ziel hat – unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Vorgaben. „Auch hiermit kann nachhaltig zu einer Verschönerung des Gebietes beigetragen werden, ohne dass hohe Folgekosten entstehen“, heißt es im Antrag. Koalitions-Konter: Der Magistrat soll ein kostengünstigeres Konzept vorlegen, das ausdrücklich den Erhalt einer Wasserfläche enthält. Abstimmung ist morgen, nach 17 Uhr, im Stadtparlament.

„Wer glaubt, den Tempelsee zuschütten zu können verscherzt es sich mit allen im Stadtteil“, ist sich die stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzende Gertrud Marx sicher, die mit ihrer Familie selbst in einem ehemaligen Siedler-Häuschen lebt und eine Sanierung des Teichs befürwortet: „Das ist überfällig. Leider wurde der See nie gepflegt wie andere Offenbacher Gewässer.“ So falle seit Jahren Laub in den See, was seine Vermoderung fördere. Ihn zuzuschütten, um Geld einzusparen, gehe jedoch in die falsche Richtung.

Tümpel von historischer Bedeutung

Der Tümpel sei auch von historischer Bedeutung. Aus einem ehemaligen Bergwerk wurde ein Naherholungsgebiet für die Bewohner der damaligen Arbeitersiedlung. Was man sich beim gegenwärtigen Modergeruch kaum vorstellen kann: Dort haben viele Menschen schwimmen gelernt, sind im Winter Schlittschuh gelaufen und haben auch sonst ihre Freizeit dort verbracht. „Eigentlich müsste man ihn unter Denkmalschutz stellen“, meint die Stadtverordnete. Auch jetzt noch sei der See wichtiges Markenzeichen des Stadtgebietes und nicht wegzudenken. Wer glaube, er habe weder für Offenbach noch für den Naturhaushalt eine Bedeutung, liege falsch.

Wichtig sei, dass ein nachhaltiges Gesamtkonzept für die Sanierung aufgestellt werde, meint Gertrud Marx: „Eine Billiglösung würde nach hinten losgehen und in der Zukunft für hohe Folgenkosten sorgen.“ Planer müssten stets bedenken, dass der Stadtteil „Tempelsee“ und nicht „Tempeltümpel“ heiße.

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