Else-Herrmann-Haus

Rettung für den Altentreff

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Seit gestern ist man sich einig: Die Stadt will die beiden Grundstücke verkaufen, auf denen sich derzeit noch ein leerstehendes Wohngebäude (links) und der Seniorentreff befinden. Der Frankfurter Investor GSW soll im Gegenzug Ersatzräumlichkeiten am Hessenring schaffen. Noch fehlt jedoch die Zustimmung des Parlaments.

Offenbach - Voraussichtlich 2017 weicht das Else-Herrmann-Haus am Hessenring einem privaten Wohnbauprojekt, weil die Stadt das Grundstück versilbert. Der Protest der aktiven Senioren zeigt Wirkung: Nun soll der Investor einen Ersatz-Saal schaffen. Von Jenny Bieniek 

Die Empörung unter engagierten Offenbacher Senioren war groß, ihr Widerstand entsprechend heftig: Die Stadt will das Grundstück mit dem als Altentreff beliebten Else-Herrmann-Haus für Wohnbauzwecke versilbern.

Nun scheint sich eine Lösung für den Erhalt abzuzeichnen, mit der alle Beteiligten leben können. Gestern segnete der Magistrat ab, dass am Hessenring langfristig ein Else-Herrmann-Saal innerhalb eines neuen Wohnkomplexes entstehen kann. Die Stadtverordneten müssen noch zustimmen. Verkauft werden soll das städtische Areal an das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW).

Oberbürgermeister Horst Schneider bestätigt auf Anfrage, dass es zu einer Übereinkunft zwischen Stadt, Bauträger und späterem Nutzer gekommen ist. Der Plan sieht vor, dass das GSW sein Bauvorhaben in zwei Abschnitten realisiert. Zunächst soll ab Spätherbst 2015 das leer stehende Wohnhaus neben dem Else-Herrmann-Haus abgerissen werden. An gleicher Stelle würde spätestens ab Anfang 2016 ein Gebäude entstehen, das im Erdgeschoss den neuen Else-Herrmann-Saal beherbergt. Erst nach dem Umzug des Seniorentreffs in die neuen Räume könnte dann das bisherige Domizil abgerissen und der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Insgesamt drei Jahre Bauzeit sind für die Entstehung von zwei Gebäuden mit insgesamt 37 Mietwohnungen veranschlagt.

Gangbarer Kompromiss

Der Seniorenrat sieht das geplante Konzept als gangbaren Kompromiss, vorausgesetzt, die gemachten Zusagen werden eingehalten. Konkret geht es um einen barrierefreien Zugang und eine Verzichtserklärung für Klagen über mögliche Lärmbelästigung von Seiten der künftigen Wohnungsmieter. Die Stadt zahlt, wie bisher fürs Else-Herrmann-Haus, weiterhin Strom und Unterhalt sowie zusätzlich 20 Jahre lang eine Miete an den Investor.

Um Geld in die leere Stadtkasse zu spülen, wurden im Magistrat bereits Anfang 2014 Überlegungen laut, das Grundstück an der Ecke Hessenring/Goerdelerstraße mit dem seit Langem verwaisten Wohngebäude an einen Investor zu verkaufen, um Platz für neuen Wohnraum zu schaffen. Weil die Vermarktung aus städtebaulicher Sicht nur zusammen mit dem benachbartem Grundstück des Else-Herrmann-Hauses in Frage kam, schien ein Abriss des ohnehin maroden Seniorentreffs aus Sicht des Stadtoberhaupts die beste Lösung.

Dem Vernehmen nach bringt der Grundstücksverkauf der Stadt 1,6 Millionen Euro ein. „Wir verschenken das Grundstück nicht“, lässt OB Schneider dazu nur wissen. Details präsentiert er heute gemeinsam mit dem GSW. Eine erste konzeptionelle Planung soll Aufschluss über das Bauprojekt geben. Der künftige Else-Herrmann-Saal im Erdgeschoss soll über eine Terrasse, Nebenräume, größere sanitäre Anlagen als bisher und ein an die Küche angeschlossenes Getränkelager verfügen.

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Die Senioren sind zufrieden. Noch vor einigen Monaten hatten die AWO als Betreiberin und der städtische Seniorenrat Pläne, den Treff in einen Wohnkomplex zu integrieren, heftig kritisiert. Zu groß war die Befürchtung, künftige Nachbarn könnten sich an regelmäßigen Veranstaltungen mit Musik stören.

Im Vorfeld diskutierte Alternativ-Standorte wie die alte Dornbusch-Wäscherei in der Birkenlohstraße fanden wegen mangelnder Parkflächen und schlechtem baulichen Zustand nur wenig Zustimmung. Knapp ein Jahr später hat sich die Ablehnung in Einverständnis gewandelt. „Unser oberstes Ziel war es, den Standort zu erhalten“, sagt Horst Werner von der AWO. „Und es ist wichtig, dass es für uns nahtlos weitergeht.“

Für größere Veranstaltungen wie das Oktoberfest soll künftig die Caféteria des benachbarten Seniorenzentrums zur Verfügung stehen. „Weihnachten 2015 wird das Else-Herrmann-Haus jedenfalls noch voll in Betrieb sein“, versichert der OB.

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