Rettung für das Herzstück?

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Gerhard Plath will die Stehtribüne im Stadion Bieberer Berg retten

Offenbach ‐ Winterpause in der dritten Liga. Die Zeit zwischen den Jahren nutzt Gerhard Plath zur Recherche im Bauarchiv. Sein Ziel, zur Freude vieler Fans: Erhaltung der Stehtribüne am Berg. Von Martin Kuhn

Gerhard Plath hat ein Faible für historische Bauforschung. Kein Wunder, dass der Denkmalbeirat den Bauingenieur auserkoren hat, um wieder einmal in alten Akten zu stöbern. Der Impuls kam von eingefleischten Kickers- und Bergfans: Sie würden Teile des als kultig geltenden Fußballstadions gern erhalten. Andere Pläne verfolgen OFC und Stadtwerke Holding (SOH). Sie ziehen an gleicher Stelle einen Neubau vor. Da scheint wenig Raum für Kompromisse.

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Die Befürchtung, die Gerhard Plath und Bernd Stevermüer, Vorsitzender der OFC-Fanabteilung, vor Journalisten äußern: „Hier wird nur der Neubau favorisiert und ein möglicher Umbau gar nicht erst durchgerechnet.“ Sie wollen wachrütteln, ehe es zu spät ist und die Bagger die erste Tribüne niederreißen. Nach dem vorsichtigen Zeitplan könnte das am 10. Mai 2010 sein – zwei Tage nach dem letzten Spieltag der Drittligasaison.

Die Zeit drängt also. Das weiß Plath, der sich in Offenbach verdient gemacht hat um die Rettung des Rumpenheimer Schlosses. Er versucht seit sechs Wochen, (kostenpflichtigen) Zugang zu den Akten des Bauarchivs zu erhalten. Das ist inzwischen geregelt. Findet Plath Aufzeichnungen zum Tribünenbau, ist wohl noch ein Statiker hinzu zu ziehen, der die Einmaligkeit dieser Konstruktion belegt. Letztlich befindet der Beirat, ob ein entsprechender Antrag an das Landesamt für Denkmalschutz gestellt wird. Die Entscheidung aus Wiesbaden wäre bindend – auch für die SOH. Dort geht man jedoch davon aus, dass der Zeitplan steht: Die funktionale Ausschreibung für die neue Arena ist fürs kommende Frühjahr geplant.

Die Fakten des alten Stadions

Was Architekt Plath bislang zu dem Bauwerk zusammengetragen hat: Am 14. Dezember 1952 wurde die heutige Waldemar-Klein-Tribüne (mit dem Block 2 Herzstück der lokalen Fankultur) eingeweiht. Mit einer Fläche von 2250 Quadratmetern und 3300 laufenden Metern Betonstufen galt das „kühn konstruierte Bauwerk“ als „einmalig in Deutschland“. Die tragende Struktur scheint eine Rippenkonstruktion mit Überzügen zu sein. Besonderer Dreh: Der Schall wird direkt aufs Spielfeld reflektiert. Ersonnen hat die Tribüne der Architekt Franz Ruff (1906-1979), Professor für angewandte Kunst in Nürnberg. Sein größtes Projekt war von 1937 bis 1939 die sogenannte SS-Kaserne, in der sich heute das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge befindet.

Unstrittiger ist, dass es weitere Bauten gibt, die zu erhalten sind: das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder, die Reste der ehemaligen Schießhausanlage als Teil des Exerzierplatzes des Großherzoglich-Hessischen Infanterieregiments Nr. 168, der Stolperstein zur Erinnerung an Dr. Manfred Weinberg, der 1932 eine Hitlerrede im Kickersstadion verhinderte. In diesem Zusammenhang hebt Plath die ursprüngliche terrassierte Erdwallanlage hervor, die das Spielfeld umgab.

Aber noch etwas anderes treibt den Offenbacher um. Er sorgt sich um den künftigen Solitär an der Bieberer Straße. Die (heute recht unansehnliche) Front präge dereinst dieses „Stadttor“. Über dessen Gestaltung lasse sich zwar trefflich streiten – die Stadtplanung sollte sie aber nicht aus der Hand geben. „Das darf nicht allein in privat-wirtschaftlicher Hand liegen.

Plath macht das fest an zwei Beispielen vergleichbarer Stadion-Neu- oder Umbauten. Als gelungen erachtet er etwa das Stadion am Millerntor (FC St. Pauli), als nahezu unerträglich die Energieteam-Arena (SC Paderborn): „Sie gleicht einer Industriehalle und ist wenig positiv fürs Stadtbild.

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