Rettung aus Versorgungsnot

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Auch das zweite Notarzt-Einsatzfahrzeug ist am Klinikum postiert. Ihm zur Seite stehen (links) Feuerwehrchef Uwe Sauer, Oberärztin Dr. Ricarda Peine, Malteser-Diözesangeschäftsführer Markus Schips, Notarzt Dr. Alexander Wende und (rechts) Ärztlicher Direktor Prof. Norbert Rillinger, „med11“-Geschäftsführer Fark Larbig, Rettungsassistent Vrej Borzakoglu und Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt.

Offenbach - (mcr) Die Stadt Offenbach, zuständig für die Sicherstellung des Rettungsdienstes in ihren Grenzen, hat sich aus einer Versorgungsnotlage gerettet: Seit wenigen Wochen ist auf dem Gelände des Städtischen Klinikums ein zweites Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) postiert.

Den Grund für die Aufrüstung kann Uwe Sauer, Chef der Berufsfeuerwehr, wo die Rettungsleitstelle untergebracht ist, aus der so genannten Bedarfsermittlung vorlesen: Das bisher einzige Notarzt-Einsatzfahrzeug in Offenbach war angesichts der Zahl der Notrufe nicht mehr genug. Bei etwa jedem siebten der 3 300 Notrufe im vergangenen Jahr hatten NEFs aus dem Kreisgebiet einspringen müssen.

Das NEF ist dienstags bis donnerstags jeweils von 8 Uhr bis 22 Uhr und ab freitags, 8 Uhr, bis Montag, 22 Uhr, einsatzbereit.

Weil ein Auto alleine keine Leben retten kann, ist für die personelle Besetzung des Noteinsatzfahrzeuges mit einem Rettungsassistenten und die medizinische Ausstattung der Malteser Hilfsdienst zuständig. Die notärztliche Besetzung hingegen wird angesichts des damit verbundenen ärztlichen Personalbedarfs vom Klinikum und der medizinischen Dienstleistungsgesellschaft „med11“ gestellt.

Das neue NEF ist auf dem modernsten Stand der Technik - und keinesfalls untermotorisiert. 160 Pferdestärken bescheren dem Kleintransporter den nötigen Vortrieb. Drinnen stecken unter anderem ein Beatmungsgerät, Defibrillatoren für Erwachsene und Kinder sowie ein Mobilfunktions-Überwachungsgerät, mit dem Notfallmediziner einen Herzinfarkt diagnostizieren, Blutdruck, Sauerstoffgehalt, Temperatur und andere Werte permanent überwachen können.

Das Klinikum, heißt es, habe den Zuschlag für die ärztliche Besetzung eines weiteren Noteinsatzfahrzeuges auf ihrem Gelände im Rahmen eines öffentlichen Auswahlverfahrens bekommen. Und die Versorgung des NEF mit Medikamenten erfolge über die Apotheke des Klinikums.

Das Fahrzeug und seine Besatzung sind fürs Erste in Containerbauten gegenüber den Besucherparkplätzen der Strahlenklinik platziert, die innerhalb von sechs Wochen für 140 000 Euro aufgestellt wurden. In drei Jahren, wenn der Klinikneubau etabliert und der Altbau abgerissen ist, soll nahe des neuen Schwesternwohnheims das endgültige Rettungswachen-Gebäude errichtet werden.

Das Rendezvous-Verfahren

In Sachen Menschenrettung war die Theorie lange Jahre einfach und die Praxis zu oft schwierig: Kam ein Notruf, fuhr der Rettungswagen los - Notarzt, Rettungsassistent, medizinisches Gerät, Liege, alles drin. Das war gut für den Patienten, aber manchmal schlecht für den Notarzt. Denn wenn der während eines Einsatzes, bei dem sein Können nicht von Anfang bis Ende gebraucht wurde, zu einem dringenderen Fall gerufen wurde, saß er mangels eigenem Auto fest.

Deshalb wird in Offenbach seit 2007 das so genannte Rendezvous-System praktiziert, das dem Notarzt ein eigenes Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) und damit größtmögliche Flexibilität gönnt. Im neuen Verfahren alarmiert die Rettungsleitstelle der Offenbacher Berufsfeuerwehr bei einem Notfalleinsatz einen der am Klinikum postierten Notärzte, der dann mit einem Rettungsassistenten im NEF zum „Rendezvous“ mit einem bei Bedarf ebenfalls alarmierten Rettungswagen einer Hilfsorganisation oder der Feuerwehr eilt.

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