Experte: Städte müssen mehr kooperieren

Rettungsplan für Bäder vorgestellt

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Offenbach - Der Unterhalt von Hallenbädern wird für immer mehr Kommunen in Hessen zum teuren Luxus. Viele Bäder sind bereits geschlossen worden. Experten fordern jetzt mehr entschiedene Maßnahmen und Kooperationen zwischen den hoch verschuldeten Kommunen. Von Peter Schulte-Holtey

Angesichts der kommunalen Finanznot werden immer öfter Hallenbäder dichtgemacht. Den jüngsten Fall meldet Pfungstadt. Anderen Kommunen fehlt ebenfalls Geld für Renovierungen. Kommunale Hallenbäder machen überall Defizit. Frankfurt bezuschusst jeden Badbesuch mit zehn Euro. Der Bund der Steuerzahler will deshalb, dass Bäder zusammengelegt werden oder Vereine mehr ehrenamtlich übernehmen. Eine bessere Kooperation der Kommunen könnte Bäder vor der Schließung schützen, meint auch der Geschäftsführer des „Kompetenzzentrums für Interkommunale Zusammenarbeit“ (IKZ), Claus Spandau. Die Kosten würden dann von mehreren Kommunen geschultert. Vorbild könne der im mittelhessischen Pohlheim gegründete Zweckverband zum Betrieb des Hallenbads sein. Daran beteiligen sich auch die Nachbargemeinden Linden und Fernwald. Spandau weist darauf hin, dass solche kommunalen Verbände vom IKZ einen Zuschuss von 100.000 Euro erhalten können.

„Vorsicht an der Bahnsteigkante“

Im Interview mit unserer Zeitung spricht sich Hanaus Bürgermeister Claus Kaminsky jetzt gegen die Schließung von Bädern aus. „In Hanau haben wir noch zwei Bäder mit 350.000 Besuchen. Das ist schon ein Wort. Dazu kommen 30.000 Besuche über Vereine und 20.000 über Schulen. Ich finde es gut und richtig, dass Kinder Schwimmen lernen“, so der SPD-Politiker. „Wo wären denn die Jugendlichen, die ich im Bad antreffe, ohne dieses Angebot? Ich kann da nur sagen: Vorsicht an der Bahnsteigkante! Auch ein Bad hat Funktionen, die einmal zerschlagen, nicht wiederkommen.“

Nach Meinung des Kooperationsexperten Spandau ist auch bei Bürgerhäusern und Turnhallen eine Zusammenarbeit zwischen Kommunen denkbar. Die mögliche positive Wirkung sei aber zunächst gering. Die Aufwendungen für Abschreibungen, Kapitalverzinsung, Bauunterhaltung sowie Heizung, Versicherung, Strom, Wasser/Abwasser ließen sich nicht oder nur im sehr geringen Umfang durch eine Kooperation reduzieren, stellt Spandau im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Trotzdem wächst der Druck: Er verweist auf eine häufig nur sehr schwache Auslastungsquote bei Bürgerhäusern und die geringen Einnahmepotenziale bei Turnhallen aufgrund der oft niedrigen Nutzungsentgelte für Vereine und Schulen.

Hallenbadumbau in Neu-Isenburg

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Hanaus Stadtoberhaupt Claus Kaminsky äußert sich jetzt zusammen mit Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider und Landrat Oliver Quilling bei einem Redaktionsgespräch. Sie lesen es in der Osterausgabe unserer Zeitungen.

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