Gemeinsames Energiekonzept in Planung

Rhein-Main soll sich selbst versorgen

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Offenbach/Frankfurt - Bis 2050 soll die Region eine Energieversorgung aus einem Guss erhalten. Davon profitierten alle, versprach Birgit Simon (Grüne) vom Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main nach einem Treffen mit 70 Bürgermeistern und Experten. Von Fabian El Cheikh 

Offenbach unterstützt das ambitionierte Ansinnen, unterdessen hat Frankfurt seine Einsparpläne konkretisiert. Energiesparende Geräte, bessere Dämmung, andere Glühbirnen – Einsparpotenziale wie diese sind nach Ansicht der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) die größte Energiequelle der nächsten Jahrzehnte. Bis 2050 wolle die Stadt ihre Versorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energie umstellen. 50 Prozent der künftigen Energie sollen aus höherer Effizienz kommen, je 25 Prozent aus der Region und aus Eigenproduktion – etwa aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung.

„Frankfurt möchte Motor für die Energiewende in der Region sein, aber wir brauchen auch den Rückenwind aus den umliegenden Kommunen und Landkreisen“, sagte Heilig bei dem Treffen. Offenbachs Rückhalt kann sich Frankfurt und der Planungsverband sicher sein. „Es ist absolut sinnvoll, hier auf regionaler Ebene zusammenzuarbeiten“, so der stellvertretende Leiter des Offenbacher Umweltamts, Hartmut Luckner. „Wenn jede Stadt ihre Hausaufgaben macht, profitiert die ganze Region. Zusammen können wir einfach mehr erreichen.“

Frankfurt: Passivhaus-Hauptstadt

Die Stadt forciert bereits seit geraumer Zeit eigene Energiesparmaßnahmen – etwa die Umrüstung auf LED-Lampen oder die Haus-zu-Haus-Beratung für Eigentümer. Bis 2030 will sie ihren CO2-Ausstoß um 50 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 reduzieren. „Das ist durchaus ehrgeizig“, kommentiert Umweltdezernent Peter Schneider (Grüne) die „klaren Ziele, die wir verfolgen“. Offenbach profitiere zumindest in dieser Hinsicht vom Wegbrechen der Industrie, die noch 2005 größter CO2-Erzeuger war. Wohl wissend, dass das regionale „Wir-Gefühl“ in einem Ballungsraum mit starkem Kern und schwacher Peripherie noch deutlich steigerungsfähig ist, forderte Simon als Vertreterin des Planungsverbands einen „neuen Dialog“ zwischen den Städten im Zentrum und den Kommunen im Umland. So gebe es in der Region Flächenpotenziale für erneuerbare Energien, andererseits habe Frankfurt ein hohes Know-how in Sachen Energieeffizienz und sei zudem Passivhaus-Hauptstadt.

Einem Gutachten des hessischen Wirtschaftsministeriums zufolge belief sich der Energieverbrauch des Landes 2008 auf 125 Terawattstunden, 36 Prozent davon fallen auf das Gebiet des Planungsverbandes. „Wir verbrauchen somit genauso viel Energie wie Mittel- und Nordhessen zusammen“, machte Simon, die frühere Offenbacher Bürgermeisterin, deutlich. Die Analyse empfehle deshalb, dass neben der Windenergie auch der Ausbau möglichst flächenneutraler Erzeugungsformen von erneuerbarer Energie vorangetrieben werden sollte. Dazu gehören die Photovoltaik und die Solarthermie sowie die Nutzung von Biomasse. Die Standorte für solche Anlagen sollten mit Infrastrukturvorhaben, beispielsweise strom- und wärmeintensive Industrie- und Gewerbeflächen, gekoppelt werden.

Ihrer Ansicht nach konzentriert sich das Landesgutachten jedoch zu stark auf den Stromsektor, was fehle, seien Aussagen zu Wärme, Energieeffizienz und Mobilität. „Diese Lücke wollen wir schließen.“ Dazu wurden zwei Kasseler Büros sowie das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik mit drei Aufgaben beauftragt. Geklärt werden soll dabei unter anderem: Was wird erzeugt, verbraucht und wo besteht Potenzial? Und wer macht was in der Region? „Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien kann sich ein großer regionaler Wirtschaftskreislauf schließen“, sagte Frankfurts Umweltdezernentin. So wende Frankfurt etwa 1,8 Milliarden Euro im Jahr für den Energiebedarf von Gewerbe, Haushalten und Verkehr auf. Diese Energie könnte aus der Region kommen – und die Mittel in der Region bleiben.

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