Richter Beck und die Balten

Offenbach - (tk) Dem einen Angeklagten aus dem Baltikum gab der Offenbacher Richter Manfred Beck eine letzte Chance, den anderen schickte er für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Beide, ein 30-jähriger Litauer und ein 34-jähriger Lette, legten in der Kaiserstraße ihre Lebensgeschichten dar, die sie auf die schiefe Bahn brachten.

Der Litauer, der dank Aussicht auf Arbeit und länger zurückliegender Straftaten nun mit zwei Bewährungsstrafen von 21 und 14 Monaten davonkam, legte eine abwechslungsreiche kriminelle Karriere hin, die ihn allerdings noch nicht ins Gefängnis gebracht hat.

Nachdem es in Deutschland mit der erhofften Anstellung in seinem erlernten Beruf als Kfz-Mechaniker nicht klappte, arbeitete er zunächst schwarz auf Baustellen und im Autogewerbe. In Litauen war seine Ehe in die Brüche gegangen, in Deutschland fand er eine neue Liebe, die zwei Kinder mit in die Beziehung brachte.

Bald reichten die unregelmäßigen Einkünfte aus den immerhin nicht schwerkriminellen Jobs nicht mehr aus. Da kamen Bekannte recht, die ihm anboten, sich gegen Belohnung an einem gewaltsamen Forderungseinzug („russisches Inkasso“) zu beteiligen. Die Geldeintreiber schlugen einen zahlungsunwilligen Schuldner krankenhausreif - das brachte dem Litauer 2007 eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ein, die auf Bewährung ausgesetzt wurde, weil er sich nur als Reserve im Hintergrund gehalten, aber nicht selbst zugeschlagen hatte.

Straftaten aus 2005 und 2006

2008 brauchte er wieder Geld für seine Familie, Hartz-IV stand ihm damals noch nicht zu. Also kam er auf die Idee, nach Amsterdam zu fahren und sich etwas Kokain auf der Straße zu besorgen, das er, selber nicht süchtig, mit etwas Gewinn in Offenbach verkaufen wollte. In Kleve wurde er aber schon bei der Einreise im Zug kontrolliert, so dass er wieder vor dem Gericht landete und eine zehnmonatige Freiheitsstrafe kassierte, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Nun musste sich das Gericht mit nachfolgenden Straftaten des Mannes aus den Jahren 2005 und 2006 beschäftigen. Nachdem der Kokainhandel gescheitert war, hörte der Litauer, es sei ohne Schwierigkeiten möglich, nach Eröffnung eines Kontos mit der Bankkarte einkaufen zu gehen, obwohl auf dem Konto kein Geld sei. So belastete er das Konto durch Einkäufe im Lastschriftverfahren mit 500 Euro und erwarb Handys, die er gegen Entgelt an Bekannte weiterreichte. Diese wiederum telefonierten damit für mehrere 1000 Euro. Richter Beck wies den Angeklagten eindringlich daraufhin, dass die jetzige Bewährung seine letzte Chance sei.

Der 34-jährige Lette hatte in seiner Heimat einen schweren Verkehrsunfall und konnte deshalb nicht mehr als Bäcker arbeiten. Seine Frau verließ ihn, er ging mit seinen Eltern nach Deutschland. Dort wurde er heroinabhängig und beging zahllose Einbrüche in Firmen in Offenbach und Umgebung. Mit Komplizen stahl er vor allem Laptops und Flachbildschirme. Zum Verhängnis wurde ihm sein Durst: Er trank in den Büros aus Cola- und Wasserflaschen, verletzte sich und hinterließ so eine breite DNA-Spur. Die Polizei konnte den Mann als Täter identifizieren. Der Schaden, den er anrichtete, beläuft sich auf mehr als 20  000 Euro.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck kannte keine Gnade: Drei Jahre und drei Monate gab es für den Balten, ohne Bewährung.

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