Neubaugebiet Hafen

Der richtige Moment

Das Leben ist immer im Fluss – in Offenbach zieht es

Offenbach - Der Hafen gilt als zentrales Entwicklungsprojekt in Offenbach. Daran knüpfen sich viele Hoffnungen, gern zusammengefasst unter dem Slogan „Urbanes Wohnen“. Der Hafen als Weg in eine bessere Zukunft? Von Martin Kuhn

Das Areal um das 770 Meter lange und 65 Meter breite Hafenbecken war in der 110-jährigen Geschichte schon vieles. Umschlagplatz, Industriebrache, Altlast, Streitobjekt. Mit dem gestrigen Richtfest kommt ein neues Kapitel hinzu: Wohnort. Weitere sollen folgen.

Abseits des großen Trubels läuft die Vermarktung des Areals gut: Bereits 80 Prozent des ersten Bauabschnitts (von Carl-Ulrich-Brücke bis etwa zur verlängerten Taunusstraße) sind veräußert. Zwischen ABG-Riegel und Hafenbecken errichtet die Deutsche Wohnwerte Heidelberg sogenannte Inselhäuser; ein Architektur- Wettbewerb ist beendet – voraussichtlich entstehen ab Frühjahr 2013 acht Häuser mit Eigentumswohnungen. Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis: „Das wird aufgelockerter als in den bisherigen Visualisierungen.“

Im Gespräch nimmt Projektentwicklerin Julia Spiering, für die Vermarktung des Hafens zuständig, stets diese städtebauliche Besonderheit auf: Wert legen Stadt, ihre Tochterunternehmen und Investoren auf den öffentlichen Raum – Hafentreppe, Wege, Infrastruktur; keine reine Wohn- oder Bürostadt, sondern ein lebendiger Stadtteil, der sich in den Jahren mit dem Nordend verzahnt. Die Mischung macht’s im Hafen: Miet- und Eigentumswohnungen, Kita und Grundschule, Lebensmittelgeschäft und Läden, Hochschule und Dienstleister. Mit Blick auf den Immobilienmarkt sagt Spiering: „Wir sind im richtigen Moment auf dem Markt. Und die Investoren sehen: Da ist Leben drin.“

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Den Inselhäusern folgt im Osten des Areals das Quartierszentrum der Firma Prime Properties, die zur Immobiliengruppe Lyson gehört. Ein mehrgeschossiges Gebäude, das im Parterre einen Supermarkt und eine Drogerie aufnimmt, darüber etwa 100 Wohnungen. „Ein Konzept, das in Riedberg funktioniert“, sagt die ausgebildete Stadtplanerin Spiering. Der Offenbacher ist skeptisch, erscheinen ihm doch allein die ABG-Wohnriegel als geradezu erdrückend. „Das ist derzeit ein Solitär. Mit der folgenden Bebauung wird das in eine optische Relation gesetzt.“

Weiteres Projekt: Das Gemeinnützige Siedlungswerk, Wohnungsunternehmen verschiedener Bistümer, baut auf einem etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstück 5600 Quadratmeter Wohnfläche – wahlweise als Seniorenwohnanlage oder Eigentumswohnungen; der Siegerentwurf stammt aus der Feder des Frankfurter Büros von Professor Jacoby. Den ersten Abschnitt vervollständigt die Stadt mit Grundschule und Kita (Realisierung 2014/15).

Ein Investorenauswahlverfahren für die Grundstücksvergabe der Hafeninsel Mitte (zweiter Bauabschnitt) ist vor wenigen Wochen gestartet. Auch da ist Projektentwicklerin Julia Spiering zuversichtlich: „Große Nachfrage; wir haben die Qual der Wahl.“ Mit fünf Investoren geht’s in die nächste Phase; für Mitte 2013 hofft sie auf eine Entscheidung, Baubeginn könnte ein Jahr später sein. Dann wird es Zeit für einen zweifachen Brückenschlag über das Offenbacher Hafenbecken. Im westlichen Teil entsteht eine Brücke für Autos und Fußgänger, im Westen ein Steg nur für zweitere.

Wie profitiert der Offenbacher? Er erhält ein Stück Naherholung an der Hafenspitze („In den Dünen“), ein Rundweg erschließt über gut 2,5 Kilometer das Ufer, der Main-Radweg wird vom Nordring (künftig: Hafenallee) ans Hafenbecken verlegt. Unterm Strich steht ein neuer Stadtteil, der allein in Form des EVO-Kohlekrans an die ehemalige Bedeutung als Handelsplatz erinnert.

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