Die richtige Orientierung

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Nicht allein bei Senioren ein Thema: die Kontrolle des Blutzuckers. Beim Tag der offenen Tür in der Elisabethenstraße gehört er dazu.

Offenbach - In der Stadt der Gestaltung und Kreativität hat sogar eine Berufsgruppe Kunst im Blut, deren Alltag oft genug das Gegenteil von Ästhetik und Fantasie bedeutet: die der Altenpfleger. Genauer gesagt derer, die es einmal werden wollen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Ein liebevoll kreiertes Plakat öffnet das Tor zur Zeitreise in die 20er bis 40er Jahre, auf der Bühne gibt es Swing und Jazz, die Auswahl der Filmvorführungen verrät Geschmack. Beim Tag der offenen Tür, zu der sich erstmalig die drei Einrichtungen Seniorenzentrum, Tagespflegeeinrichtung und Altenpflegeschule zusammen geschlossen haben, gibt es am Samstag jede Menge zu sehen und zu hören.

Die Vorbereitungen haben sich gelohnt: Mehr Interessierte als in den vergangenen Jahren finden den Weg in die Elisabethenstraße. Die Idee der „Zeitreise“ entstand im Unterricht, bei dem es um die Pflege von Patienten mit fehlender Orientierung ging, wie es bei Demenz der Fall ist. Für die betreuende Person es hilfreich, etwas über die Biografie der älteren Menschen zu wissen, die sich an ihre jungen Jahre mitunter erstaunlich gut erinnern. Die liegen bei der momentanen Altersstruktur zwischen den Weltkriegen. Daraus entstand ein ganzes Projekt, von dessen Ergebnissen sich rund 200 Besucher überzeugten.

Bunte Filmauswahl kommt gut an

In der Altenpflegeschule kümmern sich Simone Jung und Hamelmal Workalmhu, beide kurz vor ihrer Abschlussprüfung, um Kinogäste. Per Beamer werden „Bambi“, „Nosferatu“, „Die Feuerzangenbowle“ und „Der blaue Engel“ gezeigt. Am Eingang gibt’s Popcorn und Limo, wer sich genauer über den Zeitgeist informieren will, bekommt Kopien über Hans Moser, Zarah Leander, Willy Fritsch und vielen anderen Ufa-Legenden. Alte Filmplakat-Kopien zieren die Flurwände. Die Zeit, sich einen ganzen Film anzuschauen, nehmen sich die wenigsten.

In der Caféteria geht’s auf der Bühne live zur Sache. Vier Pflegeschülerinnen führen in den typischen Cocktail-Kleidern mit den langen Fransen und Federboas Charleston-Tänze auf. Sie und das Berry-Blue-Jazz-Trio ernten begeisterten Applaus. Sänger Berry Blue ist wohlbekannt. Der heißt im richtigen Leben Siegfried Bäuerle-Keßler, ist Apotheker und unterrichtet die „Tanzmädels“ in Arzneimittellehre.

Tag der offenen Tür erfreut sich positiver Resonanz

Für Kaffee, Kuchen, Snacks, Getränke und sonstige „Verkaufsartikel“ wird kein Geld verlangt, lediglich die Spendenbox wartet auf einen Obulus – eine Ausnahme allerdings sind die „Rezepte aus Uromas Kochbuch 1920-1945“. Wenn man Russische Eier, Himmel und Erde oder den Lausitzer Kranz nachmachen will, sind fünf Euro zu berappen. Dafür ist aber auch dieses Werk Handarbeit, vom Ehemann einer Auszubildenden liebevoll gestaltet. Von den Bierflaschen konnte der Grafiker seine Finger ebenfalls nicht lassen. Sie wurden kurzerhand zum „Seniorenbier“ – was verspricht, besonders süffig und dunkel zu sein – um etikettiert.

Gitta Oesch, Altenplegeschulleiterin, und Wolfgang Schmidt, Leiter des Seniorenzentrums, sind zufrieden mit der Resonanz. Die Vorbereitung hat sich gelohnt. Schmidt: „Viele Besucher fragen nach Wartezeiten, Pflegekosten und der Ausbildung zum Altenpfleger. Die können wir in einem individuellen Gespräch sofort beraten.“ Wer seinen eigenen Gesundheitszustand überprüfen möchte, wird an den Informationsständen fündig. Hier kann man kostenlos Blutzucker und Blutdruck messen lassen oder die Symptome für Demenz und Schlaganfall erfahren. Optimal, wenn man mit den richtigen Maßnahmen zu den Ergebnissen die eigene Pflegebedürftigkeit noch so lange wie möglich hinaus zögern kann.

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