Auf dem richtigen Weg

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Voller Elan: Die Nordic-Walking-Gruppe der Seniorenhilfe (vorne rechts Gründerin Ursula Buschhaus) auf einer ihrer regelmäßigen Touren im Offenbacher Stadtwald.

„Los geht’s’!“, ruft der alte Mann aus seinem Fenster. Sein motivierender Ausruf richtet sich an die Nordic-Walking-Gruppe der Seniorenhilfe, die vor seinem Haus am Rande des Stadtwaldes jeden Montag und Freitag um neun Uhr ihren Lauf startet. Von Leah Junck

Der Senior am Fenster feuert die Gruppe nicht ganz ohne Hintergedanken an. „Unsere Dehnübungen begeistern unseren einzigen Fan immer sehr“, erzählt Ursula Buschhaus, Gründerin der Gruppe, während sie sein Winken erwidert. Besonders die Übungen für die Brustmuskulatur würden ihm ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern, scherzt sie. Trotzdem: Die 21 Frauen und der eine männliche Läufer freuen sich über die Unterstützung. Die Sportgruppe im Alter von 55 bis 76 Jahren ist keine gewöhnliche. Ursula Buschhaus selbst hatte von ihrer Frauenärztin nach ihrer Krebserkrankung den Rat erhalten, in angemessener Weise Sport zu treiben. Das sollte die Gefahr einer Wiedererkrankung verringern. „Daraufhin schloss ich mich einer Nordic-Walking-Gruppe an und wurde nach dem Laufen richtig süchtig“, erzählt sie.

Das Leben wieder in die Hand nehmen

Vor zweieinhalb Jahren kam Ursula Buschhaus dann auf die Idee, selbst eine Gruppe über die Seniorenhilfe Offenbach anzubieten. Sie dachte dabei an Frauen, die wie sie selbst eine schwere Zeit hinter sich haben und ihr Leben wieder in die Hand nehmen wollen. Gesagt, getan. Schon bald lief sie die Strecke in Richtung Heusenstamm mit einer Hand voll Frauen, die mit Engagement bei der Sache waren. Nach und nach kamen immer mehr Läufer hinzu. Alle Teilnehmer haben Schicksalsschläge erlitten: Krebs, Schlaganfall, Hüft- und Knieprothesen, Schädelverletzung, schwere Arthrose und andere Leiden. Auch hatten viele von ihnen den Verlust ihrer Lebenspartner zu betrauern. „Wichtig ist uns das Gefühl, ein Gruppenmitglied zu sein, das Gemeinsame“, sagt die Gründerin. „Wir schauen nacheinander und spornen uns gegenseitig an“.

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