Vorzüge im Großformat

Offenbach ‐ Hoch oben auf 80 Metern über Offenbachs Normalnull entscheidet sich die Sache: Klappt alles, öffnet sich Passanten am Marktplatz künftig der Blick auf Offenbachs stärkste Seiten im Großformat. Von Barbara Hoven

Geht was schief, „wird‘s hier für viele Autofahrer ziemlich dunkel“, sagt Industriekletterer Uwe Piur und lacht. Kann er auch ganz unbesorgt, denn dass das 60-Kilo-Banner unserer Zeitung vom Haken geht und in die Kreuzung flattert, ist nicht ernsthaft zu befürchten. Oben an der Stadthaus-Fassade, wo die meisten Menschen längst vom Schwindel besiegt worden wären, haben seine Mitarbeiter Marcus Freiheit und Merlin Czarnulla alles im Griff. An Seilen gesichert lassen sie sich ganz entspannt herunter, ziehen so nach dem Flaschenzug-Prinzip langsam den Werbeträger hoch.

160 Meter Seil pro Mann brauchten die Industriekletterer Marcus Freiheit (links) und Merlin Czarnulla gestern allein für ihre eigene Sicherheit.

Seit sieben Uhr ist das Team der Mühlheimer Firma Pigo-Extremtechnik gestern im Einsatz, um zum mittlerweile sechsten Mal an einem der zentralsten und sichtbarsten Orte der Stadt ein Vertikal-Banner von bemerkenswerten Dimensionen ab- und ein neues aufzuhängen. Chef Piur erzählt, dass „vor der Kulisse eines richtig schönen Sonnenaufgangs“ der Vorgänger-Werbeträger der Capitol Classic Lounge schnell ausgedient hatte. Dass es trotzdem 11 Uhr wird, bis das 24 Meter hohe und acht Meter breite Offenbach-Post-Plakat die Fassade hinauf wandert, ist den Minusgraden geschuldet. Fassadenklettern mit frierenden Fingern? Besser nicht. Dann doch lieber etwas Zeit investieren für eine Kaffeepause zum Aufwärmen zwischen der Arbeit.

Zu der zählt normalerweise nicht nur die Montage von Werbeflächen, sondern alle Jobs in luftigen Höhen, bei denen Gerüste ihren Dienst versagen – wie Fassadenreinigung, Reparaturen an Kirchtürmen, Staumauern oder Windrädern. „Da wird mir ja schon vom Zugucken schwindelig“, meint eine Schaulustige, die vor der früheren Kreisverwaltung an der Kreuzung von Berliner Straße und Marktplatz verfolgt, wie die Männer da oben mit mehr als 400 Metern Seil hantieren. Damit kein Wind dem Banner Flügel verleiht, wird es nach dem Hochziehen mit Haken und Gummibändern befestigt.

Rubriklistenbild: © Georg

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