WM auf dem Riesenschirm

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Zum einen oder anderen Autokorso hat‘s in Offenbach immer schon gereicht. Und diesmal müssen sich die Fans auch nicht unbedingt vor kleinen Fernsehern drängeln, bevor sie losfahren. Hyundai, Ringcenter und Stadt stellen ein „Public Viewing“ auf die Beine.

Offenbach ‐ Diese traumatische Geschichte von vor vier Jahren, die durfte einfach nicht noch mal passieren. Fußball-WM in Deutschland, Riesentrubel, Mordsspaß, Sommermärchen und so weiter - und Offenbach war zu arm, um dem Volk irgendwo eine große Leinwand fürs Public Viewing, das kollektive Fußballgucken Gleichgesinnter, hinzustellen. Von Marcus Reinsch

Die Fans zogen gen Frankfurt oder, für den Stadtstolz genauso schlimm, nach Dietzenbach, das den Fußballzirkus sogar in ein Zirkuszelt übertrug. Eine Offenbacher Niederlage.

Eine, die während der am 11. Juni beginnenen Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nach Kräften geheilt werden soll. Bedeutet: Erstmals wird es in Offenbach ein Public Viewing geben, bei dem die Stadt ihre Finger im Spiel hat. Organisatorisch, nicht finanziell, versteht sich. Offenbach ist ja jetzt noch viel, viel ärmer als vor vier Jahren und deshalb in Gestalt seines Oberbürgermeisters Horst Schneider „sehr dankbar“, dass das mit dem Geld andere regeln.

Die Anderen, das sind der Autohersteller Hyundai, dessen Europazentrale am Kaiserleikreisel steht, und das Ringcenter am Odenwaldring. Dessen Parkplatz wird Standort des Hyundai-Fan-Parks, dessen wesentliches Element keine Leinwand im eigentlichen Sinne ist, sondern ein 25 Quadratmeter großer Fernseher, der seine Bilder mit Hilfe kleiner Lichtpunkte erzeugt. Da kann der Sonnenschein selbst die WM-Spiele, die aus dem Gastgeberland Südafrika schon am Nachmittag übertragen werden, kaum überblenden. Und „gezeigt“, verspricht der Offenbacher Sportamtsleiter Jürgen Weil, „wird jedes Spiel von der Eröffnung bis zum Finale. Das ist das Wichtige, und da können wir uns abgrenzen von anderen Veranstaltern.“

Täglich ab 12 Uhr ist Programm

An Abgrenzung wird es noch mehr geben. Baulich: Das nordwestliche Sechstel des Ringcenterparkplatzes wird mit Bauzäunen für laut Centergeschäftsführer Michael Relic bis zu 10.000 stehende Besucher abgesperrt; rund 200 Stellplätze fallen für den WM-Monat weg. Und inhaltlich: Relic hat „Akzente vor allem für Familien“ im Sinn. Täglich ab 12 Uhr ist Programm auf der 80-Quadratmeter-Bühne von Hit-Radio FFH möglich; bereits festgeklopft sind Livebands, Tischkicker-Turniere, Fanschminken, Gewinnspiele, „Ball-Riding“ (Elektro-Rodeo auf einem bockenden Ball) und zweimal Besuch vom Bieberer Berg. Wenn die deutschen gegen die australischen Nationalkicker antreten, wollen OFC-Verantwortliche im Hyundai-Fan-Park bereit für Diskussionen über lokalen Fußball sein. Und beim Spiel der Deutschen gegen Serbien soll sich der komplette neue OFC-Kader nicht nur auf der Bühne präsentieren, sondern auch zum Spiel bleiben. Es gibt Grill-Stationen, Getränkestände, Fanartikel und manches mehr, was Mensch oder Seele sättigt.

Hyundai selbst investiert mit dem Public-Viewing in „Erinnerungswerte und die emotionale Aufladung der Marke“, wie es die Marketingchefin Sevilay Gökkaya formuliert. Das soll über Werbung an den Bauzäunen funktionieren, mit Aktionen am eigenen Stand und indem sich herumspricht, dass der seit 1999 als Großsponsor nicht nur im internationalen Fußball aktive Konzern durchaus auch Platz für „Herzensangelegenheiten“ hat. Seien es nun Schulprojekte für afrikanische Kinder oder, auch ein Millionending, die Beteiligung an den FIFA-Fan-Festen in europäischen Metropolen.

Kosten im jeweils „sechsstelligen Bereich“

Da ist das Engagement in Offenbach, von Oberbürgermeister Horst Schneider als Hyundai-Bekenntnis zum Standort seiner Europazentrale und irgendwie als eine Art WM-Titel für die Stadt bejubelt, fast schon ein Schnäppchen. Der Autohersteller zieht seine Fanpark-Projekte auch in Hamburg (bis 70 000 Kollektiv-Gucker), Bochum und Dresden auf.

Für Offenbach rechnen Hyundai und Ringcenter mit Kosten im jeweils „sechsstelligen Bereich“. Und möglicherweise werden einige nicht fußballbegeisterte Anwohner Lehrgeld in Sachen Geräuschpegel zahlen müssen. Für das Public Viewing sind die Regeln bundesweit deutlich gelockert worden. Die Nachtruhe ab 22 Uhr und die Lärmgrenzwerte dürfen überschritten werden.

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