Mainuferpark Offenbach

Zartes „Rindenfilet“ soll Bäume vor Problembiber schützen

Saubere Biber-Arbeit hat Leser Michael John am Mainufer dokumentiert.
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Saubere Biber-Arbeit hat Leser Michael John am Mainufer dokumentiert.

Ein Biber am Offenbacher Ufer steht unter verschärfter städtischer Beobachtung: Könnte er sich Mainradweg zum Problem entwickeln. Manche angeknabberte Bäume kippen in die falsche Richtung.

Offenbach - Am Mainuferpark in Höhe der Arthur-Zitscher-Straße hat der Stadtservice bereits eingreifen müssen. Eine Pappel war so geschädigt, dass sie auf 1,50 Meter eingekürzt werden musste. „Normalerweise nagen Biber an den Stämmen von der Wasserseite her, sodass sie in Richtung Fluss oder Bach fallen und die Tiere sie für ihre Burg nicht so weit ziehen müssen“, weiß Sigrid Aldehoff von der Stadtwerke-Unternehmensgruppe. Dieser Baum aber war in Richtung Weg geneigt gewachsen. „Bei weiterer Benagung“ hätte er zu einer Gefahr für Passanten werden können.

Offenbach: Liegengelassene Äste sollen Biber im Mainuferpark als schmackhaftere Kost dienen

Dass die Äste liegengelassen werden, hat nun nichts mit Nachlässigkeit zu tun: Sie sollen vielmehr den Biber dazu einladen, die weichere Rinde abzuknabbern. Erfahrungen in Bürgel hätten gezeigt, dass die Tiere die feine Kost der harten Borke am Stamm vorzögen. Sigrid Aldehoff beschert Offenbach das schöne „Rindenfilet“ – welches verhindern kann, dass Offenbach einen Problembiber bekommt.

Stehen, aber unter Beobachtung bleiben auch angenagte Bäume am Mainuferpark. Sie werden nicht entfernt, so lange sie die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigen: Auch ihre Rinde dient dem Biber als Nahrung. Würden die Stämme entfernt, würde das Tier den nächsten Baum annagen.

Biber in Offenbach beschädigen das Grünwesen-Team des Stadtservice schon länger

Erfahrungen hat das Grünwesen-Team des Stadtservice bereits im vergangenen Jahr mit einem Biber in Höhe des Campingplatzes in Bürgel gesammelt. Dort hatte das Tier eine große Pappel angenagt. Um den Baum zu stabilisieren, wurden Äste aus der Krone entfernt und daneben liegen gelassen. Der Biber hat daraufhin die Äste abgenagt und den Stamm in Ruhe gelassen, sodass die Pappel heute noch steht. In diesem Jahr war von dem Biber an dieser Stelle nichts mehr zu sehen.

Vielleicht ist er weiter westlich ans andere Ufer nach Fechenheim gezogen. Dort hat er schon einige wild wachsende Weiden in der Steinböschung zu Fall gebracht. Ob es dasselbe Tier ist, weiß man bei den Stadtwerken nicht. Sprecherin Aldehoff: „Eine Burg in der Nähe des Schlosses hat er aber noch nicht versucht zu bauen, offenbar schätzt er seine Chancen, den Main an dieser Stelle aufzustauen, realistisch ein.“ Aber auch nach solchen Anzeichen halte das Grünwesen-Team Ausschau. Erfolgreicher ist da bereits sein Kollege, der sich am Bieberbach bei Bieber im Deichbauwesen engagiert.

Main in Offenbach: Biber stehen unter Naturschutz

Einfach vertrieben werden dürfte das unter strengem Artenschutz stehende Tier ohnehin nicht, so sehr es auch am Mainufer stören mag. „Es ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten, Biber zu fangen, zu verletzen oder zu töten, ihre Dämme oder Burgen dürfen nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden“, konkretisiert Christine Schneider, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt. Sie weist darauf hin, dass alle Maßnahmen abgestimmt werden müssten, gegebenenfalls sei das Landesumweltamt als Obere Naturschutzbehörde einzuschalten. Eine optimale Lösung sei stets gemeinsam für den Einzelfall zu finden.

Immer spielt dabei der Naturschutz eine wichtige Rolle. Vielerorts wird der Biber als kostengünstige Hilfe betrachtet, um artenreiche Lebensräume zu schaffen. Er fällt Bäume, staut Bäche und gräbt Wasserläufe, um Äste als Nahrung zu transportieren. Wo er heimisch wird, entsteht Lebensraum für Insekten, Amphibien, Vögel und seltene Pflanzenarten. Kein Problem, solange der Biber nicht für unwillkommene Überschwemmungen sorgt oder in Konflikt mit einem stark befahrenen Radfernweg gerät.

Biber in Offenbach: Seit 2017 erobern die großen Nager wieder die Stadt

Seit spätestens 2017 ist der zweitgrößte Nager der Welt wieder in Offenbach heimisch, nachdem er im späten 19. Jahrhundert praktisch ausgerottet war. 1987 wurden erste Paare im hessischen Spessart ausgesetzt. In Offenbach hat er sich mittlerweile von Rumpenheim und Bürgel am Main entlang zur Kernstadt vorgearbeitet. (Thomas Kirstein)

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