Aus ToomMarkt wird Rewe

Markenwechsel im Ringcenter steht bevor

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Der Toom-Markt im Ringcenter ist einer der wenigen Großflächenmärkte in der Region. Eine Neuausrichtung zum „Rewe-Center“ ist beschlossen.

Offenbach - Albert Blume ärgert sich. Der treue Kunde des Toom-Markts im Ringcenter vermisst einige Artikel, die sonst regelmäßig in seinem Einkaufswagen landeten. „Manche Produkte werden nicht mehr angeboten, die Leute suchen dauernd nach Sachen.“ Von Veronika Szeherova

Blume fragt bei einem Mitarbeiter nach und erfährt: „Der Toom wird in einen Rewe-Markt umgewandelt. “ Nun macht unter den Stammkunden die Befürchtung die Runde, das könne mit einer Einschränkung des Sortiments verbunden sein. „Wir kaufen jeden Monat für 300 Euro im Toom ein, weil er die größte Auswahl hat, wäre schade, wenn das wegfallen würde“, meint Albert Blume.

Wir haben bei der Rewe-Zentrale in Köln nachgefragt und die schriftliche Versicherung erhalten, dass sich für Kunden nichts ändere: „Geplant ist ein umfassender Relaunch der Vertriebslinie. Im Zuge einer Verschmelzung werden die Toom-Märkte im Laufe des Jahres in die operative und vertriebliche Verantwortung der jeweiligen Rewe-Region überführt.“ In Offenbach geschehe ein fließender Übergang zum April.

Zunehmend mit Problemen zu kämpfen

Die Toom-Märkte decken im Rewe-Konzern das Großflächensegment (mehr als 5000 Quadratmeter) ab, das zunehmend mit Problemen zu kämpfen hat. So hat Toom laut Lebensmittel-Zeitung im vorigen Jahr einen Verlust im niedriger zweistelliger Millionenhöhe eingefahren. Daher plant Rewe den Markenwechsel. Ein langjähriger Mitarbeiter des Offenbacher Toom-Markts, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist skeptisch. „Die gleiche Sortimentsvielfalt können Sie dann nicht mehr erwarten“, sagt er. Die jetzigen 6 500 Quadratmeter Verkaufsfläche würden im Rewe-Center ganz anders genutzt. Zur Disposition stehen nach seiner Ansicht die Textilien- und die Elektro-Abteilung des gegenwärtigen Toom-Markts. Nach seinen Informationen wird der bislang externe Getränkemarkt integriert, außerdem solle ein Reisebüro hinzukommen. Er erwartet, dass sich das Sortiment um 30 Prozent verringert. „Man kriegt alles genau vorgegeben, schon jetzt sollen wir keine zusätzlichen Tische bestellen“, erzählt er.

Viele Mitarbeiter würden nun um ihre Arbeitsplätze bangen. „Sie haben keine Planungssicherheit.“ Als Beispiel nennt der Angestellte einen Markt in Hanau, der schon vor längerer Zeit vom Toom zum Rewe wurde. „Dort machen sie nur noch ein Drittel vom ursprünglichen Umsatz. Wenn sie hier genauso ummodeln, wird es statt der 123 Mitarbeiter nur noch 30 bis 60 geben.“ Er erwarte, dass „der Betriebsrat spätestens bei der Übernahme abgeschafft wird“.

Weniger Mitarbeiter = Kosten sparen

Weniger Mitarbeiter seien die einfachste Möglichkeit, Kosten zu sparen. „Es zählt nur, was am Ende übrig bleibt. Auch der Kunde interessiert bei vielen Entscheidungen nicht“, sagt er. Und das, obwohl der Offenbacher Toom sehr gute Umsätze mache – jährlich um die 30 Millionen. „Freitags und samstags kommen etwa 12 000 Kunden, unter der Woche 20 000 bis 25 000.“

Ein Ziel der Verschmelzung sei, den Marktanteil an Rewe-Eigenmarken zu sichern. Kunde Blume betont, dass er „keine „Produkte aufgedrückt bekommen“ möchte. Er sorgt sich auch um die Zukunft der Angestellten, von denen er viele über die Jahre kennengelernt hat. „Ich kann über das Personal nur Gutes sagen. Doch teils haben die Leute schon resigniert.“

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Ringcenter-Manager Michael Relic sieht hingegen kein Problem in der Verschmelzung. „Die Marke Rewe tut viel mehr für ihre Außendarstellung, wird öffentlich stärker wahrgenommen. Ich bin ein Freund von Mietern, die viel für die Öffentlichkeitsarbeit tun – das zieht auch mehr Kunden an.“ Er erwarte nicht, dass das Sortiment kleiner werde, bis auf „weniger Non-Food“. Von der „Neu-Ausrichtung“ würden die Kunden nichts mitbekommen.

„Ob der Namenswechsel gleich stattfindet, weiß ich nicht. Sonst fällt’s nicht auf, auch die roten Westen bleiben.“ Der Toom-Baumarkt sei von der Verschmelzung nicht betroffen. „Er bekommt eventuell ein Face-Lifting“, sagt Relic. Das Elektro-Fachgeschäft Pro-Markt, das ebenfalls zum Rewe-Konzern gehört, wird umgebaut. „Es bekommt ein neues Konzept. Wann, steht noch nicht fest.“

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