Risiko an der Ladenkasse

Offenbach - Für Maria V. ist es ein Horrortag: Bei einem Raubüberfall auf ihren kleinen Tante-Emma-Laden wird die ältere Dame lebensgefährlich verletzt.

Einer der insgesamt vier Täter bleibt am Strumpfregal stehen, bittet die Frau um Hilfe bei der Wahl der Damenstrümpfe, die er für seine Freundin kaufen wolle. Nichts ahnend geht Maria V. zu dem Kunden, der sie in einen Nebenraum drängt, zu Boden stößt und mit einem Messer auf sie einsticht. Die Beute aus der Ladenkasse: rund 1000 Euro. So schildert die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer „Weißer Ring“ einen Fall aus der Vergangenheit auf ihrer Internetseite.

Pro Jahr werden im Einzelhandel durch Raubüberfälle über 1000 Mitarbeiter verletzt oder erleiden teilweise bleibende psychische Schäden, berichten der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und der Handelsverband BAG in einem Positionspapier zu Sicherheit und Datenschutz. Deshalb und auch wegen der hohen finanziellen Schäden komme der Prävention gegen Raubüberfälle und Diebstähle im Einzelhandel eine sehr hohe Bedeutung zu. Sowohl die Kriminalpolizei als auch die für den Raubüberfallschutz zuständige Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) empfehlen deshalb die Videoüberwachung als eine wesentliche Maßnahme zur Vorbeugung, wie es weiter heißt. Diese ermögliche auch eine bessere Strafverfolgung des Täters durch dessen Identifizierung. Die Einzelhandelsverbände heben in dem Papier ausdrücklich hervor, dass eine Videoüberwachung ausschließlich aus Präventionsgesichtspunkten durchgeführt werden dürfe und nicht, um Daten einzelner Mitarbeiter zu erlangen.

Schon im Vorfeld wird verstärkt auf Prävention gesetzt: So bot u.a. das regionale Aktionsbündnis „Erfolgreich und gesund im Einzelhandel“ 2008 und 2009 zwei Informationsveranstaltungen in Kassel und Melsungen zum Thema „Richtig vorbeugen und bewältigen – Raubüberfälle und Gewaltereignisse in Einzelhandelsgeschäften“ an. Partner waren dabei der Einzelhandelsverband Hessen-Nord, die BGHW sowie das RKW Kompetenzzentrum, die sich mit Führungskräften und Mitarbeitern aus Einzelhandelsunternehmen zusammensetzten. Über die Resultate wurde ausführlich im Fachmagazin „Handelsjournal“ berichtet, um mehr Betriebe zu erreichen.

Ergebnis der Treffen: Vor allem sicherheitstechnische Mängel und organisatorische Fehler seien die typischen Ursachen für Überfälle, hieß es. Häufig gebe es keine Alarmanlage. Nicht selten seien Einzelarbeitsplätze einsehbar. Geldübergaben fänden sogar oft auf offener Straße statt, teils werde Geld auch direkt an der Kasse vor den Kunden gezählt. Letztendlich könne man durch bauliche, technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen eine Abschreckung von Tätern erreichen, lautete das Fazit.

Die Berufsgenossenschaft bietet Einzelhandelsunternehmen zur Prävention gegen Raubüberfälle eine Vielzahl von Merkblättern und Broschüren. Zudem gibt es Informationsveranstaltungen sowie ein dreitägiges Seminar für Unternehmer zum Thema. Doch auch wenn's passiert ist, steht die BGHW als Ansprechpartner bereit: Für Opfer gibt es eine psychologische Soforthilfe. Um diese gewährleisten zu können, sollte ein Raubüberfall möglichst noch am gleichen Tag vom betroffenen Unternehmen gemeldet werden, mahnt die Berufsgenossenschaft. Viele Opfer werden ihr aber nicht gemeldet.

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