Auf den Ritter gewettet

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Eine „Keltenhexe“ mit Eule und Kerze. Im Hof des Büsingpalais erwachte das Mittelalter zu neuem Leben.

Offenbach ‐ Weihnachtsglocken waren im Mittelalter kaum zu hören, mit dem heutigen Begleitumstände hatte das Fest der Liebe damals nichts gemein. Lediglich ein vergleichbarer Brauch, wie der des Tannenbaums im eigenen Heim, ist überliefert. Von Christina Schäfer

Der Baum wurde zu früheren Zeiten aber nicht in einem Ständer befestigt. Vielmehr hing das schmückende Grün mit der Spitze nach unten zeigend von der Zimmerdecke hinab.

Vor diesem Hintergrund ist ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt, wie er im Hof des Büsingpalais geboten wurde, eigentlich ein Widerspruch in sich. Doch das störte die zahlreichen Besucher und die Organisatoren ebensowenig wie die Tatsache, dass das neubarocke Ambiente des Büsinghofs nicht zur Epoche passte. „Gebäude aus dem Mittelalter gibt es in Offenbach nun mal nicht mehr. Das Büsingpalais ist mit die schönste Kulisse dafür“, sagt Pierre Dammer vom „Projekt Mittelalter“. Gemeinsam mit der Stadt hatte der Verein den Mittelalter-Weihnachtsmarkt organisiert - einen Ableger des etablierten Mittelaltermarkts am Rumpenheimer Schloss.

Vor 14 Jahren begann beim Tag der Vereine alles mit einem zufälligen Zusammentreffen und einer gemeinsamen Idee. Nun verwirklichten Günter Doll und Pierre Dammer bereits die zweite Auflage des Marktes. Und das mit Erfolg.

Musikalische und tänzerische Unterhaltung kommt nicht zu kurz

Wer sich am Eingangstor zum Hof noch überlegt, ob sich denn das Eintrittsgeld lohnt, der ist spätestens beim Bummel entlang der 30 Stände überzeugt. Denn dieser entwickelt sich schnell zu einer wahren Entdeckungstour.

Vor allem schon fast vergessenes Handwerk können die Besucher im Hof des Büsingpalais wiederentdecken. So lassen sich unter anderem Schmied, Papierschöpfer und Seiler bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. „Das ist so toll, wenn man denen zuschauen kann“, sagt eine Besucherin ganz begeistert, während der Schmied unter Einsatz seiner körperlichen Kräfte eine „Nadel fürs Gewand“ anfertigt. Beim Papierschöpfen können die Offenbacher Jürgen Seifert aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd zuschauen.

Doch auch die musikalische und tänzerische Unterhaltung kommt nicht zu kurz: Zarte Harfenklänge ziehen ebenso durchs historische Gemäuer wie laute Musik von Trommeln und Dudelsäcken. Die „Burning Dragons“ spielen unterdessen mit dem Feuer. Ihr Glück herausfordern können die Besucher beim Mäuseroulette. „Ein Goldrand-Taler“ ist der Einsatz, lässt Harry verlauten. „Das ist keine gewöhnliche Maus, sondern ein verwandelter Ritter.“ Dann suchte sich Maus Vladimir ihren Weg in der Holzkiste, die mit verschiedenen Toren versehen ist. Doch eine Sache beschäftigt den Glück suchenden Besucher: „Ist denn solch ein Ritter schon einmal entkommen?“ „Ja, er hat den ganzen Markt verwüstet“, antwortet Harry. Und währenddessen hätte es die Maus beinah geschafft, aus der Holzkiste herauszufinden.

Seife aus Schokolade oder Bier, gibt es das? Und ob! Bei Seifensieder Andreas Egner aus Kelkheim. Der „Rotwein-Zimt“-Duft betört, und ein wenig kommt einem Weihnachten da wieder in den Sinn. Gern ist auch Uwe Hoyer mit seiner Metschänke in Offenbach zu Gast: „Das Ambiente, die Organisation und der Markt stimmen.“ Nur die Höhe der Schankgebühr trübe seine Freude in der Stadt.

Mit der Resonanz sind die Organisatoren zufrieden – trotz des Regens. Aber am Wetter könnten auch sie nichts ändern, auch wenn der Deutsche Wetterdienst seinen Sitz in Offenbach hat, sagt Pierre Dammer mit einem Schmunzeln.

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