Den Rivalen auf die Hörner genommen

Offenbach - (tk) Weil er gar zu intensiv einen Freundschaftsdienst leistete, hat sich ein 50-jähriger Geschäftsmann eine auf Bewährung ausgesetzte Vorstrafe eingehandelt. Außerdem muss er 2000 Euro an Kinderheime zahlen. Der Offenbacher Richter Manfred Beck verurteilte ihn wegen schwerer Körperverletzung zu sieben Monaten.

Sein Kumpel, dem er handgreiflich beistand, ist schon vor einiger Zeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verdonnert worden. Seine Eifersucht eines betrogenen Ehemanns war der Auslöser.

Vor dem Offenbacher Schöffengericht entrollte sich nun eine filmreife Geschichte aus Unternehmerkreisen. Sie begann im August 2006. Damals hatte der Freund des jetzt Verurteilten von seiner Frau gebeichtet bekommen, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen Unternehmer habe. Der Ehemann wollte sich nicht damit abfinden, dass man ihm Hörner aufgesetzt hatte - stattdessen wollte er den Rivalen auf dieselben nehmen.

Mehreren Freunden, unter anderem einem Arzt, die er als Komplizen missbrauchen wollte, erzählt er, dass er für eine geschäftliche Angelegenheit Zeugen benötige. Die Angesprochenen rochen aber Lunte und lehnten klugerweise ab.

Nicht so der Kumpel, der sich jetzt als 50-Jähriger vor Richter Beck wiederfand. Er erklärte sich bereit den Zeugen zu machen. Auf der Fahrt zum Nebenbuhler bekam er reinen Wein eingeschenkt - um eine saftige Abreibung, nicht um einen Handel sollte es gehen. Trotzdem war er weiter dabei. In seiner Wohnung trafen sie den damals 46-jährigen Geliebten der Ehefrau nicht an, dafür aber in seinen Offenbacher Geschäftsräumen. Deren Türen waren fest verschlossenen - offensichtlich hatte der Nebenbuhler Wind von der Beichte seiner Geliebten bekommen und verbarrikadierte sich gegen ein Rachekommando. Da es aber ein heißer Tag war, hatte er ein Fenster leicht geöffnet gelassen. Das wurde ihm zum Verhängnis.

Der Ehemann riss wutentbrannt das Fenster aus der Verankerung, stieg in die Firma ein und stürzte sich mit einem Messer auf den Chef, der gerade mit einem Praktikanten an einem PC arbeitete. Der sportliche Nebenbuhler konnte dem eher schwerfälligen Angreifer ausweichen, indem er wie ein Boxer tänzelte.

Nun aber griff der Freund ein, wohl um zu verhindern, dass der Bösewicht ungestraft entkam und sich der Ehemann lächerlich machte. Er sprang ebenfalls durch das Fenster ins Büro und verpasste dem 46-jährigen zwei kräftige Faustschläge, so dass dieser zu Boden ging. Dann trat er auf ihn ein.

Zur Besinnung kam er erst, als sein Kumpel dem schon besiegten Rivalen das Messer an den Hals setzte. Er zog ihn weg, und beide suchten das Weite.

Das Opfer wurde mit Platzwunden und Prellungen ins Krankenhaus gebracht. Während die körperlichen Verletzungen schnell heilten, sieht es laut Gericht mit den seelischen Beeinträchtigungen anders aus. Der Geschädigte leide noch heute an einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Schlafstörungen, Unruhe und Angstzuständen.

Der nun als Mittäter angeklagte Mann hatte vor Gericht angegeben, dass er lediglich seinen Freund von dem Geschädigten weggezogen habe. Die Aussagen des Geschädigten und des Praktikanten, die sehr detailreich waren, standen dem aber entgegen.

Der Ehemann selbst hatte sich vor einiger Zeit geständig gezeigt und war mit der Freiheitsstrafe von zwei Jahren davongekommen, die das Gericht zur Bewährung ausgesetzt hatte. In das damalige Urteil waren noch Wirtschaftsstraftaten eingeflossen.

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