Rock fährt auch in morsche Knochen

+
Ein Bieberer, der seit fünf Jahrzehnten auf der Bühne steht: Buddy Caine zelebrierte mit vielen Gästen und noch mehr Musik sein Jubiläum.

Offenbach ‐ Ein Jubiläumskonzert sollte es sein. Für einen Sänger, der seit 50 Jahren auf der Showbühne daheim und wie kein Zweiter mit Offenbach verbunden ist. Von Klaus Ackermann

Doch weil bekanntlich der Rock’n’Roll auch morsche Knochen mobilisiert, wurde Buddy Caines „Jubilee“ in der gut besuchten Stadthalle zu einer zünftigen Party, bei der es kaum einen auf dem Sitz hielt. Dafür sorgten „Oldies but goodies“ mit den Rock hämmernden Rattles und dem deutschen Elvis Ted Herold an der Spitze.

Das Loblied auf den Entertainer Caine, der einst zu Manuelas Five Dops gehörte und den Namen von seinem Plattenproduzenten Ralph Siegel verpasst bekam, wurde an dieser Jubiläumsabend in vielen Strophen gesungen.

Auch von Oberbürgermeister Horst Schneider, der den „echten Offenbacher“ mit der Rathaus-Medaille in Silber auszeichnet und noch ein besonderes Geschenk in petto hat, eine Idee von Günter Doll, dem Oldie-Boss im Forum Kultur. Erstmals wurde der Offenbacher „Oscar“ verliehen. Verdientermaßen an Buddy Caine. In zehn Jahre werde er ihn für sein Lebenswerk nochmal erhalten, kommentiert ein typisch Offenbacher Schlappmaul.

An Komplimenten spart auch die Offenbacher Fecht-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Cornelia Hanisch nicht, Stargast des Abends, an deren sportliche Meriten hr-Reporter Wolfgang Avenarius erinnert. Angenehm: Nur wenig Geschwätz gab’s während der Jubiläumsparty, dafür um so mehr Musik von Weggefährten und Freunden des Bieberers Buddy, die Klaus Larisch, Offenbacher Rechtsanwalt und ehemals Gitarrist der legendären Folkrock-Gruppe Merlin’s Fantasy Farm kurzweilig beplauderte.

Aufhorchen lässt eine junge Dame

Rock’n‘ Roll forever: Für die Obertshausener Tom Jet and the MTGs ein Muss, die mit „Summer 69“ nicht nur den diesen Abend musikalisch dominierenden Zeitgeist vorgeben, sondern auch spontan Tanzwütige vor die Bühne locken. Während der gewichtige Big T. mit „Don’t Be Cruel“ die erste Elvis-Rakete zündet und die sympathischen Crazy Cats – Kerstin Löw und Thomas Jeutter – die Richtung anzeigen: „Mir sinn die Hesse mit dem Rock’n’Roll“.

Natürlich setzt Buddy auch seine Caine-Band rockig in Szene, an seine Schlager-Vergangenheit mit „Vorhang auf fürs Glück“ erinnernd. Und wenn seine Soul Brothers, Victor Mellum und der überragende „Iron“-Tyrone Starks an der Posaune, „Soul Music“ aus der Hit-Kiste zaubern, werden alle im Saal zu Zappelwesen. Dass sich „Liebeskummer nicht lohnt“, darüber klärt das stimmlich muntere Petticoat-Mädel Carola Olchewsky auf. Eine weitere Farbe bringt Caine-Pianist Helle Baum mit einem rasant gehämmerten Boogie ein.

Aufhorchen lässt eine junge Dame, die das Showbiz offenbar mit der Muttermilch eingesogen hat. Camilla Kaltfass, in Berlin im Musical „Vom Wedding nach Las Vegas – Die Manuela Story“ als Titelheldin zu erleben, ist eine echte Stimm-Röhre und dazu ein Hingucker auf den Showbrettern, die sie auch tanzend locker durchmisst. Den Namen wird man sich merken, ein anderer erinnert an Teenager-Zeiten: Der „deutsche Elvis“ Ted Herold hat’s noch immer drauf. Entsprechend authentisch wirkt die Zeitreise in die 1960er des „Rockabilly Willy“.

Jetzt wird`s rockig, der Beat knackt noch. Denn bei den legendären Rattles, ebenfalls schon 50 Jahre auf der Showbühne und kein bisschen leise, ist Härte angezeigt. Ein wenig „Come on, let’s sing“, gewürzt mit „Schalala“, und die Zuhörer sind elektrisiert bis weit nach Mitternacht. Welch gute Musiker Offenbach rocken, zeigt das Gitarren-Solo in „The Witch“, der Hamburger größter Hit. Da vergisst dann auch ein Offenbacher glatt, dass er sich zu Beginn des Abends über „unerträgliche Lautstärke“ beschwert hatte…

Kommentare