Rock-Fasching, mal wörtlich

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Bei der beliebten Fastnachtssause in der Stadthalle steppte wie immer ganz mächtig der Bär.

Offenbach ‐ Spannung liegt in der Luft hinter der Bühne, die Stadthalle füllt sich langsam. Gleich geht sie los, Offenbachs größte Karnevalsveranstaltung, der Rock’n Roll-Fasching. Von David Heisig

Günter Doll, Leiter der städtischen Kultur- und Sportverwaltung und Veranstalter, sorgt sich ein wenig. Parallel spielen auf dem Bieberer Berg die Kickers gegen Erfurt. Das könnte potentielle Gäste gekostet haben. Auch beim soeben eingetroffenen Prinzenpaar sind die Kickers Thema. Prinz Herbert II. telefoniert mit dem Stadion: noch 0:0. Ein wenig entspannt sich die Lage. Also rauf auf die Bühne und das karnevalistische Volk begrüßt: „Aufstellung!“, ruft Ministerpräsident Simon Isser. Die Garde der „Blauweiß-roten Mozarthusaren“ tanzt, Prinzessin Sabine I. singt, der Prinz spricht zum Volk.

Bilder vom Rock-Fasching in der Stadthalle

Rock-Fasching

„Das ist eigentlich eine musikalische Reise durch mindestens drei Jahrzehnte“, erklärt Günter Doll. „Narhalla-Marsch“, „Humba Täterää“ oder „Mer losse den Dom in Kölle“ stehen nicht auf dem Programm. Rock‘n Roll wollen die rund 1200 Blumenkinder, Petticoatträgerinnen und Travolta-Imitatoren hören. Am ehesten noch in die Kategorie „Lustige Unterhaltungsmusik“ fällt die erste Nummer des Abends: das „Duo Ohrenschmaus“ aus Mühlheim. Hohe Hüte auf dem Kopf, Röcke um die Taille gewickelt: „Es ist ja Rock-Fasching.“ So wirklich ernst nehmen sich und den Rest der Welt Klaus Schmitt und Matthias Spahn nicht.

Bei den Kickers steht es immer noch unentschieden. „Guck mal, Matthias, die da hat 'nen Faltenrock an, passend zum Gesicht.“ Das Publikum sieht den beiden kleine Frechheiten generös nach. „Ja ja, hinnerm Zaun, da steht so’n große Ebbelbaum“ oder „Er hat Spaß, er hat Fun, er ist der Kartoffelmann“ – das Publikum singt begeistert mit. Mittlerweile steht es 1:0 für den OFC. Songs wie „Offebach-Post“ und „Käsmühl“ („Die einzige Mühle, die Käse mahlt“) folgen. Und es folgt auch das zweite Tor für die Kickers.

Neue Deutsche Welle ein Hit

Anschließend heizt Sängerin Simone Kerchner dem Publikum ein. „I will survive“ von Gloria Gaynor und „Let’s get loud“ von Jennifer Lopez ziehen die ersten Tanzwütigen vor die Bühne. „Sie kommen aus Karlsruhe, sie vertreten eine Musik, die uns Freude bereitet“, führt Moderator Buddy Caine die nächste Gruppe ein: Die Band „Knutschfleck“. Getreu des Mottos der Neuen Deutschen Welle (NDW) „Ich will Spaß“ spielt Knutschfleck Hits wie „Sternenhimmel“, „99 Luftballons“ oder „Moskau“. Sängerin Julia Manz hat das Publikum im Griff: „Ich weiß noch nicht, ob ihr richtig eingesungen seit, aber eigentlich ist das auch völlig schnuppe, ihr schafft das!“ Das Publikum tut ihr den Gefallen, singt lauthals mit und tanzt zum rund einstündigen Programm der Band.

Hinter der Bühne wird es derweil spannend. Bei einem improvisierten Soundcheck werden die Mikros getestet, das Keyboard aufgestellt und das Schlagzeug verrückt. Die vier Herren von „Herman’s Hermits“ in dunklen Anzügen und mit ergrauten Haaren, Jugendidole vieler im Saal, warteten auf ihren Auftritt. Dann das Intro, man erklimmt die Stufen der Bühne - doch halt, einer fehlt. Kommando zurück, denn Schlagzeuger Barry Whitwam ist noch nicht da. Spannende Sekunden auch für Günter Doll. Beim zweiten Versuch klappt‘s. „Back to the most exciting music history decade“, zurück ins aufregendste Musik-Jahrzehnt, lautet das Credo der Engländer. Die Musik der 60er ist Programm, wenn auch nicht in Originalbesetzung. Barry Whitwam ist von Anfang an dabei, Kevan Lingard, Geoff Foot und Eddy Carter ergänzten erst später. Es folgten „Can’t you hear my heart beat“ und „Wonderful world“. Dem Publikum gefällt’s.

Ausgelassene Fastnachtparty in der Stadthalle

Zum Abschluss kommt die Band „WonderVoice“ von Frank Skibinksi und Markos Daroglou aus Dreieich mit Rock, Pop und Soul der 70er- und 80er. So feiern Junge und Junggebliebene in der Stadthalle ausgelassen eine andere Fastnachtparty mit Tradition. Vielleicht auch weil getreu des Hermits-Hits „No milk today“ statt Milch, kühler Gerstensaft aus den Zapfhähnen rinnt. Ein Fakt, der zweifelsohne zu einer ausgelassenen Party dazugehört. Günter Doll und Buddy Caine zeigen sich jedenfalls mit dem Abend sehr zufrieden.

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