Rockfotografie-Ausstellung der HfG

Jäger des Moments

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Jeder Atemzug ist eine Chance für das perfekte Bild: Noch bis zum 11. September stellen Studenten der Hochschule für Gestaltung ihre Rockfotografien im Frankfurter Hauptbahnhof aus. Nicht nur für Pendler ein lohnenswerter Stopp.

Offenbach - Jimi Hendrix und Mick Jagger, Jeff Beck und Marilyn Manson. Im Frankfurter Hauptbahnhof begegnet der Pendler momentan vielen Ikonen. Die Ausstellung „On Stage“ der Hochschule für Gestaltung verbindet aktuelle mit klassischer Rockfotografie. Von Eva-Maria Lill

Es bleiben meist nur wenige Sekunden. Ein entrückter Blick auf stumpf gespielte Saiten, ein Innehalten zwischen Vierteltakten. Zögern gilt nicht. Wenn Tilmann Aechter über seine Bilder spricht, klingt Fotografie beinahe wie Jagd: „Das ist es. Zack. Jetzt muss ich auslösen. Kunst ist eine Mischung aus Glück und Können und Zeit. Viel Zeit. Den Moment abwarten, lauern, zupacken.“ Der Offenbacher ist einer von 48 Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG), die ihre Rockfotografien aktuell im Hauptbahnhof Frankfurt ausstellen. Noch bis zum 11. September können Besucher die zweieinhalb Meter hohen Tafeln bestaunen. Neben den 125 studentischen Bildern sind auch etwa 30 klassische Fotografien unter anderem von Didi Zill, Elliott Landy und Mick Rock zu sehen. Kurator und Initiator dieser Ausstellung ist Clemens Mitscher, Dozent für Fotografie an der HfG. „Als ich meinem Kurs im Jahr 2010 den Film ,Blow Up’ zeigte, kamen wir gemeinsam auf die Idee, ein Rockfotografie-Projekt ins Leben zu rufen. In einer Szene zertrümmert Jeff Beck seine Gitarre – das war unsere Inspiration,“ verrät der Dozent.

Auf dem Burg-Herzberg- Festival in der Nähe von Bad Hersfeld entstehen die ersten Fotos. Schnell entwickelt sich das Vorhaben zum Selbstläufer. Seit 2010 haben die Studenten 500 Konzerte besucht und mehr als 350.000 Bilder geschossen. Von Madonna und Tina Turner über Deep Purple, The Yardbirds und AC/DC: Für jeden (Rock-)Geschmack ist etwas dabei. Die Idee, „On Stage“ nach Frankfurt zu bringen, hat Mitscher auf dem Weg zur Arbeit: „Ich bin Pendler und habe im Hauptbahnhof irgendwann eine Ausstellung mit Naturfotos gesehen. Da habe ich mir gedacht: Wieso nicht Rock? Wieso nicht Glamour? Hier erreicht man viel mehr Leute als im Museum.“ Rockfotografie lebt von lautem Sound und leisen Momenten. „Früher gab es eine besondere Intimität zwischen Star und Fotograf. Heute gilt die Drei-Lieder-Regel: Nur während den ersten Songs darf ein Bild geschossen werden. Viele Künstler versuchen, in diesen Minuten ihr immergleiches Image aufrecht zu erhalten. Wir müssen zwischen dem stets Vorhersehbaren einen einzigartigen Moment finden“, erklärt Student Sertan Satan.

HfG-Studenten zeigen Bilder Popmuseum

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Zudem stellt das digitale Zeitalter besondere Herausforderungen. In der amateurhaften Bilderflut von Smartphones und Digitalkameras ist es meist schwierig, die Qualität von „handgemachter“ Rockfotografie zu würdigen. Mitscher zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass „On Stage“ die Wahrnehmung positiv beeinflussen kann: „Jeder Mensch hat irgendeine Beziehung zur Musik.“ Seine Erwartung: Manch hektischer Geschäftsmann wird an unseren Bildern hängen bleiben und mit Genuss seinen nächsten Zug verpassen.“ Die Wanderausstellung „On Stage“ von HfG und Rockmagazin „ecplised“ ist noch bis zum 11. September am Haupteingang des Frankfurter Hauptbahnhofs zu sehen. Anschließend werden die Bilder in Köln gezeigt. Weitere Informationen auf der Internetseite von Stage Photography.

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