Rock’n’Roll-Fasching

Perlen unterm Sombrero

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Rock’n’Roll-Fasching – einfach tierisch!

Offenbach -  Zwar gehen auch an einem Abend wie diesem bei den kostümierten Gästen hundertfach „die Hände zum Himmel“ und mit Inbrunst wird die Behauptung „nur die Liebe zählt“ gen Hallendecke geschmettert. Von Harald H. Richter 

Aber im Gegensatz zu diversen Prunksitzungen mit schunkelndem Elferrat, wortwitzigen Büttenreden und jeder Menge Tätärä schlägt das Fastnachtsbarometer in der Stadthalle auf ganz eigene Weise aus. Es wird gerockt und gesoult, getanzt und geklatscht. Seit 20 Jahren hat der Rock’n’Roll-Fasching seinen festen Platz im Veranstaltungsgeschehen während der fünften Jahreszeit, und dem unentwegten Organisator und Regisseur Günter Doll ist auch diesmal bei der Auswahl der musikalischen Acts ein geschicktes Händchen zu bescheinigen: Tom Jet mit seinen Schlagergiganten, die mit 35 Jahren Bühnenpräsenz schier unkaputtbaren Rodgau Monotones und zu mitternächtlicher Stunde Teresa Kästel & The Prestigious Band mit einer Show, die keinen Partygast mehr auf dem Stuhl hält.

Ohnehin sind Fetenmuffel gar nicht erst gekommen. Vielmehr schäkert auf den Rängen der feurige Matador mit dem Pusztamädchen, Rotkäppchen legt gegenüber dem vermeintlich bösen Wolf alle Scheu ab, und an der Theke küsst eine sommersprossige Pippi Langstrumpf ihren bunt getupften Harlekin. Einem schnurrbärtigen Mexikaner wird es ziemlich heiß unterm Sombrero, während seine als Besen reitende Brockenhexe verkleidete Partnerin schier rastlos das Tanzparkett fegt.

Seit Jahren im Musikgeschäft

Da lässt er sich ausnahmsweise mal auf den Arm nehmen: Organisator Günther Doll ist bei den Rodgau Monotones aber bestens aufgehoben. (Bild vergrößern

Thomas „Tom“ Jeutter und seine Schlagergiganten mischen seit Jahren im Musikgeschäft mit und wissen genau, was man dem Publikum schuldig ist. Ihnen kommt es jedoch nicht darauf an, eine Show „abzuliefern“, sie leben Schlager und das Publikum liebt sie dafür. Also präsentiert die Band ein in jeder Hinsicht stimmiges Schlagerpaket aus bekannten Hitparaden-Fegern und dem, was zur fünften Jahreszeit gehört: Stimmungslieder, bei denen sich alle Freiflächen füllen. Jürgen Drews und Andrea Berg lassen ebenso grüßen wie Dieter Thomas Kuhn und Helene Fischer. „Ich bin begeistert“, entfährt es Carola Engert, die mit einer Freundin stets zum Rockfasching kommt. Die beiden gönnen sich zwischen den Tanzrunden dennoch Verschnaufpausen an der Bar.

Standesgemäß macht den gut 1300 Feiernden das lederanische Prinzenpaar, ihre Lieblichkeit Manuela I. und Robert I., nebst Gefolge seine Aufwartung. Es belohnt Moderator Buddy Caine und Organisator Günter Doll mit Orden und lässt ein dreifach donnerndes „Offebach Hallau!“ erschallen. In weiteren Einlagen werfen die konditionsstarken Frauen der Blau-Weiß-Roten Mozart-Husaren ihrer Beine in die Höhe, auch Sheila Messina und ihre Pretty Girls geizen nicht mit ausladenden Reizen.

Gleich im Anschluss steht die Frage im Raum: „Was kommt denn da für ‘n wüster Krach, aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach?“ und das Publikum goutiert das Erscheinen der Rodgau Monotones mit deren Erkennungshymne „Die Hesse komme!“. Während der folgenden Stunde zieht die Kultband sämtliche Register ihres Repertoires und verteilt unter riesigem Jubel obendrein rot-weiße Hessenfähnchen im Saal.

Rock`n`Roll-Fasching in der Stadthalle (2013)

Rock‘n‘Roll-Fasching in der Stadthalle

In zehnköpfiger Besetzung mit Hornsektion tritt schließlich Teresa Kästel & The Prestigious Band vors feierfreudige Publikum. Die international besetzte Profiformation glänzt im Rampenlicht mit einem perfekten Musik-Mix, der von den Siebzigern über soften Soul & Pop und glamouröse Dancefloor-Acts bis zu aktuellen Chartbreakern reicht. Im In- und Ausland gleichermaßen gefeiert, versinnbildlicht Teresa Kästel die charmante Powerfrau mit gewaltiger Bühnenpräsenz, deren Energiezellen stets volle Leistung zu bringen imstande sind und die mit Temperament und positiver Ausstrahlung gute Laune schafft. Vokal von ihren Töchtern begleitet, entfacht die gebürtige Filipina, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, ein „Disco Inferno“ wie einst The Tramps und versetzt eingefleischte Tina Turner-Verehrer mit ihrer Interpretation von „What’s love got to do with it“ und „Simply the best“ schier in Verzückung.

Spät strebt das Rockfasching-Volk heimwärts, darunter durchaus einige Arm in Arm, die einander zuvor wohl noch nicht gekannt haben. So scheint auch das Werben eines schönen Gigolos um seine Angebetete nicht ungehört geblieben zu sein – wie es im Fastnachtsgassenhauer heißt: „Schenk mir heut" Nacht dein ganzes Herz und bleib" bei mir…“

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