Rock´n´Roll-Fasching

Oldie-Fasching: Bis die Kehlen heiser sind

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Das liebreizende Schneewittchen kam natürlich in Zwergen-Begleitung zum Rock’n’Roll-Fasching in die Stadthalle.

Offenbach - Wo die Charleston-Queen ihren karibischen Piraten um die meterlange Perlenkette wickelt und der Schmusekater seine Herzdame mit reichlich Bussis verwöhnt, da ist der Rock’n’Roll-Fasching zu Hause. Der Saal bleibt prinzenpaarfreie Zone. Von Harald H. Richter

Auch bei der 19. Auflage in der Offenbacher Stadthalle zeigt sich, dass die Musik der Golden Sixties und von Abba bis zur Neuen Deutschen Welle Altersgrenzen überwindet. Von der ersten Minute an tummeln sich drollig geschminkte Tanzmäuse und erhaben wirkende arabische Scheichs auf dem Parkett vor der Bühne, selbst in den Zwischengängen und an den Saalenden wird geschwoft.

Die fantasievolle Kostümierung der Gästeschar macht das wett, was der Saaldekoration fehlt: die jahreszeitlich angemessene Ausschmückung. Dafür lässt die musikalische Vielfalt keine Wünsche offen. Vier Bands aus dem In- und Ausland hat der unentwegt rührige Organisator und Regisseur Günter Doll wiederum verpflichten können. Ein dezent moderierender Buddy Caine alias Joachim Salg rückt die Protagonisten an die Mikrofone und ins bunte Rampenlicht.

Poppig-rockige Zeitreise

„Face To Face“ aus Karben unternehmen zum Auftakt eine poppig-rockige Zeitreise und runden mit ihren 80er-Outfits und den geschickt ausgewählten Accessoires ihren Auftritt optisch perfekt ab. Frontman Mike Davies alias Micha und Sängerin Mandy Schiml, F.A. Skibi, Bass-Vamp J.P. Silence, Johnny B., Ben Cooper und Mr. T. Saloniki versetzen das Publikum in jene Ära, als Twix noch Raider hieß und Millionen Teenies Cyndi Lauper nicht nur wegen ihrer Songs, sondern auch ob ihrer grell gefärbten Haarpracht bewunderten. Die siebenköpfige Band verabschiedet sich nach einer Stunde schweißtreibender Bühnenshow, kommt aber bald wieder in die Stadthalle: im Oktober zum 20-jährigen Bestehen des Oldie-Clubs.

Für jeden Musikgeschmack den richtigen Ton treffen hat der zweite Live Act des Abends, „Schilling“, sich auf die Fahnen geschrieben. Martin Schilling und seine Mitstreiter Tina, Dennis, Leon, Matthias, Max und Uwe haben jede Menge Partykracher im Gepäck. Ihr Mix aus deutschen Schlagern, Popsongs und Rock kommt beim tanzfreudigen Publikum an.

Im Beiprogramm setzt Musical-Star Simone Kerchner, in der Titelrolle als „Evita“ vor gut einem Jahrzehnt erstmals bühnenpräsent, Akzente. Auf der Zielgeraden zum Faschingswochenende beweisen sich dabei die Mädchen der Blau-Weiß-Roten Mozart Husaren als gefällige Background-Tänzerinnen.

Bilder vom Rock´n´Roll-Fasching

Rock‘n‘Roll-Fasching in der Stadthalle

Dann aber heißt es Bühne frei für die Stargäste des Abends: „The Equals“ – die englische Spitzengruppe der 60er-Jahre. Aus jener Zeit bis heute dabei sind „die Stimme“ Derv Gordon und Bass-Gitarrist Pat Lloyd und mit ihnen mittlerweile Gitarrist David Dzal Martin und Top Drummer Ronnie Telemaque. 1965 zunächst mit einer Mixtur aus Rock, Pop, Rhyth‘m and Blues und Ska-Elementen an den Start gegangen, kamen „The Equals“ im Jahr darauf mit ihrer Debüt-Single „I Won’t Be There“ groß raus. Der Superhit der Gruppe wurde aber „Baby Come Back“. Ohne ihn ist bis heute kein Auftritt denkbar, und genau darauf hat das Publikum gewartet, tanzt dazu und singt sich die Kehlen heiser. Auch die weiteren Erfolgssongs der Band aus Beat-Club-Zeiten kommen an.

Muss da die Überleitung zum vierten Gig nicht schwer fallen? Keineswegs! Dazu sind „The Gypsys“ viel zu sehr Profis. Auf ein Vierteljahrhundert Bühnenerfahrung blickt der musikalische Multi-Kult aus Frankfurt inzwischen zurück. Die Band um Drummer Michael Kercher und dessen berühmt-berüchtigtes Schlagwerk hat bisher noch jeden Saal gerockt. Die Offenbacher Stadthalle bleibt davon nicht ausgespart. Kultige Klassiker und Top 40 Hits, Rockhymnen und Balladen – die fünf Musiker präsentieren zu mitternächtlicher Stunde ihr Repertoire mit vier Frontstimmen und beeindruckender instrumentaler Virtuosität hochprofessionell. Nicht zuletzt wegen des Gesangs in bis zu zehn Sprachen verleihen sie dem Rock’n’Roll-Fasching ihre ganz eigene Klangfarbe.

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