Rau, aber prägnant

„Rohrbrücke“ unter Denkmalschutz

Offenbach - Lokale Industrie-Geschichte wird an vielen Namen festgemacht: Collet & Engelhard, Schlesinger, MSO, Haid & Neu, Stahlbau Lavis. Im Gedächtnis sind Erinnerungen geblieben und in den Archiven Bilder – sonst nichts. Das ist schade. Von Martin Kuhn 

Die Umschlagstelle und Tankschiffanlegestation im Bürgeler Mainbogen steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Während der Luminale 2013 spielten Fabian Riemenschneider und Jeremias Heinze „eindrucksvoll mit dem Thema“, urteilen die Stadtplaner.

Es soll sich im Fall des 2010 geschlossenen Chemie-Standorts an der Mainstraße nicht wiederholen. Inzwischen steht dort die sogenannte Rohrbrücke unter Denkmalschutz. Wie? Die Stadtredaktion hatte noch im vergangenen Oktober von einer Verwaltungsidee berichtet, die alte Anlegestation im Mainbogen unter Schutz zu stellen. Dabei ist das längst geschehen. „Das haben wir nie offiziell inszeniert“, so Stadtplanerin Marion Rüber-Steins. Spätestens seit sechs Jahren haben die Denkmalschützer ein waches Auge auf den ehemaligen Chemiestandort, dessen Wurzeln bis 1842 zurückreichen, als Ernst Sell eine chemische Fabrik zur Teerdestillation gründete. 2010 stellte Clariant nach dem endgültigen Aus die ersten Abbruchanträge. Die Stadtverwaltung hat damals weitere erhaltenswerte „Landmarken“ ausgeguckt; etwa einen alten Wasserturm, der zentral auf dem Areal zwischen Main-, Ketteler- und Mühlheimer Straße stand. „Das hat leider nicht geklappt.“ Eine Backsteinhalle aus dem 19. Jahrhundert, deren genaue Funktion jedoch unbekannt ist, steht hingegen noch. Nachdrücklich bemüht hat sich die Stadt indes um die Umschlagstelle am Main. Dort lieferten Tankschiffe jahrelang Lösungsmittel für die Polyethylen-Herstellung an.

„Da wird Geschichte erzählt“, sagt Rüber-Steins. Die Stadtplanerin findet ohnehin, dass zu wenig von der eingangs erwähnten Industriegeschichte noch im Stadtbild sichtbar ist: „Das muss sich Offenbach zum Vorwurf machen.“ Sie erteilt allerdings dem Unmut einzelner eine Abfuhr, die bei einer Bürgerversammlung in Bürgel Ablehnung für das Rohrbrücken-Projekt signalisierte („Darf ich mal lachen?“). Mit Kollegen Matthias Seiler sieht sie gerade in dem 35-Hektar-Areal eine künftige, positive Verbindung: „Dort treffen Stadtentwicklung und Stadtgeschichte zusammen.“

Die Rohrbrücke ist und bleibt so erhalten, wie sie ist – auch mit den Kupplungen fürs Rohrsystem. Pflege und Unterhalt sind gesichert über Stadtdienstleister ESO. Mehr etwa einen Umbau zur Aussichtsplattform wird es nicht geben, da das Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Aber auch in seiner derzeitigen Form entfaltet für die Stadtplaner die Anlage ihren Charme, vielleicht etwas rauer als in anderen Städten, dafür aber prägnanter. „Offenbach steht gerade für solche Orte“, findet Matthias Seiler.

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Für die beiden Stadtplaner ist die Erhaltung der Bürgeler Umschlagstelle von Bedeutung, da sie Radtouristen entlang des Mainwegs ganz nebenbei auf industrielle Besonderheiten verwiest: Im Osten die Rohrbrücke, im Westen die beiden Hafenkräne, dazwischen die restlichen Gleise der ehemaligen Industriebahn.

Rubriklistenbild: © Krystian Banzimiera

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