Stark nur mit Partner

Die Rolle Offenbachs in der Metropolregion Rhein-Main

Der Blick von der ehemaligen Deponie Grix, der vor einiger Zeit unserem Fotografen Bernd Georg gewährt worden ist, zeigt: Optisch sind Offenbach und Frankfurt schon längst zusammengewachsen. In einer noch stärkeren Kooperation der Kommunen in der Metropolregion Rhein-Main sehen Fachleute die Zukunft.

Offenbach - „Offenbach ist kreativ. Offenbach ist dynamisch. Offenbach hat Potenzial.“ Es sind im Moment ziemlich viele Leute in der Stadt unterwegs, welche die positive Entwicklung der Kommune mit lobenden Worten und dem mitunter etwas beschönigenden Blick des Auswärtigen begleiten. So auch am Dienstagabend im Ostpol. Von Matthias Dahmer 

Über „starke Kommunen für eine starke Metropolregion“ am Beispiel Offenbachs sprechen auf Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung Vertreter aus Politik und Fachorganisationen. Um es vorweg zu nehmen: Ein wirklich starke Kommune in der Rhein-Main-Region, das nehmen die etwa 30 Besucher aus der fast zweistündigen Diskussion mit, ist Offenbach noch nicht. Und die Rezepte, wie die Stadt das doch schaffen kann, hat man auch schon alle mal gehört.

Das dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass mit Ausnahme von Stadtkämmerer Felix Schwenke niemand auf dem Podium den täglichen Kampf mit dem Offenbacher Alltag aufnehmen muss. Schwenke macht denn auch – ganz Realpolitiker – deutlich, dass ein starkes Offenbach nur gelingt, wenn das finanzielle Ungleichgewicht in der Region beseitigt wird. Auf den Punkt bringt er es mit dem Satz: „Kämmerer in Frankfurt kann jeder.“ Unterstützung bekommt er von Norbert Schmitt, dem finanzpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag. Dessen Forderung: Mit der zunehmenden Übertragung von Aufgaben an die Kommunen müssen auch die Finanzströme angepasst werden.

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Widersprüchliches kommt von Claudia Gotz vom Urban Land Institute (ULI), einer weltweit agierenden Forschungs- und Bildungsorganisation, die sich Fragen des Städtebaus und der Immobilienwirtschaft widmet. Das ULI hatte erst vor Kurzem mit Visionen zur engeren Kooperation von Offenbach und Frankfurt Schlagzeilen gemacht. Einerseits bescheinigt Gotz Offenbach enormes Potenzial und eine „Dynamik in kleinteiligen, jungen Geschäftsfeldern“, andererseits gelangt sie zu dem Befund: Offenbach kommt ohne den starken Partner Frankfurt nicht aus.

Spannender und für so manchen Offenbacher ernüchternd ist, was die externen Fachleute zu den Stärken der Rhein-Main-Region sagen. Von zentraler Bedeutung ist für sie dabei der Flughafen. Ralph Schlusche, Verbandsdirektor der Metropolregion Rhein-Neckar und stellvertretender Sprecher des Initiativkreises Europäischer Metropolregionen, geht sogar so weit, ihn zur Infrastruktur seiner Region hinzuzurechnen. Mit dem Zug sei es von Mannheim oder Heidelberg nur eine knappe Dreiviertelstunde zum Frankfurter Flughafen. Eine Umfrage unter Geschäftsreisenden der Rhein-Neckar-Region habe ergeben, dass 95 Prozent von ihnen von Frankfurt aus fliegen. Neidisch ist Schlusche darauf, dass sich die Rhein-Main-Region in Rankings regelmäßig unter den ersten drei der insgesamt elf Metropolregionen in Deutschland findet.

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Keinen Zweifel lässt er daran, dass die Metropolregionen die Wachstumsmotoren sind. Dazu hat er Zahlen: Sie machen zwar nur zehn Prozent der Fläche in Deutschland aus, doch in ihnen lebt die Hälfte der Bevölkerung, und in ihnen wird 65 Prozent der Wirtschaftsleistung erbracht.

Claudia Gotz betont, im globalen Wettbewerb ergebe nur das Gemeinsame Sinn. Städte von der Größe Offenbachs würden international nicht wahrgenommen. Die Metropolregion ist für sie deshalb auch eine gute Antwort aufs nach wie vor negative Image Offenbachs. Bei diesem Thema sind sich indes alle auf dem Podium, einschließlich Moderator Tim Frühling vom hr, einig: Die Stadt wird von ihren Bewohnern schlechter gesehen als von Auswärtigen.

Als Kehrseite des Wachstums, auch darin herrscht Einigkeit, sind steigende Preise, knapper Wohnraum und Lärm zu verkraften. Doch: „Besser mit diesen Themen umgehen müssen, als sie nicht zu haben“, formuliert Verbandsdirektor Schlusche mit Blick auf mittlerweile so entvölkerte Landstriche wie den Vogelsberg- oder den Werra-Meißner-Kreis.

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