Rollenspiel statt Rauferei

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In der Erich-Kästner-Schule schätzt man die Zusammenarbeit mit dem „People´s Theater“ sehr. Unser Bild entstand während einer Show für und mit Viertklässlern zum Thema Mitgefühl.

Offenbach ‐ „Man kommt nicht als Schwein auf die Welt.“ Knackiger, als es Hirnforscher Gerald Hüther beim Deutschen Präventionstag im Mai getan hat, kann man kaum formulieren, was das „People´s Theater“ antreibt. Von Barbara Hoven

Um zu vermeiden, dass Kinder kriminell werden, muss man ihnen früh zeigen, wie Respekt und Rücksichtnahme funktionieren. Vor allem im Elternhaus. Doch gerade da hapert es oft, viele Eltern sind überfordert in Sachen Wertevermittlung und Gewaltprävention.

Diese Defizite will der gemeinnützige Verein „People´s Theater“ auf eine ganz eigene Weise ausgleichen: Junge Schauspieler gehen in die Schulen, gestalten kleine Theatereihen mit Dritt- und Viertklässlern, zeigen ihnen, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann. „Es ist eine spielerische Erziehungsarbeit ohne den erhobenen Zeigefinger, die den Schülern Spaß macht“, sagt Wilhelm Uhl, Vorsitzender des Fördervereins Sicheres Offenbach. Zudem werde durch ein besseres Miteinander in den Klassen das Lernen leichter.

Seit neun Jahren ist die junge Theatertruppe an Offenbachs Schulen tätig. Weil ihr Konzept so gut funktioniert, sitzen seit 2007 auch die Stadt und seit 2008 der Förderverein Sicheres Offenbach als Kooperationspartner mit im Boot. Als die Stadt im November 2008 alle Schulleiter der Offenbacher Grund- und Förderschulen zur Teilnahme am Projekt ermunterte, folgten elf Schulen mit insgesamt 33 Klassen. Mehr als 700 Schüler erlebten so allein im vergangenen Jahr das „People´s Theater“ in 165 Shows. Im noch laufenden Schuljahr 2009/2010 machen zwölf Schulen mit.

Und es sollen noch mehr werden, wie Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß jetzt bei der Präsentation einer Zwischenbilanz zum „Kooperationsprojekt zur Stärkung sozialer Kompetenzen und Konfliktfähigkeit“ betonte. Falls von den Schulen gewünscht, soll die Präventionsarbeit bald „flächendeckend alle Offenbacher Schulen erreichen“. Damit die sich das auch leisten können, übernehmen Stadt und Förderverein 75 Prozent der Kosten. Die Schulen zahlen lediglich die übrigen 25 Prozent – für eine Showreihe für eine Klasse sind das 187,50 Euro. Die Projektkosten für Stadt und Förderverein beliefen sich 2009 auf alles in allem rund 18 500 Euro.

Mehr Informationen gibt‘s auf der Internetseite des Peoples Theater.

Dafür liefert das „People´s Theater“ mehr als bloße Shows nach Schema F. Bevor die Schauspieler sich in fünf Sitzungen mit einer Klasse beschäftigen, bestimmen die Lehrer mit, welche Problemfelder beackert werden sollen. Im letzten Jahr sei es besonders oft um die Themen „Verbale Gewalt“, also Beleidigungen oder Provokationen, „Ausgrenzung“ und „Regeln einhalten“ gegangen, berichtet Peggy Habermann. Die Pädagogische Leiterin des „People´s Theater“ bemüht sich stets, die Nachhaltigkeit der Arbeit ihrer Truppe noch zu verbessern.

Eine ihrer neuesten Ideen: Neben den Lehrern sollen künftig auch die Kinder schon in die Themensuche mit einbezogen werden. Außerdem tüfteln Habermann und Team an einem speziellen Evaluationsbogen, der von Kindern ausgefüllt werden soll. Zudem sollen die Eltern stärker mitziehen – etwa durch „Generationsshows“, bei denen Eltern und Kinder mitwirken, oder durch Elterngespräche.

In Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung entsteht in den nächsten zwei Jahren ein Handbuch. Das soll Lehrern helfen, die Methoden zur Konfliktbewältigung immer wieder im Unterricht nachzuarbeiten und zu vertiefen, ohne das sie das als Mehrarbeit empfinden.

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