Rollstuhlfahrer regelmäßig zurückgelassen

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Manche Busfahrer zeigen sich gegenüber Menschen im Rollstuhl wenig hilfsbereit, wie Betroffene beklagen. Auch S-Bahn-Stationen sind aufgrund defekter Aufzügen keine Alternative.

Offenbach ‐ Auf die Aufzüge der Offenbacher S-Bahn-Stationen sollte man sich nicht verlassen, sie scheinen öfter defekt, als dass sie ihren Dienst verrichten. Wer keine Treppen steigen kann, sieht sich vor fast unüberwindlichen Hürden. Von Sebastian Faerber

Für im Rollstuhl sitzende Menschen geht dann gar nichts. Wäre es für sie eine sichere Alternative, gleich auf den Bus umzusteigen? Nicht, wenn sie an die falschen Busfahrer geraten. „Bestimmt jeder dritte nimmt mich nicht mit“, beklagt der Offenbacher Antoni Lusconi (Name geändert). Aufgrund einer Krankheit ist er auf einen elektrisch betriebenen Rollstuhl angewiesen. Als Begründung bekomme er von den Fahrern Unterschiedliches zu hören: der Bus sei zu voll; Elektromobile dürften nicht mitgenommen werden.

Ersteres ist im Nachhinein schwer nachzuweisen, letzteres Unfug. Das hat man Lusconi auch bei den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) bestätigt, begleitet von der Einladung, sich bei weiteren Problemen doch immer gern an das Unternehmen zu wenden. „Das habe ich bisher bestimmt vierzigmal gemacht, aber passiert ist wenig“, zeigt er sich enttäuscht. Stattdessen sei er bei nächster Gelegenheit vom Busfahrer angepflaumt worden: Erst beschweren und jetzt auch noch Hilfe haben wollen... „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt Lusconi.

Im Sinne der OVB ist so etwas nicht

Es gibt aber auch Fahrer, mit denen kommt er erst gar nicht in Kontakt: „Die halten einfach nicht, wenn sie mich mit meinem Rollstuhl an der Bushaltestelle stehen sehen. Es ist schon passiert, dass drei Busse an mir vorbeigefahren sind.“ Darunter auch welche, von denen Lusconi weiß, dass sie technisch zur Mitnahme von Rollstühlen ausgelegt sind. Die Fahrer müssen lediglich einen Knopf drücken, damit sich Fahrzeug absenkt.

Im Sinne der OVB ist so etwas nicht. In der Theorie sei allen Fahrern bekannt, dass sie Elektrorollstühle mitnehmen müssen, meint Pressesprecherin Christine Wüst. Aber sie weiß auch, dass sich in der Praxis nicht alle daran halten. Sie gibt zu, dass Beschwerden eines verhinderten Fahrgasts sich im vergangenen Jahr nach Prüfung als berechtigt herausgestellt hätten. „Deswegen freuen wir uns über detaillierte Hinweise“, sagt Christine Wüst. Nur so sei es möglich, die Fahrer gezielt anzusprechen. „Ich finde es sehr bedauerlich, aber wir arbeiten an den Problemen.“

Geduld ist gefragt

Nicht an der Willkür von Fahrern, sondern an den technischen Voraussetzungen können Rollstuhlnutzer scheitern, die abends unterwegs sein wollen: Denn auf der Linie 104 setzen die OVB in den Abendstunden Kleinbusse der Firma Sonnenschein ein, in die kein Elektrogefährt passt. die hierzu nicht groß genug sind. Geduld ist dann gefragt: Bei Bedarf kann der Sonnenschein-Fahrer ein größeres Fahrzeug anfordern.

Für die Behindertenbeauftragte der Stadt Offenbach ist das allerdings kein Zustand. „Es kann nicht sein, dass man abends die Sonnenschein-Kleinbusse einsetzt“, kritisiert Claudia Steiner, „das entspricht nicht dem Standard“. Dass bei ihr nur wenige Beschwerden eingehen, liegt an der Natur der Sache: Fahrer von elektrischen Rollstühlen sind eben eine Minderheit, die nicht allzu oft mit dem Bus unterwegs sein muss oder es nach den Erfahrungen längst aufgegeben hat.

Die Hürden, die im Nahverkehr auf Menschen mit Behinderung lauern, bekam die nicht behinderte Monika Ebert vor Augen geführt. Ihre Schwägerin nutzt zur Fortbewegung ebenfalls ein Elektrorollstuhl. Den Weihnachtsmarkt hätten beide trotzdem gerne besucht. „Das ist kein Problem, zu zweit schaffen wir das“, versprach Ebert ihrer Verwandten.

„Nicht meine Aufgabe“

Damit der Ausflug reibungslos vonstatten geht, will sich Monika Ebert frühzeitig informieren, was der beste Weg wäre. Im Rathaus, so sagt sie, habe man ihr nicht helfen können. Also versucht sie’s in der S-Bahn-Station Marktplatz und fragt dort nach den Aufzügen. Am Fahrkartenschalter erhält sie eine Telefonnummer, die sie bei Bedarf anrufen könne, um nachzufragen, welcher Lift gerade funktioniert und welcher nicht. „Da hab ich gemerkt, so einfach ist das doch nicht im Rollstuhl“, sagt Monika Ebert.

„Es läuft noch nicht so, wie ich mir das wünsche“, seufzt die Behindertenbeauftragte Steiner. Sollte etwa eine Rolltreppe streiken, macht sie die Bahn darauf aufmerksam. „Das wird dann immer recht bald repariert“, lobt sie. Jedoch wüssten die meisten Leute nicht, an welche Stelle sie sich mit Probleme solcher Art wenden könnten. So landen Beschwerden nicht selten auf ihrem Schreibtisch: „Aber es ist ja nicht meine Aufgabe, Rolltreppen und Aufzüge zu kontrollieren.“ Wie sich die Kommunikation verbessern lässt, darüber berät Steiner in den kommenden Tagen mit OVB und Ordnungsamt. „Ich denke, wir sind auf einem positiven Weg“, äußert sich Steiner zuversichtlich.

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