Wieder Stillstand am Ausgang

Rolltreppen am Marktplatz werden repariert 

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Arbeiter im Auftrag der Deutschen Bahn tauschen die defekte Antriebswelle der Rolltreppe an der S-Bahn-Station Marktplatz aus.

Offenbach - Nichts ist für die Ewigkeit. Endlos dagegen offensichtlich der Ärger, den die Deutsche Bahn ihren Fahrgästen am Marktplatz zu bescheren weiß. Von Fabian El Cheikh

In der unendlichen Geschichte um die scheinbar allzeit defekten Rolltreppen und Aufzüge an der zentralen S-Bahn-Station muss mal wieder ein weiteres Kapitel geöffnet werden. Nicht, dass darin Neues stünde, gar mit Überraschungen zu rechnen wäre.

Im Gegenteil: Wo die S-Bahnen mal mehr, mal weniger pünktlich abfahren, besticht die Bahn in einem weiteren Punkt durch Zuverlässigkeit in Sachen Unzuverlässigkeit. Seit November schon bewegt sich dort nämlich nicht mehr, was eigentlich unablässig rollen sollte: eine der Fahrtreppen, die Bahnfahrer am östlichen Ausgang zur Sparkasse an die Berliner Straße befördern soll. Nach oben, selbstverständlich. Damit es so richtig mühsam wird für gehbehinderte oder gepäckbeladene Menschen.

Halbe Sachen kennt man nicht

Halbe Sachen kennt man bei der Bahn wohl nicht. Oder vielleicht doch, wie nach einem Gespräch mit dem Bahnsprecher eingewendet werden muss: „Die Aufzüge funktionieren“, sagte dieser und ergänzte: „Es gibt keine Einschränkungen für Fahrgäste.“ Nach wie vor sei die Station barrierefrei zu verlassen. Ursache für den Ausfall sei dieses Mal ein technischer Defekt. „Die Antriebswelle funktioniert nicht mehr und der Ersatz muss eigens angefertigt werden“, so der Sprecher. Das nimmt dann auch gleich mehrere Tage in Anspruch, seit zweien wird schon gearbeitet an Ort und Stelle. Wann wieder alles rollt? „Wir hoffen noch Ende dieser Woche.“ Sprich: heute.

Wie es zum Defekt kam, erklärt die Bahn mit einem Rückgriff auf psychologisch bedingtes Herdenverhalten des Großstadtmenschen. „Unsere Erfahrung ist, dass die Fahrtreppen bei hoher Belastung schneller kaputt gehen.“ So weit, so klar. Die Fortsetzung: Die Belastung sei dann besonders hoch, wenn sich beide Treppen für die Fahrt nach unten und nach oben direkt nebeneinander befänden. „Dann zieht es alle Fahrgäste auf die Rolltreppen. Liegt aber eine herkömmliche Treppe dazwischen, verteilt sich die Belastung, benutzen die Leute öfter auch die Treppe.“ Aha. „Das ist ein psychologischer Effekt, ich bin aber kein Psychologe“, fügte der Bahnsprecher fast schon entschuldigend hinzu. Dem schließen wir uns an: Auch wir bei der Zeitung sind es nicht...

Warum die Reparatur so spät erfolgt?

Warum die Reparatur so spät erfolgt? „Weil die zuständige Firma rund um Weihnachten Betriebsferien hatte. Davor fehlte es an Personal.“ Aber es handle sich ja auch um den ersten technischen Defekt seit Einbau der Treppen. Dem hinzugefügt werden muss: seit Einbau der neuen Treppen, die das ein jahrzehntelange Ärgernis mit ihren Vorgängern beenden sollten. Mit Beginn des S-Bahn-Zeitalters in Offenbach im Jahre 1995 nötigten nicht funktionierende Rolltreppen an den Stationen zur regelmäßigen Berichterstattung. Unzählige Anrufe und Briefe unserer Leser beschäftigten sich seither mit diesem Thema. 2006/07 erneuerte die Bahn Rolltreppen an den Stationen Ledermuseum, Marktplatz und Offenbach-Ost für 3,6 Millionen Euro. Teure Technik, die wie vieles andere heutzutage eben keine Ewigkeit mehr hält.

Defekte Aufzüge und Rolltreppe können der Deutschen Bahn über eine Störungshotline gemeldet werden: Tel.: 069/2651055

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