Silberschatz im Villengarten

Offenbach - Wenn die drei alten Tanten des bekannten Offenbacher Jazzers Tilmann Gasch die bizarre Diskussion erlebt hätten, die sich am Donnerstag um ihre einst der Stadt vermachte Immobilie im Dreieichpark drehte, sie hätten sich gewundert. Von Matthias Dahmer

Normalerweise erledigen die Volksvertreter so etwas geräuschlos: Tagesordnungspunkt 28, Antrag Magistratsvorlage Nr.141/12, Grundstücksverkauf. Es geht, wie sich später herausstellt, im Antrag um den Verkauf des Grundstücks, auf dem die nicht mehr der Stadt gehörende Immobilie steht. Knapp 327.000 Euro könnte das in die Kasse spülen.

Doch mit Abnicken ist es diesmal nicht getan. Die Linke macht das Spiel nicht mit. Präsentiert einen Vorschlag, wonach die Stadt bei der einstigen Villa Jäger, danach Stadtmuseum, danach Rosenheim-Museum – um dieses prominente Gebäude geht’s nämlich – ihr Vorkaufsrecht ausüben soll, um dort möglicherweise Wohnungen für Studenten zu schaffen.

Kulturelle Nutzung der Villa

Die Piraten schwenken auf einen ähnlichen Kurs, wollen, dass die Stadt per Vorkaufsrecht die kulturelle Nutzung der Villa sicherstellt. Um das alles auszuloten, argumentieren beide unter Zustimmung vor allem der CDU, müsse man aber erstmal wissen, was die Rosenheim-Stiftung, die 2004 das leerstehende Haus für eine Viertelmillion im Wege des Erbbaurechts von der Stadt gekauft hatte, als Kaufpreis gegenüber der interessierten Frankfurter Steuerberater-Kanzlei aufruft. Als denjenigen, der es wissen muss, haben sie den Oberbürgermeister ausgemacht.

Der gibt sich ahnungslos. Verweist darauf, dass der Kaufvertrag zwischen Stiftung und Kanzlei ein privatrechtlicher sei. Linke und Piraten halten das Schweigen Schneiders für einen Skandal, die Union meint am Rande der Sitzung, der OB hätte zumindest in nicht-öffentlicher Ausschusssitzung den Preis nennen können.

Im Verlauf der Debatte wird deutlich, dass es großen Teilen der Opposition nicht um eine städtische Nutzung geht. Sie denken wie die FDP eher daran, dass die Stadt die Villa erwirbt, um sie samt Grundstück möglicherweise gewinnbringend weiterzuverkaufen. Weil der Verwirrungspegel steigt, wird gegen Mitternacht auf Antrag der Liberalen der Ältestenrat einberufen.

Erheblich in die Immobilie investiert

In dieser Pause erklärt Tarek Al-Wazir von den Grünen, warum das Vorhaben für die Stadt kaum zu stemmen ist. Künstler Bernd Rosenheim habe erheblich in die Immobilie investiert, für weniger als eine halbe Million (Insider sprechen von einer Dreiviertelmillion) sei sie wohl nicht zu bekommen. Zudem gehe der Stadt dabei der Verkaufspreis fürs Grundstück flöten.

Nach Beratung beschließt das Parlament mit Stimmenmehrheit der Koalition den ursprünglichen Grundstücksdeal über 327.000 Euro.

Folgt man indes der weitergehenden Erzählung Al-Wazirs, hätte die Stadt vielleicht doch bei der Immobilie zuschlagen sollen: Die längst verstorbenen Tanten von Tilmann Gasch, berichtet er, hätten seinerzeit ihr ganzes wertvolles Silberbesteck irgendwo auf dem Grundstück vergraben. „Nächtelang haben Gasch und ein Onkel von mir danach gebuddelt“, sagt Al-Wazir. Gefunden wurde der Schatz bislang noch nicht.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Rainer Sturm

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