Nur auf sicheren Wegen

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Etwas mehr Klarheit und Sicherheit soll das lokale Schülerradroutennetz bringen. Die künftigen Nutzer gestalten kräftig mit.

Offenbach - Radfahren tut insgesamt gut. Dem Körper. Den Städten. Der Umwelt. So ist’s ein hehres Ziel vieler Experten, bereits Schüler generell für das Fahrrad als Verkehrsmittel zu interessieren. Gäbe es da nicht die berechtigte Frage nach der Sicherheit. Von Martin Kuhn

Hilfreich könnte das Projekt sein, das mit dem etwas sperrigen Begriff Schülerradroutennetz samt -planer daherkommt. Daran wird in Offenbach eifrig gebastelt. Zum System: Es handelt sich um eine elektronisch gestützte Orientierung, wie ich mit dem Drahtesel möglichst sicher von A nach B gelange. Aber mal ehrlich: Braucht es so etwas überhaupt für die kleine Großstadt? „Die sollen lieber mal drauf achten, dass Radler mit Licht fahren“, sind schon kritische Stimmen zu vernehmen. Na ja. Die Experten sehen das etwas differenzierter...

So sagt etwa Verkehrsingenieur Jens Vogel (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Rhein-Main): „Es geht darum, Hemmschwellen zu senken und Ängste zu nehmen.“ Und zwar jene der Eltern. Das heißt: Papa und Mama chauffieren lieber ihre Kinder mit dem Auto in die Schule, als sie eigenverantwortlich radeln zu lassen. Zugeschnitten ist das Schülerradroutennetz explizit auf die Jugendlichen, die ab der fünften Klasse eine der weiterführenden Schulen in Offenbach besuchen, eingebettet sind neun Standorte.

Sinnvoll und mühsam

Fanni Mülot ist überzeugt, dass das alles sinnvoll ist – und gleichzeitig wohl recht mühsam. Die Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule hatte vier Jugendliche zur aktiven Mitarbeit gewonnen. Sie analysierten und erkundeten zunächst Wege, wohlgemerkt Radwege, aus der Innenstadt („Dort wohnen viele unserer Schüler“) nach Bieber. Interessant: Die jungen Leute, zumeist mit ausländischen Wurzeln, kannten eigentlich nur die Strecke, die ihre Eltern mit dem Auto nehmen – also in diesem Beispiel über die Waldstraße und den Brunnenweg.

Es ist wenig überraschend, dass sie diese Hauptverkehrsstraßen als geradezu gänzlich ungeeignet beurteilen, um mit dem Velo zu fahren. Sie suchen alternative Routen und finden sie etwa im parallel zum Brunnenweg verlaufenden Donauweg. Was für gebürtige Offenbacher naheliegend und selbstverständlich ist, eröffnet ihnen buchstäblich neue Wege. Und genau an diesem Punkt setzt das Netz samt dazu passendem Schülerradroutenplaner an. Aufbauend auf dem Radroutenplaner Hessen weist er Routen im bestehenden Straßennetz auf. Wichtig: Es ist nicht unbedingt der kürzeste Wege, aber der sicherste, der sich zudem strikt an die Straßenverkehrsordnung hält. Das Radeln gegen die Einbahnstraße ist bei dem offiziellen Planer tabu. Was (nicht nur) die Jugendlichen daraus machen, steht auf einem anderen Papier. Neben Geschwister-Scholl- beteiligen sich bislang Ernst-Reuter- und Bachschule aktiv. „Andere können gern mit aufspringen“, wirbt Jens Vogel.

Entscheidend für den Erfolg ist laut Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach: „Das System muss sich in der Praxis erweisen.“ Und: Ohne die Schüler wird es nicht klappen. Da beruhigt sie Knut Milbredt, Lehrer der Bachschule: „Eine tolle Initiative; es ist auch Ausdruck der Wertschätzung für die Schüler. Da können sie selbst mitwirken und gestalten. Das System wird funktionieren, weil die Schüler mitgenommen werden.“ Bei der jüngsten Sitzung, an der Vertreter des Kinder- und Jugendparlaments teilnehmen, gibt’s auch Konkretes: Stehen Netz und Planer (avisierte Freischaltung im Februar 2014), wollen es Schulen auf ihrer Internetseite integrieren. Zudem ist es eine Überlegung wert, das Netz gleich mit einer App zu entwickeln.

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