Mit sanfter Hartnäckigkeit

Rudolf-Koch-Schule wird zur hessischen Kulturschule

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Die Jugendlichen arrangierten mit Klebebändern Begriffe aus der Kulturschularbeit auf Scheiben.

Offenbach - In Deutschland verstehen sich heute bereits mehrere Bildungseinrichtungen als „Kulturschulen“, wobei es noch keine Vereinheitlichung im Begriffsgebrauch gibt. Fest steht: Künstlerische Schulfächer erhalten dort eine besondere Aufmerksamkeit. In Offenbach bezeichnet sich die Rudolf-Koch- als eine solche Kulturschule.

Das Gymnasium stellte den Verantwortlichen aus dem Hessischen Kultusministerium und dem Projektbüro seinen erfolgreichen Weg vor. Dieser zeichne sich durch „sanfte Hartnäckigkeit“ aus, so Angela Federspiel, Referatsleiterin im Ministerium. Seit September 2012 arbeiten die Schule und ein Koordinationsteam um Elli Stiller, Ina John, Anne Weber und Ole Haubner daran, eine kulturelle Praxis „dauerhaft in das Schulleben zu integrieren“. Ziel ist die Zertifizierung als Kulturschule, die heutzutage selbstverständlich mit einem großen Binnen-S geschrieben wird... Bisher gibt es elf Schulen in Hessen, die an dem Kulturschulprogramm teilnehmen; zehn weitere sind kürzlich begrüßt worden. An diesem Nachmittag ging es darum, mit den Verantwortlichen die „letzten Meter“ nachzufahren und einen Ausblick auf die Zukunft zu geben.

Nachdem Leiterin Christiane Rogler zum Einstieg einen berührenden Brief von Angela Federspiel zur Kulturschularbeit der Rudolf-Koch-Schule vorgelesen hatte, zeichnete Stiller den Weg zur Kulturschule mittels Projektgrafik nach: Aufnahme in die zweite Staffel des Kulturschulprogramms, Projektwochen, Steuerungsgruppen, Pädagogischer Tag, Filmprojekte, Schulkünstlerprojekte, Schülerwettbewerbe, Kulturtage, Leitlinien, Überarbeitung des Curriculums... Das sind nur wenige der seit 1992 überdachten und neu implementierten Projekte, die dem Ziel „Eine Kunst für jedes Kind“ Rechnung tragen sollen. „Hat sich dadurch etwas verändert?“, fragte Schulamtsdirektor Dr. Volker Stürzer. „Die Haltung eines Menschen kann niemand verändern, aber wir haben die Diskussion zum Umgang mit Kultur in der Schule angestoßen. Der Großteil des Kollegiums zieht mit. Wir sehen Veränderungen im Unterricht und bei den Schülern“, freute sich Sabine Blau, Leiterin des Fachbereichs.

Und die Referatsleiterin aus Wiesbaden ist sicher: „Die Attraktion der Kulturschulmaßnahmen wird dauerhaft die Haltung verändern. Die Leichtigkeit, mit der sie insgesamt in der Schule gemeinsam arbeiten, wird Früchte tragen.“ Außerdem mache es Spaß, Dinge auf den Kopf zu stellen. Auf einer Art „Zukunftsrolle“ hatte Sabine Blau die Perspektiven der Kulturschularbeit präsentiert, deren wichtigste Bestandteile die Kooperation mit dem Klingspormuseum, die Schulkünstlerarbeit, die Projektwoche, Fortbildungen, die Curricula, der Wahlunterricht, die innere und äußere Kooperation und die Nutzung der Vielfalt einer Schule sind.

Abiball der Rudolf-Koch-Schule

Für Entspannung bei der vielen Theorie sorgte Florian Tremmel aus dem Grundkurs Musik der Q3, der die Beteiligten mit dem Präludium Nr. 1 C-Dur von Johann Sebastian Bach den Alltag vergessen ließ. Beeindruckend war auch die Performance des Kunst-Leistungskurses von Aylin Ucar (Lena Artelt, Marlene Bruch, Iman Demiri, Seher Demirkapu, Dilara Denizli, Dennis Hintze, Jaqueline Limon, Chiara Morgano, Ipek Kös und Lara Winterstein). Mit Sabine Holler hat sie ein Konzept entwickelt, welches das Erleben der Kulturschule während der Veranstaltung ermöglichte.

Dabei hatten zehn Schüler mit Klebebändern in Leuchtfarben Begriffe aus der Kulturschularbeit erst auf Scheiben montiert, sie dann abgezogen, um sie auf ihren Körpern neu zusammenzusetzen. Aus Zerstörung entsteht etwas Neues! Das war die Botschaft der Performance, die die Gäste inspirierte und die Schularbeit weiterhin inspirieren soll. Und damit es auch etwas zum Vorzeigen gibt, erhält die RKS Ende des Monats die angestrebte Zertifizierung.

mk

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