Mit dem Rücken zur Wand

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Vier für Offenbach: Unter diesem Motto und der Moderation von IHK-Vizehauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Mohr (Mitte) stellten sich die vier OB-Anwärter (v.l.) Peter Freier ( CDU), Birgit Simon (Bündnis90/Die Grünen), Horst Schneider ( SPD) und Uwe Kampmann (freier Kandidat) den Fragen der interessierten Besucher.

Offenbach (fp) - Lässt sich in Offenbach angesichts der Finanzmisere der Stadt noch etwas gestalten? Vier OB-Kandidaten gaben sich während einer IHK-Podiumsdiskussion vor mehr als 200 Zuhörern in den Räumen des Deutschen Wetterdienstes redlich Mühe, ein Licht am Ende des Tunnels zu entdecken.

Bis auf Peter Freier (CDU), der vor allem auf eine bessere und ämterübergreifend vernetzte Wirtschaftsförderung zur Ansiedlung neuer Firmen setzt, suchten die anderen Kandidaten ihr Heil eher außerhalb der Stadtgrenzen. .

Birgit Simon (Grüne) pochte wie Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) darauf, dass Bund und Land für gesetzgeberische Vorgaben finanziell gerade stehen und die Begleichung der Rechnung nicht den Kommunen überlassen dürften. Schneider erneuerte seine Forderung nach der Errichtung eines Regionalkreises, um Einnahmen und Ausgaben gerechter in der Region verteilen zu können: „Das Geld von Eschborn und Bad Homburg gehört in den Regionalkreis.“

Uwe Kampmann, vom moderierenden Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Dr. Bernhard Mohr als „freier Kandidat“ vorgestellt, verknüpfte seine Vita mit dem Fazit: „Die Stadt steht mit dem Rücken zur Wand, und ich bin aufgrund meiner Erfahrung mit schwierigen Lebensumständen der Richtige, hier einzugreifen“.

In der Diskussion ließ Freier kein gutes Haar an der Arbeit des Amtsinhabers, der die Standortvorteile Offenbachs nicht konsequent nutze und bei Wirtschaft und Verwaltung Vertrauen verspielt habe. Er wolle als OB eine Stabsstelle Wirtschaftsförderung schaffen und „durch seriöses Handeln als erster Botschafter der Stadt neues Vertrauen schaffen“. Mit einer intelligenten Wohnungsbaupolitik wolle er zahlungskräftige Einwohner anziehen. Die Gründung eines Wirtschaftsrats mit IHK und Handwerkerschaft solle die ökonomische Kompetenz der Stadt stärken.

Für OB Schneider ist Wirtschaftsförderung eher „kleinschrittig“ angelegt, die spektakuläre Ansiedlung eher die Ausnahme. Aber auch in kleinen Schritten könne die Stadt zu einer zukunftsfähigen Struktur kommen.

„Ich bin noch nicht fertig“, sagte Schneider mit Blick auf Hafen- und Allessa-Gelände sowie die Brachen Luisenhof und innerstädtisches MAN-Gelände.

Birgit Simon erteilte einer neuen „Liste der Grausamkeiten“ nach Vorbild von Ex-OB Gerhard Grandke eine Absage, forderte eine „neue Kultur des Sparens“. Dabei helfen soll ihrer Meinung nach eine erneuerte Verwaltung mit Fach- und Ressourcen-Management. Noch immer sei die Dienstleistung nicht von der strategischen Steuerung abgekoppelt, gebe es via Ressortdenken zu viele Reibungsflächen. Simon plädierte für eine Bündelung der Kräfte nach dem Muster ihres Umweltkompetenzteams. Sie verlangte für die Zukunft die Erstellung einer Investitionsliste nach exakten Vorgaben unter Berücksichtigung einer zielgerichteten Planung und von Preis und Aufwand unter verstärkter Bürgerbeteiligung.

Der freie Kandidat Uwe Kampmann hingegen formulierte die Rolle des OB neu, indem er für diesen die Kontrolle des Parlaments forderte und ihm damit quasi ein Durchgriffsrecht einräumte.

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