Mit Rückschlägen umgehen

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Was darf’s denn sein? Eine gesunde Alternative nehmen sich gerade zum Jahreswechsel viele Menschen vor. Leider klappt es nicht immer mit der Umsetzung. Und so klappt’s: Dem Weg muss ein realistisches Ziel voraus gestellt werden.

Offenbach ‐ Psychotherapeut Werner Gross von der psychologischen Praxengemeinschaft an der Bismarckstraße sieht Neujahrsvorsätze als einen rein symbolischen Akt. „Der Jahreswechsel ist ein symbolbehafteter, gern benutzter, aber künstlicher Zeitraum“, so Gross, „den sich viele Menschen aussuchen, die das Gefühl haben, ihr Leben könnte generell besser sein.“ Von Veronika Szeherova

Das Thema „Änderung“ sei aber immer aktuell. Genau so gut könne man sich auch gute Vorsätze ab März, Juli oder September vornehmen.

Menschen haben immer Hoffnung. Sie ist wie ein Leitstern, doch der Weg dahin kann auch in die Irre führen“, erläutert der Psychotherapeut. Darum, so Gross weiter, gelte es zwei wichtige Regeln zu beachten: „Dem Weg muss ein realistisches Ziel voraus gestellt werden. Und man sollte ihn in viele kleine Schritte aufteilen, die sich umsetzen lassen. Sonst sind Misslingen und Frust programmiert.“ Das Scheitern der guten Vorsätze sei meist darin begründet, dass die Menschen unrealistische Vorstellungen an sich selbst und ihre Umwelt haben. „Wichtig ist zu lernen, mit Rückschlägen umzugehen“, empfiehlt der Psychologe.

Die guten Vorsätze für 2010 sind nach einer Forsa-Umfrage viele „Klassiker“. Ganz vorn rangiert „Stress vermeiden oder abbauen (59 Prozent)“. Weitere Ziele: mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen (51 Prozent); mehr Bewegung und Sport (50 Prozent); mehr Zeit für sich selbst (47 Prozent); gesünder ernähren (45 Prozent); abnehmen (34 Prozent); sparsamer sein (32 Prozent); weniger fernsehen (19 Prozent); weniger Alkohol trinken (13 Prozent); das Rauchen aufgeben (12 Prozent).

Jammern auf hohem Niveau

Auch die Offenbacher bilden da keine großen Ausnahmen. Anton Jakob Weinberger, Journalist und Vorsitzender der Max Dienemann / Salomon Formstecher-Gesellschaft Offenbach, möchte sich künftig mehr bewegen, seinen Rücken und die Ausdauer stärken. „Zweimal wöchentlich zur SG Wiking zu gehen statt wie bisher nur einmal, das ist mein Ziel“, erklärt er. Er mache sich zu Beginn eines neuen Jahres schon seine Gedanken, wisse aber, „dass man das Leben nicht grundlegend ändern kann“.

Nüchtern betrachtet das Thema Karl-Gerhard Sinß. Der Leiter des Ketteler-Krankenhauses wünscht sich schlicht, dass alles so bleibt, wie es ist. „Trotz der Wirtschaftskrise hatte das Unternehmen Ketteler-Krankenhaus ein positives Jahr“, so Sinß. Auch privat sei er mehr als zufrieden. „Alles andere zu behaupten wäre Jammern auf hohem Niveau.“

Wenn man das ganze Jahr nach höchsten Kriterien der Tugend lebt, braucht man sich auch keine guten Vorsätze machen. So lässt sich zusammenfassen, wie Oberin Schwester Edelburga (Orden der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung) die Sache mit den guten Vorsätzen sieht: „Ich habe mir für dieses Jahr keine vorgenommen. An und für sich sollte jeder immer seine Richtung, sein Prinzip haben.“ Die Religiosität und das Handeln nach der Bibel sei ihr „in Fleisch und Blut übergegangen.“

Man muss es selbst wirklich wollen

Auch für den pensionierten Leibnizschullehrer und ehemaligen Dekan Hubertus Picard spielt die christliche Dimension im Leben eine wichtige Rolle. „Fürs neue Jahr möchte ich mich um mehr Balance bemühen, sei es auf geistlicher, seelischer oder körperlicher Ebene.“ Er sehe das jedoch weniger als guten Vorsatz, sondern als persönliches Programm, dass er sich vorgenommen hat.

Diese Einstellung gefällt auch dem Psychologen. Es sei wichtig, dass man das, was man sich vornimmt, für sich selbst wirklich wolle und nicht etwa mache, „um andere zu beeindrucken“. Viele nehmen sich erst gar nichts vor. „Für die meisten meiner Patienten ist das überhaupt kein Thema“, behauptet Werner Gross, „und wenn doch, dann eher mit einer ironischen Distanz.“

In einer kostenlosen Informations- und Einführungsveranstaltung am Donnerstag, 14. Januar, 19.30 Uhr, stellt er es in der Berliner Straße 77 vor.

Etwas anders sieht das die lokale Volkshochschule: „Der gute Vorsatz für 2010: Rauchfrei in ein neues Leben!“ So ist ein Kursus überschrieben, für den die Bildungseinrichtung wirbt. „Leider wird die Schwere der Nikotinsucht dabei oft unterschätzt und so schafft es nur jeder Zwanzigste alleine, diesen Vorsatz umzusetzen.“ Die Vhs setzt daher auf ein von den Krankenkassen anerkannte Programm, um dem Glimmstängel Ade zu sagen. Suchtberater Ole Ohlsen begleitet das Entwöhnungsprogramm.

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