Land stellt Finanzierung ein

Rückzug aus Schulsozialarbeit

+

Offenbach - Zerrüttete Familien, steigende Anforderungen, Zusammenstöße nationaler Identitäten: Kompetente psychosoziale Beratung an Schulen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Von Eva-Maria Lill 

Für Aufregung sorgt in diesem Zusammenhang eine Pressemitteilung der Offenbacher Sozialdemokraten. Nach Angabe der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Gertrud Marx streicht das Land die Förderung für Schulsozialarbeit zum 31. Juli 2015. Vier von zehn Stellen seien an örtlichen Einrichtungen betroffen, die Auswirkungen katastrophal.

„Unsere Schüler brauchen mehr soziale Unterstützung, und die Regierung lässt sie im Stich“, wettert die Politikerin. Gerade Offenbach mit seinen vielen Seiteneinsteigerklassen sei auf eine flächendeckende Betreuung angewiesen. „In der Tat werden vier Stellen an der Mathilden- und der Eichendorffschule vom Land Hessen mitfinanziert“, erläutert Jugendamtschef Hermann Dorenburg. Ursprünglich als Fünfzig-Fünfzig-Geschäft geplant, ist der Anteil der Regierungsgelder in den vergangenen Jahren bereits gesunken. Der Zuschuss beläuft sich momentan auf etwa 52.000 Euro.

„Die Landesregierung ist prinzipiell nicht verpflichtet, diese Abgaben zu leisten. Jetzt hat sie beschlossen, sich aus der Finanzierung zurückzuziehen“, bestätigt Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Der Grund: Sparen und den Kommunen eine größere Selbstständigkeit in der Politik zugestehen.

Die Einschulungen in der Region und Offenbach

Dies bedeute jedoch keinesfalls den Wegfall von Sozialarbeiterstellen an städtischen Schulen, betont Dorenburg. Denn: „Die neue Situation greift erst im Sommer 2015. Bis dahin können wir in vollem Umfang auf die Unterstützung des Landes zugreifen. Erst danach rechnen wir mit Einnahmeausfällen in Höhe von 22.000 Euro. Diese können wir jedoch mit Minderausgaben an anderer Stelle einsparen.“

Wie genau das neue Modell zur Finanzierung der Schulsozialarbeit aussehen wird, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. „Wir sind zuversichtlich, mit der nötigen Ruhe im Jahr 2015 eine Lösung finden zu können, die weiterhin umfassende Betreuung an den Schulen gewährleistet“, verspricht Schneider.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Eine Möglichkeit bietet die „Richtlinie für unterrichtsunterstützende sozialpädagogische Förderung“. Dort heißt es, dass auf die Hälfte der Stellen, die über die hundertprozentige Lehrerversorgung hinausgehen, Schulsozialarbeiter eingestellt werden können. Diese Formulierung bezieht sich auf den Sozialindex, nach dem Offenbach seit 2013 etwa 75 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung stehen. Inwiefern diese Plätze Gefahr laufen, in Schulsozialarbeiterstellen umgewandelt zu werden, ist nicht bekannt.

Mehr zum Thema

Kommentare