Rüdiger Bosse mit 77 Jahren verstorben

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Von 1972 bis 1999 war Rüdiger Bosse Stadtverordneter.

Offenbach - Im Alter von 77 Jahren ist in der Nacht zu gestern der Kommunalpolitiker Rüdiger Bosse gestorben. Er hat der Stadt Offenbach von 1972 bis 1999 als Stadtverordneter gedient, ursprünglich in der Fraktion der CDU. Von Lothar R.Braun

Seine letzten parlamentarischen Jahre absolvierte er bei den Freien Wählern, die ihn zu ihren Gründern zählen. Dabei ist Bosse weniger mit Außenauftritten aufgefallen als durch die Arbeit in Ausschüssen und städtischen Gremien. Er gehörte beispielsweise dem Aufsichtsrat der Energieversorgung Offenbach und dem Verwaltungsrat der Sparkasse an. Bosse hatte den Ruf, ein belastbarer Arbeiter zu sein, und wo er mitwirkte, hatte sein Wort Gewicht.

Geboren in Berlin und aufgewachsen in Konstanz am Bodensee, verschlug es ihn 1962 nach Offenbach, das er sofort als die Heimat annahm, an deren Gestaltung ein Bürger mitzuwirken hat. Scherzhaft sah er sich selbst als das „Ergebnis einer gelungenen Integration“. Seine beruflichen Anfänge lagen in der Mineralölindustrie.

In England hat Bosse sich in jungen Jahren allerdings auch schon mal als Krankenpfleger durchgeschlagen. Damit verschaffte er sich die britische Aufenthaltsgenehmigung. Später war er zunächst Verkaufsleiter und danach Geschäftsführer des kartografischen Verlags Ravenstein. Ende der 60er Jahre hielt er bei Ravenstein einen Geschäftsanteil von 49 Prozent. Davon hat er sich erst 1999 gelöst.

Ein eigenständiges Profil

Rüdiger Bosses Eintritt in die lokale Politik erfolgte über den Elternbeirat der Leibnizschule und den Stadtelternbeirat. 1970 schloss er sich den Christdemokraten CDU an. Verlassen hat er sie 1989 in einer Phase parteiinterner Flügelkämpfe, um mit anderen die Freie Wählergemeinschaft zu gründen. Nach seinem Abschied von der lokalen Politik erlebten Offenbacher ihn als kritischen Beobachter, dessen Meinung bis zuletzt gern eingeholt und genutzt wurde.

Rüdiger Bosse war ein Kommunalpolitiker mit eigenständigem Profil. Mancher hat ihn geschätzt als ein Beispiel des selbstlos am Gemeinwesen mitwirkenden Bürgers. Der Anglophile war geprägt von einem britischen Politikverständnis. Er hinterlässt seine in England geheiratete deutschstämmige Ehefrau Erika und zwei Söhne. Der älteste ist noch in England geboren.

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