Steinkauzrevier in Bürgel

Ruhe und Holzspäne helfen

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Seltener Schnappschuss: Ein Steinkauz hat sich in den hintersten Winkel der Röhre zurückgezogen.

Bürgel - Ruhe. Wäre der Bürgeler Karl-Heinz Weigel Arzt, würde er sie seinen Patienten verordnen. Absolute Ruhe. Vor neugierigen und störenden Besuchen würde er dringend abraten. Aber Weigel ist kein Doktor, sondern Vogelliebhaber. Von Martin Kuhn

Im Mainbogen beobachtet er vor allem Steinkäuze. Ein Patentrezept zum Schutz der kleinen, scheuen Eule hat der 78-Jährige noch nicht gefunden. Wie lange kümmert sich Weigel überhaupt schon um die Steinkäuze? „O je“, sagt er und überlegt. „1985 haben wir die ersten Niströhren aufgehängt, seit 1999 notiere ich mir alles.“

Akkurat aufgelistet sind Zahl der Gelege, Jungtiere oder Ringnummer. Der Bürgeler beschränkt sich allerdings nicht aufs nackte Zahlenwerk. Er klettert trotz seines fortgeschrittenen Alters auf die Leiter, um Niströhren zu kontrollieren, zu reinigen und notfalls zu reparieren, die an Bäumen entlang des Mains angebracht sind.

Mitten auf einem Acker

Anfang Januar kümmerte er sich wieder mit Hans-Joachim Kühne und Paul Hellmann um die 13 Röhren. Eine davon, befestigt an einem alten Birnenbaum, der abseits der Wege mitten auf einem Acker steht, ist belegt. Davon zeugen Gewölle, ausgewürgte unverdauliche Nahrungsreste wie Knochen und Federn, Ausscheidungen und der Steinkauz selbst, der sich ins hinterste Eck verkrochen hat. „Ein übler Gestank.“ Weigel hat alles so gelassen, lediglich ein paar Holzspäne drüber gestreut. Die restlichen zwölf Nisthilfen haben die Vogelschützer gründlicher gereinigt und Hinterlassenschaften von Mardern, Eichhörnchen oder Staren beseitigt. „Die nutzen natürlich gern unsere Röhren.“

Wann die Steinkäuze ihre Eier legen, ist abhängig vom Nahrungsangebot und von der Witterung. „Er fällt in Mittel- und Westeuropa meist in die letzte Aprildekade“, heißt es in der freien Internet-Enzyklopädie. Das Gelege umfasst gewöhnlich drei bis fünf Eier.

Weigel und seine Mitstreiter hoffen, dass die im Grunde standorttreue Eulenart wieder an den Main zurückkehrt. Die Voraussetzungen dafür haben sie geschaffen, für den Rest muss die Natur sorgen. Weigel weiß: „In guten Mäusejahren haben wir mehr Jungvögel.“

Steinkauz auf den Streuobstwiesen

Steinkauz auf den Streuobstwiesen

Vielleicht erlebt er ja einen Glücksmoment wie im vergangenen Juni. An einem Sonntag ist er früh unterwegs und hält wie immer ein Fernglas bereit. Plötzlich sieht er einen Kauz aus dem besagten Birnbaum aufsteigen. „Da tut sich was“, denkt er, geht langsam auf den Acker, verharrt minutenlang unter dem Obstbaum. „Guckt doch auf einmal ein Jungvogel raus!“ Vermutlich hat er auf Mäuse-Nachschub gewartet. Natürlich hat Weigel sein eigenes Rezept beherzigt: Ruhe!

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