Mit Ruhe zum Klinikverbund

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Vergangene Woche wurde öffentlich, dass die Zweier-Kooperation nicht so schnell zustande kommt wie erhofft.

Offenbach (tk) ‐ Beim angestrebten Klinikverbund zwischen Offenbach und Wiesbaden soll sich Stadtkämmerer Michael Beseler (SPD) ruhig Zeit lassen. Die Rückendeckung der oppositionellen CDU hat er, wie deren Fraktionschef Peter Freier mitteilt.

Vergangene Woche wurde öffentlich, dass die Zweier-Kooperation nicht so schnell zustande kommt wie erhofft. Darmstadt und Hanau verschließen sich ohnehin noch. Kämmerer Beselers Idealvorstellung wäre ein großer Rhein-Main-Verbund mit bis zu 6000 Betten. Aktuell blockieren diverse offene Fragen und die in Wiesbaden ausstehende politische Willensbildung den Weg zur noch engeren Zusammenarbeit. „Sorgfalt muss vor Schnelligkeit gehen“, meint CDU-Mann Freier. Angesichts einer Vielfalt von unterschiedlichsten Sach- und Rechtsfragen verbiete sich jeglicher Zeitdruck.

Hinzu kommt, dass die Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) „noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen haben“, wie Freier formuliert. Offenbach dagegen habe mit dem Grundsatzbeschluss zum Klinikverbund und der geplanten Aufstockung des Eigenkapitals des Klinikums um 30 Millionen Euro die notwendige Grundlage bereits geschaffen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Udo Rein vom Marburger Bund weitere Bedenken geäußert. Das noch nicht veröffentlichte Jahresergebnis 2009 der HSK sei „alles andere als erfreulich“. Auch in Offenbach werden Stimmen laut, die Wiesbadener könnten sich auf Offenbacher Kosten sanieren wollen.

Für CDU-Fraktionschef Freier steht außer Frage, dass der Verbund auf „Augenhöhe unter Gleichen“ zu realisieren sei. „Wenig hilfreich“ sei es, wenn die Gewerkschaft Verdi eine Fortführung des Sanierungstarifvertrags in Frage stelle, mit der eine Kapitalerhöhung untrennbar verbunden sei. „Dies den Beschäftigen abzuverlangen, ist den Stadtverordneten sehr schwer gefallen, wir wissen, was wir ihnen zumuten“, meint Freier. Laut Verdi werden die Arbeitnehmer am Ende dieses Jahres auf rund 23,5 Millionen Euro ihres Tarifeinkommens zur Sanierung des Klinikums verzichtet haben.

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