In der Ruhe liegt die Kraft

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Weiß ist die vorherrschende Farbe im Saal der buddhistischen Gemeinde in der Frankfurter Straße. Dort meditieren die Mönche und Mitglieder der Mahamevna Meditation Monastery gemeinsam.

Offenbach ‐ Wenn der Himmel eine Hausnummer hätte, dann wäre es wohl die 65. In diesem Fall wäre der Himmel aber in Offenbach, direkt über der Frankfurter Straße. Eine eher unwahrscheinliche Vorstellung. Von Katharina Skalli

Dennoch kommt diese Theorie der Realität der im Rhein-Main-Gebiet lebenden Buddhisten zumindest ein kleines Stück nahe. Vorausgesetzt sie sind Mitglieder der Mahamevna Meditation Monastery.

Seit eineinhalb Jahren hat sie in der Frankfurter Straße 65 ihren Sitz. Und dieser erinnert stark an eine kuschel-kitschige Himmelsvorstellung, wie man sie aus alten Poesiealben oder Romy-Schneider-Filmen kennt. Hinter einer Glastür zwischen einem Imbissladen und einem Billig-Kaufhaus beginnt der kleine Himmel der Anhänger des Ur-Buddhismus, wie man die Ausrichtung der Mahamevna Monastery bezeichnen könnte. Noch im Erdgeschoss müssen die Schuhe ausgezogen werden. Im ersten Stock weiß der Besucher wieso: Eine geschwungene, breite Treppe, die mit rotem Teppich verkleidet ist, führt nach oben in den Meditationssaal. Einrichtung und Dekor dort erinnern an das Weiß des Schnees, der das Bild des deutschen Winters in diesen Tagen prägt. Als sei man die Treppe in den Himmel hinaufgestiegen.

Weißes Lächeln und blinde Augen

Auf dem Boden liegt ein schneeweißer Teppich. An den weißen Wänden strahlt Licht aus blütenförmigen, weißen Leuchten, weiße Buddha-Statuen empfangen den Besucher mit weisem Lächeln und blinden Augen. Nur das helle Blau der Wandmalerei unterbricht die Einfarbigkeit.

Von der Frankfurter Straße klingt der Lärm der Innenstadt. Doch die geschlossenen Fenster lassen nur ein dumpfes Gewirr aus Verkehrslärm und Stimmen in den Gemeindesaal.

Hier wird meditiert und die Dhamma, die Lehren Buddhas, verkündet. Die Anhänger der Mahamevna Monastery bemühen sich noch mehr als andere Buddhisten, die Lehren ihres Religionsbegründers umzusetzen. Mindestens einmal in der Woche, meistens sonntags, kommen die Mitglieder zusammen. Viele von ihnen stammen aus Sri Lanka, doch die Gemeinde hofft, dass in Zukunft mehr Deutsche den Weg zu ihr finden.

„Meditation macht glücklich“

„Meditation macht glücklich“, sagt Idamgama Gnanadhamma Thero. Der 27-Jährige ist Ban Te, ein buddhistischer Mönch. Seit zwei Jahren lebt er in Offenbach und unterstützt die Innenstadtgemeinde. Er und sein Kollege Ella Kusakagnana Thero sitzen in weinroten Saris auf weißen Plastikstühlen, wie man sie aus Gartencentern kennt und es scheint, als bekämen sie nichts mit von dem Endjahrestrubel hinter ihren Fenstern. Auf ihre kahlen Köpfe möchte man eine warme Wollmütze setzen. Bis in den hell gekachelten Raum, in dem sich nichts befindet außer einem kleinen Buddha-Altar und den beiden Stühlen, dringt weder Stress noch Hektik. All das wird im Erdgeschoss gelassen, bei den vor Schneematsch triefenden Winterstiefeln.

„Die Deutschen sind sehr ordentlich“, sagt Idemgama. Außerdem hielten sich die meisten ganz unbewusst an die Lehren Buddhas. Wie den Tierschutz oder dass man Arme unterstützen soll. „Andererseits laufen die Menschen in den westlichen Ländern zu sehr den weltlichen Dingen hinterher“, so der Gast aus Sri Lanka. „Dabei verpassen sie ihre geistige Entwicklung. Wenn sie alt sind, fehlt ihnen Gelassenheit und Ruhe.“ Davon haben die beiden jungen Mönche mehr als genug. Ihre Antworten wählen sie sorgfältig aus. Langsam fügen sich die Worte zu Sätzen.

In schwierigen Zeiten Kraft schöpfen

Diese Gelassenheit gelingt ihnen, weil sie sich auf das konzentrieren, was ihnen wichtig ist: Die Lehre Buddhas. Deswegen sind sie hier. Morgens bringen Gemeindemitglieder das Essen. Ebenso mittags und abends. Alles wird erst einmal Buddha angeboten. Die Blumen vor der Statue im Saal sind ebenfalls ein Geschenk der Gläubigen. Der Rest des Tages wird meditiert und versucht, den Menschen zu helfen. Durch das Entwickeln einer inneren Ruhe könne man in schwierigen Zeiten Kraft schöpfen, erklären die Mönche. Erst wenn der Geist ruhig werde, sehe man die wahren Ursachen für Probleme.

Gamini Muthakumarana ist aktives Gemeindemitglied und setzt sich dafür ein, dass auch andere den Weg zur Monastery finden. „Viele Deutsche sind interessiert“, sagt er. „Aber sie wissen nicht, wo sie hingehen können.“ Ab Januar planen die Gemeindemitglieder spezielle Infoveranstaltungen für Deutsche. Stattfinden sollen sie jeden Mittwochabend von 18.30 Uhr bis 20 Uhr. Informationen gibt es auch auf der Internetseite.

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