Rumänen-Bande vor Gericht

Am Automaten ältere Damen ausgenommen

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Offenbach - Richter Manfred Beck bezeichnet die Rumänen, die sich vor seiner Schöffenkammer zu verantworten hatten, als gut ausgebildet: allerdings in keinem Metier, das man in irgendeinem Land der Welt willkommen heißen möchte.

Die Menschen aus Südeuropa verdienten ihr Geld als geübte und spezialisierte Trickdiebe. Ihre Opfer waren vornehmlich alte Damen, die beim Abheben von Geld am Bankautomaten abgelenkt und ausgenommen wurden. Verantworten mussten sich eine Mann und eine Frau, die einer vermutlich zehnköpfigen Bande unter Führung eines Mittfünfzigers angehörten.

Die Ganoven beiderlei Geschlechts waren seit 2012 im Rhein-Main-Gebiet mit einer stets ähnlichen Masche unterwegs und oft erfolgreich: Sie sprachen Frauen an, ob sie Geld verloren hätten, und zeigten auf einen am Boden abgelegten Schein. Bückte sich das Opfer, holte ein Komplize Geld und Karte aus dem Automaten. Die für das Abheben von weiterem Geld notwendige PIN war schon beim Eintippen (oft nur anhand der Fingerbewegungen) abgeschaut worden.

Nest der Bande in Offenbach

Nach umfangreichen Ermittlungen war es der Polizei gelungen, das Nest der Bande in Offenbach zu lokalisieren. Als die Beamten dort eintrafen, waren die Ganoven jedoch ausgeflogen. Wahrscheinlich habe der Chef einen Tipp von einer korrupten Person aus Kreisen der Ermittler oder der involvierten Übersetzer erhalten, vermutet Richter Beck: „Wo viel Geld im Spiel ist, gibt es auch Versuchungen für nicht immer gut verdienende Ermittler, Schreibkräfte oder Dolmetscher, Infos gegen Geld zu verraten.“ Monate später geriet ein Pärchen aus der Gruppe (26, 23) den Ermittlern bei einem missglückten Ladendiebstahl in die Fänge. Der Mann und die Frau gestanden, an bis zu 15 Taten beteiligt gewesen zu sein. Der Mann hatte seine Arbeit in einem Stahlwerk in Rumänien verloren, als dieses aufgekauft und dicht gemacht wurde. Deutschland erschienen ihm und seiner Frau als letzte Hoffnung. Sie ließen sich in einem Frankfurter Lokal anwerben.

Der Bandenchef spricht nach ihrer Beschreibung gut Deutsch und kleidet sich in bestem Zwirn, wenn er die Opfer als vermeintlicher Helfer anspricht. Das Paar dürfte aus der Beute maximal 2000 Euro erhalten haben. Nachdem beide sieben Monate in Untersuchungshaft saßen,wo die Frau ein Kind gebar, verurteilte das Gericht sie zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren (die an mehr Taten beteiligte Frau) sowie einem Jahr und acht Monaten und setzte die Vollstreckung für fünf Jahre zur Bewährung aus.

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Beide sind in Deutschland nicht vorbestraft. Aus Rumänien war darüber nichts zu erfahren. Eine Abschiebung ist nach Einschätzung des Gerichts angesichts der geringen Höhe der Strafe nicht möglich. Beide wollen jedoch zunächst nach Rumänien. Dort lebt, auf Veranlassung des Jugendamts, inzwischen ihr Baby bei einer Schwester der Mutter, die in der Haft eine Depression entwickelte und sich nicht um ihr Kind kümmerte. Der Bandenchef geht weiter seiner Tätigkeit nach. Er konnte bislang nicht festgenommen werden.

tk

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