Pferdekorso zum Rathaus

Reit- und Fahrverein forciert Protest gegen Reitplatz-Aus 

+
Provokante Frage, aufgehängt im Oktober 2014 am Rumpenheimer Tempelplatz. Nach dem Abschluss der Online-Petition plant der Reit- und Fahrverein Rumpenheim einen Pferdekorso zum Rathaus und zum Eigentümer des Grundstücks.

Offenbach - Ein Sturm zieht auf. . . Oder besser: Der Reit- und Fahrverein Rumpenheim macht mobil. Er kämpft um den Erhalt des sogenannten Tempelplatzes, hat eine Petition gestartet. Als Höhepunkt soll demnächst ein Pferdekorso folgen. Von Martin Kuhn 

Der Eigentümer des Areals bekundet derweil: „Auch das werde ich gelassen hinnehmen.“ Für Außenstehende ist es eher schwer durchschaubar, was sich im idyllischen Stadtteil abspielt. Klar ist: Die Parteien – hier der neue Eigentümer, da die bisherigen Pächter – stehen sich sprachlos gegenüber. Ein Austausch über die Sache selbst, einen Pachtvertrag fürs gut 24 000 Quadratmeter messende Grundstück, findet nicht statt. Vermittlungsversuche der lokalen Bürgerinitiative (BIR) und der Stadt scheiterten. Der Streit zeichnete sich im Herbst 2009 ab, als das Grundstück am Rumpenheimer Tempel den privaten Besitzer wechselte. Der heutige Eigentümer griff zu, „nachdem die Stadt auf ihr zustehendes Vorkaufsrecht verzichtete“. Auch dem Reit- und Fahrverein (RFV) soll das Areal vom Vorbesitzer mehrfach und günstiger angeboten worden sein. Der Verein lehnte offenbar immer ab, wähnte sich durch den langjährigen Pachtvertrag auf der sicheren Seite.

Um juristische Klarheit zu schaffen, kündigte der neue Eigentümer im August 2010 fristgemäß zum 31. Dezember 2011 den Pachtvertrag – ohne Verlängerungsmöglichkeit. In einer Mitteilung des Vereins liest sich das so: Nach mehrjähriger Hängepartie habe er ein Pachtangebot unterbreitet, „das weit über den marktüblichen Konditionen und rund zehnfach über dem alten Pachtzins lag.“ Konkrete Zahlen nennt der Verein nicht. Unwidersprochen steht jedoch eine Summe, die inzwischen öffentlich gehandelt wird: 1000 Euro Pacht habe der RFV bislang gezahlt – pro Jahr. Dass er etwa das Zehnfache aufgerufen hat, bestätigt der neue Besitzer – als Verhandlungsbasis. Für ihn scheint der Fall erledigt: „Ein von mir genannter Termin wurde vom Verein abgesagt; es gab keine ernsthafte Verhandlung, kein brauchbares Ergebnis.“ Auch die Einschaltung der Magistratsspitze brachte keine Bewegung: „Außer einigem Schriftverkehr ist nichts herausgekommen.“

Bilder: Pferdehof „Akita“ zieht um nach Dietzenbach

Letztlich dreht es sich wohl um finanzielle Fragen. Dabei sieht sich der Reit- und Fahrverein moralisch im Recht, stellt heraus, dass der Platz „seit 30 Jahren den Buschreitern aus Hessen und angrenzenden Bundesländern zur Verfügung steht“. Er erfährt parlamentarischen Beistand von den Grünen, die sich „irritiert vom rigorosen Vorgehen“ des Eigentümers zeigen. Pikante Personalie am Rande: RFV-Sprecherin Irene van Heemstra ist Vorstandsmitglied im SPD-Ortsverein Bürgel/Rumpenheim. Da ist es kaum verwunderlich, dass der Verein „viel Unterstützung aus der örtlichen Politik“ erhielt, so van Heemstra in einer aktuellen Mitteilung. Zirka 3200 Personen, davon 600 aus der Stadt und 400 aus dem Kreis, hätten bereits die Petition geschrieben, die bis 2. Juli offen ist. Und sie listet auf: „Aus der Spitze der Vielseitigkeit unterschrieben die Erfolgstrainer Hans Melzer und Christopher Bartle; Olympiasieger Andreas Dibowski. Bettina Hoy, Europa- und Weltmeisterin, die Doppelolympiasieger Michael Jung, Hinrich Romeike und Peter Thomson schlossen sich an.“

Trotz dieser breiten Reiterfront gibt sich der Eigentümer unbeeindruckt. Vielmehr irritiert ihn, dass der Verein ihm einen „vollkommen unrealistischen“ Pachtvertrag aufzwingen will. Er hat einmal ausgerechnet, wie sich der als Verhandlungsgrundlage gedachte Pachtzins auf die etwa 130 Mitglieder des Vereins ausgewirkt hätte – und kommt auf etwa sieben Euro monatlich. Zur Erinnerung: Das Hessische Verwaltungsgericht hält mit Beschluss vom Dezember 2014 die Einführung einer Pferdesteuer in Hessen für rechtskonform. Die Kasseler Richter halten die Besitzer von Pferden für wohlhabend genug, um eine solche Steuer zahlen zu können...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare