„Erst Lob, dann Nichtangebote“  

Rund 150 städtische Beschäftigte aus Offenbach folgten Streikaufruf von Verdi

Mit Fahnen und Ratschen ausgestattet, wurde vor dem Rathaus für eine bessere Entlohnung demonstriert.
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Mit Fahnen und Ratschen ausgestattet, wurde vor dem Rathaus für eine bessere Entlohnung demonstriert.

„Es ist an der Zeit, nach draußen zu gehen und zu sagen: Wir sind es wert!“: Verbunden durch Plastikbänder und ausgestattet mit Fahnen und Ratschen zog sich gestern Morgen eine Menschenkette einmal rund um das Rathaus.

Offenbach – Waren es am Dienstag in der Frankfurter Nachbarschaft 600, versammelten sich am Mittwoch in Offenbach rund 150 Teilnehmer zum Streik im öffentlichen Dienst Hessen, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Sie fordert unter anderem eine Anhebung des Einkommens um 4,8 Prozent für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen.

„Wir haben überlegt, wie wir auch in Coronazeiten tätig werden können und haben uns entschlossen, das Rathaus symbolisch zu umstellen“, erläutert Gewerkschaftssekretär Boris Bogojev. „Damit wollen wir dem Oberbürgermeister sagen: Mach dich stark bei deinem Arbeitgeberverband, dass die Beschäftigten der Stadt Offenbach eine Entgelterhöhung bekommen.“

Über die Forderung nach der Anhebung von 4,8 Prozent beziehungsweise einen Mindestbetrag von 150 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten hinaus fordert Verdi, dass Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro monatlich angehoben werden sollen, außerdem drängt die Gewerkschaft auf die Angleichung der Arbeitszeit in Ost und West. Darüber hinaus soll das Thema der Entlastung der Beschäftigten in den Tarifverhandlungen behandelt werden.

Bis jetzt hätten die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt, so Bogojev. Das Augenmerk liege jetzt auf dem 23. beziehungsweise 24. Oktober, für den die dritte und letzte Verhandlungsrunde anberaumt ist.

Als „grobe Respektlosigkeit uns gegenüber“ bezeichnet Landesfachsbereichsleiter Tom Winhold diesen Sachverhalt in der kurzen Kundgebung vor dem Haupteingang des Rathauses: „Wer hat denn den Laden am Laufen gehalten, wer hat dafür gesorgt, dass Deutschland so gut in der Coronakrise dasteht?“ Diese Leute, egal, ob Mitarbeiter in Kita, den Gesundheitsämtern oder bei der Müllabfuhr, blieben auf der Strecke, so Winhold, während ein Großunternehmen in der Nachbarschaft (Lufthansa, Anm. der Red.) neun Milliarden vom Bund erhalte und trotzdem Mitarbeiter entlasse. Die ehrenamtliche Vorsitzende im Kreisvorstand von Verdi, Brigitte Bach-Grass, pflichtete Winholds Aspekt der Respektlosigkeit bei: „Erst die Lobeshymnen, dann die Nichtangebote.“

Bei der Kundgebung richteten außerdem Claudia Schell, Gesamtpersonalratsvorsitzende der Stadt Offenbach und Rosi Haus, Geschäftsführerin von Verdi im Bezirk Frankfurt und Region ihre Worte an die Streikteilnehmer: „Wir erwarten Unterstützung von der gesamten Politik und den Arbeitgebern, bis ein ordentliches, akzeptables Angebot auf dem Tisch liegt.“

Dass der öffentliche Alltag durch den Streik nicht zusammenbricht, dafür hatte Verdi im Vorfeld gesorgt: Hauptsächlich beträfe es Eltern, da einzelne Kitas geschlossen seien, erklärte Bogojev, allerdings sei überall dafür gesorgt worden, dass es Notgruppen gäbe, beispielsweise in anderen Kitas.

Die Gewerkschafter kündigten zudem an: „Das war vermutlich nicht die letzte Aktion, eventuell gibt es vor dem Datum der letzten Verhandlungsrunde noch einen Streik.“

Von Jan Schuba

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