Nur 33,2 Prozent

Wahlbeteiligung rund um Europaplatz auf Tiefpunkt

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Nicht allein bei der Stimmauszählung wird der Handy-Rechner aktiviert. Nach dem Urnengang beginnt die Zeit der Analysen. Für manche Parteien sind es besonders schmerzhafte.

Offenbach - Es ist ein Standardsatz, zumeist ausgesprochen von Wahlverlierern, obwohl es diese ja über Parteigrenzen hinweg bei Politikern nicht zu geben scheint: „Wir müssen das jetzt intern in aller Ruhe analysieren. “ Die Redaktion verstößt gegen diese Regel. Von Martin Kuhn

Sie wirft schon heute einen Blick auf die Wahlergebnisse in der Stadt Offenbach. Vorweg: Unterm Strich ist auch in der selbsternannten Kreativstadt die große Überraschung ausgeblieben; die Offenbacher Wähler folgen 2013 dem Bundes- und Landestrend. Generell bleibt festzuhalten, dass die Parteien abseits ihrer unterschiedlichen Inhalte an einer Stelle zusammenrücken und -arbeiten müssen: Die Wahlbeteiligung in der kleinen Großstadt ist zumindest ernüchternd. Sie liegt bei der Bundestagswahl bei 65,1 Prozent; gut ein Drittel der Wahlberechtigten verweigert den Urnengang. Beschämend ist die Wahlbeteiligung von 33,2 Prozent rund um den Lauterborner Europaplatz.

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Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren: Desinteresse, Protest, Ohnmacht, Ahnungslosigkeit, Resignation. Der hessische Vergleich: In Frankfurt liegt die Wahlbeteiligung bei 68,3, in Kassel bei 68,4, in Wiesbaden bei 69,8 und in Darmstadt gar bei 74,3 Prozent. Da ist von auch von lokalen Parteistrategen entgegen zu wirken. Vielleicht lässt sich ja was über den sogenannten Sozialindex für die politische Bildung machen. Bei der Lehrerversorgung hat es schließlich nach langer Zeit geklappt...

Aber zurück zu den (wenig überraschenden)  Ergebnissen 2013: Traditionell liegen die Christdemokraten in den als wohlhabend geltenden Stadtteilen beziehungsweise Wahlbezirken vorn – Rumpenheim, Bürgel, Bieber, Westend. In der Kernstadt ist es naturgemäß mit der christdemokratischen Überlegenheit vorbei. Dort geben die Wähler eher Sozialdemokraten, Grünen und Linken sowohl Erst- als auch Zweitstimme.

Frust und Freude auf der Wahlparty in Offenbach

Interessant sind da eher die teils abweichenden Ergebnisse zur Hessenwahl. SPD-Kandidatin Heike Habermann erzielt im Wahlbezirk 2 (Gewerbliche Berufsschule) ihr bestes Resultat: 42,17 %. Sie rutscht in ganz Offenbach nicht unter die 20 %-Linie. CDU-Minister Stefan Grüttner knackt im Wahlbezirk 30 (Buchraingebiet, Blumenstraße, Sprendlinger Landstraße, 48,8 %) und „seinem“ Wahlbezirk 69 (Seestraße, Am Entensee, Weilburger Weg, 48,2 %) beinahe die 50 %-Marke. Wenig zu holen ist für Grüttner im Wahlbezirk 7 (Andréstraße, Nordring): unterdurchschnittliche 16,2 %.

Grünen-Direktkandidat Tarek Al-Wazir holt in Offenbach viele Stimmen – im Wahlbezirk 17 (untere Ludwigstraße, obere Bismarckstraße) sind’s 26,6 %, im Wahlbezirk 22 (untere Karl- und Bismarckstraße) 23,7 %. Klinken müsste er noch in Waldhof putzen, um wenigstens auf 9 % zu kommen. Es dürfte Wasser auf die Mühlen der lokalen Sozialdemokraten sein. Dort heißt es hinter vorgehaltener Hand: Würde Al-Wazir aufs grüne Direktmandat verzichten, könnte ein Sozialdemokrat den Wahlkreis gegen Stefan Grüttner für sich holen. Ein „endlich wieder“ hallt da nach...

Frust und Freude: Die Hessenwahl in Bildern

Freude und Frust - Hessenwahl in Bildern

Vom liberalen Erdrutsch wird Oliver Stirböck mitgerissen. Ganz bitter: In den Wahlbezirken 32 (Lauterborn) und 35 (Albert-Schweitzer-Schule) erhält der FDP-Kandidat jeweils nur eine Stimme. Und was ist mit dem Thema Fluglärm? Offenbar ist es nicht so entscheidend für die Wahl 2013, wie es einige erachtet haben. Der Parteilose Dieter Faulenbach da Costa, scharfer Kritiker des derzeitigen Flughafen-Betriebs, holt für die Linken im Wahlbezirk 5 (Martin-Luther-Park, Mittelseestraße) sein Top-Ergebnis: 16 %; am Ende sind’s 3224 Stimmen (7,7 %) für Faulenbach da Costa.

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