HfG-Rundgang

Leben in die Stadt geholt

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Die Stadt ergänzen um das, was fehlt: Zur „Intercity-Passage“ haben Studenten die dem Abriss geweihte City-Passage an der Frankfurter Straße gemacht.

Offenbach - Der 16. Rundgang der Hochschule für Gestaltung treibt dank warmen Wetters die Massen auf den Schlossplatz. Auch mehrere Außenstellen führen zu kultureller Belebung. Von Claus Wolfschlag

Der Campus am Schloss ist traditioneller Mittelpunkt, dank Cross Media Night am Freitag und Filmnacht am Samstag. Produktgestaltung und filmische Arbeiten dominieren das Hauptgebäude. Besucher können auf der faltbaren Sitzbank „Alotl“ Platz nehmen, von Lisa Peil und Leonie Martin entworfene T-Shirts erwerben. Andere stehen vor Yoonsun Kims sich drehenden Hängelichtern.

Noch beweglicher sind die von Carolin Libl und Nikolas Schmid-Pfähler gebauten Apparaturen. Neben Robotern lädt ein elektronisches Spiel zum Mitmachen. Libl war schon in der Schule von Physik fasziniert: „Mit Kunst Geld zu verdienen ist schwer. Deshalb verbinde ich Kunst mit anwendungsorientierten, interaktiven Konzepten. Ich wollte eine Gemeinschaftssituation herstellen, daraus entwickelte ich mein Spiel.“

Max Brücks Blockhütte in der früheren IHK würde jede Alm zieren.

Im ehemaligen IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit sind experimentelle Raumkonzepte zu sehen. Na-Young Kwak und Hye Won Kim präsentieren eine große, gewundene Deckenleuchte. Interessenten können sich in Bennet Mays Schranksystem vertiefen, Cosima Peths bauchfreie Oberteile befühlen oder die Berg- und Seenlandschaften betrachten, mit denen Nadine Eleni Kolodziey Fenstervorhänge bedruckt hat. Georg Thanner steuert zwei mit Kleingemälden behängte Wände bei.

Fotofreunde kommen auf ihre Kosten

Fotofreunde kommen auf ihre Kosten mit Laura Nickels Porträts, Janine Maschinskys putzigen Hunden aus Filmstandbildern und Juliane Kutters fragmentarischen Akten. Felix Heine zeigt Frauen in sommerlichen Kleidern. Er hat sie in der U-Bahn angesprochen. Ziel war, urbane Menschen in eine naturnahe Umgebung zu versetzen.

Maria Thrän hat mit Projektor und Folie eine bezaubernde Kammer voller Lichtpunkte illuminiert. Max Brück hat eine geräumige Blockhütte in ein Zimmer gebaut; mancher wähnt sich auf einer Alm mit Gratisgetränken. Anerkennung erntet Sonja Yakovleva, die eine Gardine in Form eines riesigen Scherenschnitts aufgehängt hat. Hanne aus Fechenheim urteilt: „Spannend, was die jungen Leute produzieren! Es ist kreativ, es lebt und macht dem Betrachter Spaß.“

„Macht weiter. So etwas fehlt in Offenbach“

Aldin Sakic und Benjamin Slattery haben in der dem Abriss geweihten City-Passage die „Sense Bar“ eingerichtet. „Wir bieten Cola mit Kruskovac, einem Pflaumenlikör vom Balkan, oder polnischen Bisongras-Wodka mit Apfelsaft“, so Sakic. Der Produktgestalter betreibt auch den Laden „Pöbelmöbel“, in dem ein Workshop zum Möbelbau aus Sperrmüll steigt. Dort ist ein Holztisch mit Kachelplatte zu erwerben. Kraken, Krebse und Elche sind die Motive, etwa von Nora Etmann gezeichnet. Etmann präsentiert auch grafische Arbeiten und erklärt: „Diese Wesen zeigen den Zwiespalt des Menschen zwischen Naturverbundenheit und Zivilisation. Einerseits tragen sie westliche Klamotten, andererseits haben sie einen Antilopenschädel. Ich will anregen, die Natur in die Stadt zurückzuholen.“

Das Leben in die Stadt zurück holt der Second-Hand-Laden „Schambes & Schätzchen“. Drei Wochen lang haben Isabel Blumenthal und Lilya Friedemann gebrauchte Textilien gesammelt. Aus Frankfurt und Langen sind sie nach Offenbach gezogen und bekennen, dort lieber zu kaufen als auf der Zeil. „Macht weiter. So etwas fehlt in Offenbach“, sagt Käuferin Tanja beim Bezahlen.

Im Hof bietet die dreiköpfige Gruppe „Hauptsache hässlich“ Passanten an, Bilder zu malen, und zwar mit Fischkadavern. Das ist nichts für Vegetarier. Man sei konzeptlos, den Sinn möge sich jeder selbst erschließen, lautet die Antwort auf Fragen.

Vegane Brezeln gibt es in der Ölhalle am Hafen, wo Professor Adam Jankowski nach 26 Jahren Abschied nimmt. Die Wände zieren asiatisch beeinflusste Bilder Ssong-Neyo Lyoos und Dan Zhus. Peter Neighbours zeigt eine auf dem Bahnsteig ruhende Ziege, während Talia Melda Temucin ein Porträt pointillistischer Machart beisteuert. Kostas Tsobanidis ist zufrieden mit seinen menschlichen Hinteransichten: „Ich vermeide, Gesichter zu malen, weil sie einen Fixpunkt bilden und vom Rest ablenken.“

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