OP-Leser am Bieberer Berg

Mit Anekdoten gewürzt

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Ende der offiziellen Talkrunde, Ende der gut zweistündigen Stadionführung, die bei unseren Lesern bestens ankam. Da musste doch noch mal bei Barbara Klein genau nachgefragt werden, ob die Überlegung ernst gemeint war, dass der OFC seine Heimspiele auf der anderen Mainseite austrägt.

Offenbach - Treffpunkt unter der Haupttribüne. Bei der schwülen Witterung fließt der Schweiß. Das hält unsere treuen Leser nicht ab, die bei einer Abo-Plus-Aktion ausgelost als Teilnehmer einer exklusiven Stadionführung am Bieberer Berg wurden. Von Martin Kuhn

„Mein Mann hat gar nicht gewusst, dass ich mitgemacht habe“, verrät Ute Zeiger. Na, da hält sich die Begeisterung ja wohl in Grenzen? „Ach was, der ist total glücklich.“ Ute Zeiger und Gatte Bernhard sind nicht die einzigen. Alle sind positiv angetan: vom Stadion, von Details, die Rudi Kranz verrät, von der Talkrunde hinter der Waldemar-Klein-Tribüne und von der Stadionwurst. „Das habt ihr super hingekriegt!“, lobt einer nach zwei Stunden. Er lässt offen, ob er generell den Neubau oder speziell die Führung meint. Alle Protagonisten, Stadiongesellschaft Bieberer Berg, Verein Kickers Offenbach und unsere Mediengruppe, dürfen’s wohl als gemeinsames Lob verstehen.

Vom Foyer führt Kranz, 45 Jahre im Verein, 30 Jahre technischer Leiter im alten Stadion, „heute der Gruß-August“ wie er augenzwinkernd erzählt, die beiden Gruppen in die Mixed-Zone. Wo sich sonst Spieler und Reporter begegnen, atmen alle durch. Es ist angenehm kühl, von dort geht’s links in die Kabine der Gäste, rechts in die des OFC – erstere ist gut 30 Quadratmeter größer, zweitere kommt ohne Pfeiler aus: „Damit auch alle bei der Teambesprechung dem Trainer zuhören.“ Und noch was verrät er, was zur allgemeinen Erheiterung beiträgt: Jeder Kickersspieler hat in seinem unteren Spindfach einen Kasten Wasser. Neue Erfrischung gibt’s nur, wenn am Ende wieder zwölf Flaschen drin sind.  Die Maßnahme fruchtet – von wegen ex und hopp.

Rundgang durch das OFC-Stadion (März 2012)

Der Raum für die Dopingkontrolle erweckt Neugier. „Gab es schon mal einen Dopingfall?“, möchte einer wissen. Kranz: „Ja, wenn im VIP-Bereich einer zu viel trinkt...“ Da schmunzeln einige. Klaus Fäth fotografiert seinen Sohn Marcel in der Umkleide. Beide sind glühende Fans der Kickers. Fehlt aber ein rotes Trikot. „Das hängt daheim“, sagt Marcel. Und wird für heute zum ersten Auswärtsspiel geschont? „Nein, ich hab’ mich zu spät um eine Karte bemüht. Und auf einem Sitzplatz halte ich das nicht aus.“

Aushalten können es unsere Leser auf der Haupttribüne in den Sitzen, die den besser Bezahlenden vorbehalten sind. „Die sind aber bequem“, urteilt eine Frau. Und noch zu haben, nimmt Kranz den Ball auf. Unklar bleibt, ob daraus ein Doppelpass mit beidseitigem Erfolg wird. Im Presseraum sitzt sich’s härter, es herrscht „etwas dicke Luft“, spielt Kranz auf die jüngste Vergangenheit an. Jochen Koch, Leiter der Sportredaktion, tauscht für unsere Leser die Rollen, informiert über Inhalte der vorherigen PK: Daniel Endres ist Kapitän. „Das habe ich mir gedacht“, ist einer sofort angetan.

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Erst ein Stockwerk rauf (da steht eine Rohbau-Etage noch frei, im Falle eines Falles sogar für zehn weitere VIP-Logen), dann runter ins Parterre, durch die Flügeltür auf den Rasen. „Fühlt sich astrein an.“ Zum Glück sieht Platzwart Wolfgang Böttge nicht, dass einer das Grün betritt... Einmal halb ums Stadion hinter die Stehtribüne. Dort warten Vizepräsidentin Barbara Klein, Stadionchef Andreas Herzog und Kickers-Legende Seppl Weilbächer – es folgt ein munterer Talk, moderiert von Jochen Koch.

OP-Leser besichtigen Stadion

OP-Leser besichtigen Kickers-Stadion

Ist der Zwangsabstieg in die Regionalliga bitter? Barbara Klein: „Ich kenne das; Wir haben schon viel Herzblut gesehen und Herzweh erlebt. Es ist ein Neuanfang, den sollten wir nutzen.“ Ein Bravo schallt zwischen die Betonstützen. Weilbächer: „Das hatten wir schon 1990. Abstieg, Hessenliga, Bernbach – wobei das ein schönes Städtchen ist.“ Aber Weilbächer, ein 1970er DFB-Pokalheld, ist zuversichtlich: „Wir haben eine junge, begeisterungsfähige Mannschaft. Die Jungs sind heiß.“

Für Herzogs Stadion-Team ändert sich indes wenig: „Zweite, dritte, Regionalliga, wir müssen den Spielbetrieb aufrecht erhalten.“ Allerdings sieht er im Stadion einen Mehrwert: „Damit haben wir alle Möglichkeiten.“ Nach oben, versteht sich. Reich an Eindrücken, Kontakten und Informationen geht’s nach Hause. Und Bernhard Zeiger wird womöglich mit einer Tradition brechen. „Ich schnapp’ mir immer zuerst den Sportteil.“ Vielleicht wird’s heute ausnahmsweise der Lokalteil.

Das Schmuckkästchen nimmt Form an

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