Rundroutenfest im Wetterpark

Sonnengucker und Klimaschützer

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Die Teleskope des Physikalischen Vereins Frankfurt ermöglichten gestern auf dem Buchhügel den direkten Blick in die Sonne - so sie denn hinter den Wolken hervorlugte.

Offenbach - Der gelbe Ballon in luftiger Höhe über dem Wetterpark dient dem Besucher schon von weitem zur Orientierung: Hier steigt das Rundroutenfest. Von Matthias Dahmer 

Als Teil des gestrigen Festmarathons entlang der 190 Kilometer langen Regionalpark-Route bietet der Buchhügel ein kleine, dank ihrer Vielfalt aber feine Veranstaltung. „Vereinfacht gesagt ist es eine Glaskugel, die wie ein Brennglas wirkt.“ Waltraud Bütof vom Deutschen Wetterdienst erklärt gestern Mittag einer Handvoll Interessierter die Funktion eines Heliographen. Der steht zusammen mit alten Radio-Sonden in einer Vitrine des Wetterpark-Hauses und weckt die Neugier ebenso wie etwa der längliche Wasserbehälter mit Kurbel, mit dem eigenhändig und anschaulich die Entstehung eines Tornados simuliert werden kann. Für Waltraud Bütof, die regelmäßige Führungen im Wetterpark anbietet, steht außer Frage: Die Einrichtung hat sich angesichts der Resonanz zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

Was das Wetter sonst noch so alles bewirken, beziehungsweise verhindern kann, erfährt, wer draußen am Stand des Physikalischen Vereins einen Blick durchs Teleskop werfen will. „Wir müssen warten, bis sich die Wolken verzogen haben“, sagt Barbara Thies-Schäfer von dem Frankfurter Verein, der außerhalb der Ferienzeit jeden Sonntag potentielle Himmelsgucker in den Palmengarten einlädt. Blinzelt gestern vereinzelt dann doch das Blau durch, können die Besucher mittels aufgeschraubter Filter an den Teleskopen direkt in die Sonne schauen und deren Flecken und Eruptionen beobachten.

Irdisch statt himmlisch geht’s am Stand der Klimaschutzaktion Offenbach zu: Diplom-Biologin Anna Sander vom städtischen Umweltamt kredenzt appetitliche Häppchen mit vegetarischen Aufstrichen, welche die Klimapaten kreiert haben. Aus regionalen Produkten zauberten sie Pasten etwa aus Apfel und Meerrettich, Tomaten und Mandel oder auch Möhren und Ingwer. Und in der Tat: Gesund kann richtig gut schmecken. Gesund für Mensch und Klima ist das, was der ADFC propagiert: Mehr Rad fahren.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

ADFC-Vorstandsmitglied Wolfgang Christian, auch gestern unermüdlicher Vorkämpfer für eine noch radlerfreundlicheres Offenbach, weist auf die gleich anlaufende Codierungsaktion für Drahtesel hin. Zudem verspricht er, in einigen Wochen eine erste Zwischenbilanz liefern zu können zu der im Mai unter dem Motto „Offenbach fährt fair“ angelaufenen Initiative für mehr Rücksichtnahme in Straßenverkehr. Die 25 Multiplikatoren, die für die Aktion gewonnen werden konnten, seien gerade dabei ihre Erfahrungen zusammen zu tragen, so Wolfgang Christian.

Ist das Rundroutenfest in Sachen Besucherinteresse zunächst schleppend angelaufen, füllt sich gegen 13.30 Uhr das Areal. Nachdem die ersten Führungen durch den Wetterpark vorbei sind, ist Stärkung angesagt. Dafür sind die Park-Nachbarn zuständig: Die Siedlergemeinschaft Tempelsee bewirtet mit Kaffee und einer umfangreichen Kuchen-Theke, die Sportler der Gemaa Tempelsee haben Pizza aus dem Holzofen sowie jede Menge Sitzgelegenheiten unterm Zeltdach im Angebot, und das BWS-Spielmobil lockt die jüngeren Gäste an.

So entwickelt sich an Kilometer 113,8 der Rundroute zu den bluesigen Klängen der Formation „The Factory“ ein entspanntes Fest, dessen fünfte Auflage gewiss nicht die letzte sein wird und das die ohnehin schon abgeflauten Diskussionen um die Kosten fürs Wetterpark-Haus oder die Sperrung der Elbe-straße vergessen lässt.

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