Lustige Reise um den Globus

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Ingrid Neubert in der Bütt.

Offenbach - Hamburg - Hawaii - New York und Retour: diese Reise um den halben Globus segeln die Matrosen des Männergesangvereins Sängerfreunde mal eben ganz locker in vier Stunden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Weil man so eine Mammuttour nur mit strenger Disziplin, hervorragender Planung und ohne Seekrankheit überstehen kann, haben die Männer den abkommandierten Kapitän der Gorch Fock – alias Vorsitzender Roland Kraus – höchst persönlich angeheuert.

Die Sitzung in Bildern:

Sängerfreunde im Else-Hermann-Haus

Mit ihm schunkelten knapp 100 Vereinsmitglieder und Gäste am Samstagabend im Else-Herrmann-Haus begleitet von „Hummel, Hummel, Mors, Mors“ und „Offebach Hellau“-Rufen über die Weltmeere.

Stilgerecht startet das Programm in der legendären Haifischbar mit Blick auf den Hafen. Moderator, Wirt und Sitzungspräsident Horst Werner ist mindestens genauso gut gelaunt wie die Seeleute, die sich mit Klassikern wie „Reeperbahn bei Nacht“ und „Schön ist die Liebe am Hafen“ warm singen. Blöd nur, dass es an Land immer Probleme gibt. Das muss gleich mit der ersten Büttenrede aufgearbeitet werden. Uschi und Günter Barnickel beziehen vor dem zum Rednerpult umfunktionierten Notenständer Stellung und rüsten als verfeindete Hausbewohner zur Schlacht: „Kei Wunner, dass ihr armer Mann, sie nur im Suff ertraache kann!“

Voll erblüht, bombastisch und rundherum elastisch präsentiert sich dagegen Rednerin Nummer zwei Ingrid Neubert. Als „Eine, die einen Mann sucht“ fragt sie sich in laut-schriller Verzweiflung: „Wo sind die Männer? Erst große Sprüch und dann noch net mal im Stand, en Hamster durchzufüttern!“.

Der volle Stimmungsdurchbruch kommt dann aber auf Hawaii. Die Inselschöne Renate Lehmann hat drei Insulaner im Schlepptau. Ein kreischendes Publikum und Blitzlichtgewitter begrüßen Hans Peter Seidel, Alfred Bröhm und Reinholt Müller. Zu „Bora Bora“ und „Mambo No. 5“ tänzeln sich Baströckchen, Badelatschen und Federhaarreif durch den Saal. Da stört es auch überhaupt nicht, dass Lehmanns Kleid mit viel zu viel Stoffbahnen eher an Can-Can als an Hula-Hula erinnert. Nur der nüchterne Hinweis des Moderators: „Morgen 10 Uhr Pressetermin“ kann die zugaberufende Menge beruhigen und das „Hei-Frie-Ton-Trio“ mit Frieder Gruber, Toni Scheich und Friedrich Sehrbrock bringt die Gäste mit schunkelfreundlichen „La Paloma“-Fernwehliedern wieder auf andere Gedanken, bis Lehmann erneut als Bauchtänzerin alle in ihren Bann zieht.

Einmarsch des Prinzenpaares mit Hofstaat

Säckeweise Dankesbriefe der Damenwelt werden Frieder Gruber ins Haus getragen. Zumindest, wenn man seiner Rede „Der arme Kerl“ Glauben schenkt. Der geplagte Ehemann hat zwar das beste Fahrwerk, aber: „Ich hat’ wohl en Unfall, so sieht es aus, mei Fraa saacht, bei mir hängt wohl der Airbag raus“ und auch den Fußballplatz verlässt er nicht mehr ohne Schmerzen: „Ich hab’s dir gestern schon gesacht, dass man aus em Ackergaul kei Rennpferd macht!“

Einer der Höhepunkte des Abends: Der Einmarsch des Prinzenpaares mit Hofstaat des Offenbacher Karnevalsvereins. Ihre Lieblichkeit Sabine I. (Sabine Schumacher) und Prinz Herbert II. (Herbert Mahlow) von Lederanien grüßen ihre Fans. Die untertänigste Bitte des Sitzungspräsidenten findet Gehör, die Prinzessin beehrt den Gesangsverein mit einem Lied.

Aus dem Text von Schlagersängerin Andrea Berg „Du hast mich tausendmal betrogen“ macht Sabine den faschingshitverdächtigen Titel: „Ich hab mich 1000 Mal gewogen, ich machte 1000 Mal Diät“ und erntet damit wohl nicht zum ersten Mal stürmischen Applaus.

Grazile Liza Minelli mit Netzstrümpfen

Letztes Ziel der lustigen Faschingsreise: Die Matrosen erreichen die Freiheitsstatue und mit ihr die ganz großen Stars der Bühne. Heinrich Kress gibt sich die Ehre, mit Udo Jürgens Welthit „Ich war noch niemals in New York“ das Fernweh auf die Spitze zu treiben. Das glitzernde Damen-Duo Baccara (Elsa Müller und Ingrid Neubert) überzeugt mit einem „I can Boogie“-Playback das Publikum und Ludwig Emmert braucht gar nicht erst den Mund aufzumachen: Er schwebt einfach als grazile Liza Minelli mit Netzstrümpfen und Gymnastikschläppchen durch den Gang und das begeisterte Publikum tobt.

Als weitere Darsteller begeisterten außerdem „Kleinwagenbesitzer“ Ludwig Gabold und „Johnnie“ Hans Hahn. Übrigens stammen sämtliche vorgetragene Texte der Feder der Akteure.

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