Safer-Internet-Day warnt vor Gefahren

Viel Trügerisches lauert im Netz

+
Gefahren lauern im Internet überall.

Offenbach - Die „Multiplikatoren“ sollen die gar nicht so frohe Botschaft hinaus in die Welt tragen: Das Internet macht nicht nur Spaß, es kann auch verdammt gefährlich sein. Von Ralf Enders 

45 Schüler zwischen 11 und 17 hat die Offenbacher Polizei zum Safer Internet Day ins Präsidium geladen und führt ihnen jugendgerecht vor Augen, wie leicht ein Account geknackt ist, wie gnadenlos öffentlich Facebook & Co. sind oder dass sich hinter der Chat-Freundin ein Kinderschänder verbergen kann. Auf dass sie Mitschülern, Freunden und Sportkameraden berichten.

Lesen Sie dazu auch:

Kommentar zum Safer-Internet-Day

Attacke auf Smartphones

Gleichaltrige helfen gemobbten Schülern

Kriminalhauptkommissar Markus Wortmann, Präventionsfachberater für Cybercrime beim Präsidium Südost-hessen, redet nicht drum herum: „Wir wollen natürlich niemandem den Spaß nehmen, aber wir möchten nicht, dass ihr Bilder von euch postet, die von Leuten abgegrast werden, die sich - sagen wir’s wie’s ist - daran reiben.“ Wortmann weiß, wie er die jugendliche Klientel zum Nachdenken bringt: „Wer von euch ist bei Facebook oder WhatsApp?“ Fast alle Hände gehen hoch. „Und wer hat die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen?“ Immerhin drei.

Aufklärung tut in der Tat Not: 257.486 Straftaten im Internet wurden 2013 in Deutschland registriert, mehr als 100.000 davon bezeichnen die Ermittler als Waren- oder Warenkreditbetrug. Der Rest ist Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming (Anbahnen sexueller Kontakte), Identitätsdiebstahl, Erpressung und, und, und. Wortmann gibt den Schülern ein Beispiel fürs Cyber-Grooming: „Da gibt sich jemand als Vanessa, 14, aus, aber es ist Karl-Heinz, 54.“ Aus Angst oder Scham schweigen viele Opfer. Die Dunkelziffer der Internetkriminalität kennt niemand, sie dürfte enorm hoch sein.

Rainer Lechtenböhmer, Leiter des Internet-Kommissariats ZK 50 der Offenbacher Polizei in Dreieich, hat einen klaren Trend ausgemacht: „Das gibt’s mittlerweile alles auch für Android.“ Die Erwähnung des meistgenutzten Betriebssystem von Smartphones lässt die Schüler spürbar aufhorchen. Das haben sie fast alle in der Tasche, damit gehen sie online. „Smartphones sind wie PCs und Notebooks ein Einfallstor für Viren und Verbrecher“, warnt Lechtenböhmer - wie Wortmann aufmerksamkeitsfördernd mit Pistole im Halfter unterwegs. Dabei ist seine Waffe das Wort: „Wenn ihr euch mal bewerbt, googelt der Arbeitgeber alles, was ihr mal angestellt habt.“

Drittanbieterklausel sperren lassen

Gegen Abzocke empfiehlt Lechtenböhmer den Jugendlichen dringend, die sogenannte Drittanbieterklausel im Handy-Vertrag sperren zu lassen. Drittanbieter sind Unternehmen, die ihre Leistungen über die Handy-Rechnung abrechnen. Seit 2012 müssen Mobilfunkanbieter ihren Kunden die Möglichkeit einräumen, dies zu sperren.

Und wie leicht Unbefugte auf Kosten von Handy-Nutzern Waren bestellen oder Identitäten klauen, zeigt Lechtenböhmers Kollege Jens Saenger vom ZK 50, kein Polizist, aber Informatiker, dem kein technischer Kniff fremd ist. Das offene WLAN im beliebten Schnellrestaurant oder der ebenso kostenlose wie präparierte USB-Stick als vermeintliches Werbegeschenk - Kinder auszuspionieren ist für Kriminelle ein Kinderspiel. Saenger legt den Schülern die sehr gut gemachte und kurzweilige Internetseite „20thingsilearned“ (auch auf Deutsch) ans Herz, die wie ein Handbuch die Grundlagen des Internets erläutert.

Mehr Tipps zum sicheren Surfen gibt's hier.

Und wie hat die Zielgruppe die Unterrichtsstunde Internet erlebt? „Das haben wir alles zum ersten Mal gehört“, sagen viele auf die Frage, ob etwa ihre Eltern sie in Sachen Internetgefahren schon mal an die Hand genommen und aufgeklärt haben. Für den 11-jährigen David steht jedenfalls fest: „Ich habe noch kein Smartphone, aber wenn ich eines bekomme, überlege ich mir zweimal, wo ich mich anmelde."

Kinder in sozialen Netzwerken: 10 Tipps für Eltern

Kinder in sozialen Netzwerken: 10 Tipps für Eltern

Kommentare