Sahnehäubchen für die City

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Rund um die Fußgängerzone soll INGE greifen. Wenn alle rechtlichen Hürden genommen sind, tragen Hausbesitzer in diesem Viertel (auf dem Luftbild farblich hervorgehoben) ihr Scherflein zur Aufwertung der Innenstadt bei.

Offenbach ‐ Es ist ein sensibles Feld, das Frank Achenbach seit drei Jahren beackert. Der IHK-Wirtschaftsreferent versucht, Hauseigentümer in der Innenstadt davon zu überzeugen, dass Zwang ihnen gut tun wird. Von Matthias Dahmer

Genauer: Dass sie einen Obolus leisten müssen, um die City attraktiver zu machen. Unterstützt wird Achenbach dabei vom Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach und von INGE. Das ist das „Gesetz zur Stärkung innerstädtischer Geschäftsquartiere“, wie die Lizenz zur Beitragserhebung heißt.

Für das auf die nächsten fünf Jahre angelegte Projekt stehen - wenn alles klappt wie vorgesehen - 950 000 Euro zur Verfügung. Eingesammelt wird das Geld von 105 Hauseigentümern, deren Immobilien in der Fußgängerzone, im Viertel zwischen Kaiserstraße und Marktplatz, zwischen Stadthof/Hugenottenplatz und Geleitsstraße stehen. Sie müssen jährlich 0,6 Prozent des Einheitswerts ihres Grundstücks bezahlen, in der Mehrzahl der Fälle sind das Beträge zwischen 350 und 960 Euro, wie IHK-Mann Achenbach vorrechnet. Die Investitionsabgabe, betont er, beträgt weniger als die Hälfte der jährlich zu zahlenden Grundsteuer.

Weil INGE ein Gesetz ist, läuft das Verfahren bei aller zu leistenden Überzeugungsarbeit streng formal ab: Mindestens 15 Prozent der Eigentümer, welche ebenso viel Grundstücksfläche vertreten, müssen für die Verschönerung sein.

Diese erste Hürde haben die Initiatoren mittlerweile mit Bravour genommen. Ob auch die zweite gepackt wird, zeigt sich Ende Juli. Bis dahin haben alle schriftlich unterrichteten Eigentümer Zeit, sich das Ganze nochmal zu überlegen und eventuell Widerspruch einzulegen. Erst wenn weniger als 25 Prozent von diesem Recht Gebrauch machen, ist INGE so gut wie durch. Dann kann ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit der Stadt geschlossen und vom Parlament eine entsprechende Satzung beschlossen werden um loszulegen.

Und wenn zu viele Eigentümer sich verweigern? „Wir sind jetzt auf hoher See und hoffen, dass wir überzeugend waren. Außerdem bringt eine Ablehnung den Standort nicht weiter“, sagt Frank Achenbach.

Vom attraktivitätssteigernden Effekt der aus den USA stammenden Idee des Business Improvement District (BID) ist Achenbach überzeugt. Zumal die größeren städtebaulichen Vorhaben in Offenbach, wie etwa die Umgestaltung von Marktplatz und Stadthof mit Hilfe des Landesprogramms „Aktive Innenstadt“ angepackt werden. „Wir können mit INGE die Sahnehäubchen liefern“, formuliert der IHK-Wirtschaftsreferent.

Dazu zählt für ihn etwa, die Eingänge zum Geschäftsviertel optisch hervorzuheben, einen Rundweg für die Kunden zu markieren oder auch besonders schöne Fassaden nachts anzustrahlen. Begleitend ist ein Stadtmagazin in Planung, in dem die Fortschritte in der City präsentiert und „Emotionen transportiert“ werden sollen, so Achenbach.

Als Erfolg kann er schon jetzt verbuchen, dass die Hauseigentümer dank INGE die Möglichkeit haben, an einem Strang zu ziehen. Denn während die Geschäftsleute aufgrund gemeinsamer Aktivitäten relativ gut organisiert sind, kennen sich die Immobilieneigner untereinander kaum. Um das Kennenlernen zu forcieren, hat der Gewerbeverein Treffpunkt sogar seine Satzung geändert und sich für sie geöffnet.

Das angestrebte Zusammenrücken der Eigentümer ist mit der Hoffnung verbunden, dass bei ihnen künftig die langfristige Perspektive mehr zählt als das schnelle Geld. Denn auch Achenbach ist klar: Kein Vermieter kann gezwungen werden, statt des Billigladens ein Fachgeschäft zu nehmen, wenn ersterer die doppelte Miete zahlt. Dennoch: Das mittlerweile in Fachkreisen viel beachtete Offenbacher Konzept könnte, so Achenbachs Vision, dazu führen, dass langfristig die Ein-Euro-Läden aus der City verschwinden.

Verbündete hat die private Allianz für die City schon gefunden: FDP und CDU loben in Pressemitteilungen das Vorhaben, appellieren an die Hauseigentümer mitzumachen und sehen nicht zuletzt die Stadtregierung in der Pflicht, den Vorstoß zu unterstützen.

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