28. Sammelsurium in der Stadthalle

Besonderes darf auch kosten

+
Hochwertiges kommt nie aus der Mode: Beim Offenbacher Sammelsurium finden Liebhaber von Kunsthandwerk 1001 Möglichkeit zum Geldausgeben.

Offenbach - Während immer mehr Menschen dem Trend folgen, ihre Garagen, Kleiderschränke oder gleich ihr ganzen Lebens zu entrümpeln und sich zum bewussten Verzicht auf materiellen Überfluss entscheiden, lässt sich beim Offenbacher Sammelsurium alle Jahre wieder die Gegenbewegung beobachten. Von Jenny Bieniek 

Die wenigsten Dinge, die bei der inzwischen 28. Auflage des Sammelsuriums in den Auslagen zu sehen sind, sind objektiv gesehen wirklich notwendig. Aber sie sind schön. Und originell. Oder beides. Der gläserne Kolibri zur Verschönerung von Topfblumen etwa oder die aus Werkzeugen zusammengeschweißte Obstschale. Die Kupferplastiken von William Schanzer, die formvollendeten Gewürzmühlen von Ralf Herzig oder die Buchskulpturen von Martina Herzog, die ein echter Blickfang sind.

Liebhaber von hochwertigen Handwerk jedenfalls reisen immer wieder gerne an. Um zu schauen, zu staunen und vielleicht auch zu erstehen. Ingeborg Krakowski aus Heusenstamm ist so jemand. Die Seniorin kommt seit vielen Jahren regelmäßig zum Sammelsurium. Gerade hat sie ein farbenfrohes Filzband gekauft, das als Schal oder Stirnband getragen werden kann. „Ich finde hier immer etwas Schönes“, sagt sie. Ihre Filzjacke etwa habe sie bereits seit zehn Jahren und trage sie immer noch sehr gerne. Erstmals ist sie in diesem Jahr alleine gekommen - die eine Freundin war krank, die andere verhindert. „Normalerweise sind wir zu dritt und kommen samstags um elf kurz. Sonst wird’s schwierig mit Parkplätzen.“

Das weiß auch Veranstalterin Ursula Merbach. Über das Zusammenfallen gleich mehrerer Veranstaltungen am Sonntag ist sie deshalb wenig glücklich: „Die Teilnehmer des Behördenlaufs parken ebenfalls am Nassen Dreieck, dazu ist am Ringcenter Basar und der Bahnstreik tut sein Übriges.“ Zwar sei der Markt nach wie vor gut besucht, im vergangenen Jahr aber sei vor allem am Samstag mehr Betrieb gewesen. „Vielleicht liegt’s auch am schönen Wetter“, mutmaßt Merbach. Die Aussteller vor der Stadthalle dagegen profitieren von den angenehmen Temperaturen. Weil sich der Markt für Kunstliebhaber als wahre Fundgrube erweist, trifft es sich gut, dass direkt gegenüber ein Bankautomat für Abhilfe bei Bargeldengpässen sorgt und am Sonntagmittag gut frequentiert ist.

Gut gelaunt meldet sich so wenig später eine Besucherin am Außenstand der Keramikwerkstatt zurück: „Da bin ich wieder, diesmal mit Geld.“ Doch die Wahl zwischen Geschirr mit Igel-, Hasen-, Katzen- oder Eseldekor für je 22 Euro fällt sichtlich schwer. Oder doch lieber die Auflaufform mit Küken? „Draußen ist es in diesem Jahr schöner als beim letzten Mal. Es wird mehr geboten“, findet eine Besucherin, die von ihrem Mann durch die Reihen gezogen wird. „Warte bitte mal, ich will da drüben noch schnell was gucken.“

Sammelsurium 2014 in der Stadthalle

Sammelsurium 2014 in der Stadthalle

Doch das Gros des Sortiments wartet drinnen. Die insgesamt 168 Aussteller lassen keine Wünsche offen: Zierkissen, Kaleidoskope, flauschige Handpuppen, Wendekleidung, farbenfrohes Salatbesteck, Designerkreisel, Brillenunikate und „Faszinators“ - jener filigrane Kopfschmuck, mit dem sich nicht nur Prinz Williams Gattin Kate regelmäßig bei Empfängen blicken lässt. Sogar massive Möbelstücke wie ein Sideboard und ein Kleiderschrank finden sich in der Stadthalle.

Filigrane Kunstobjekte präsentierte auch Markus Kompauer. Seine aufwändig gearbeiteten Wohnmobile sparen nicht mit Details.

Die wohl außergewöhnlichste Ware hat Jutta Schwarz mitgebracht. Aus Rinderknochen fertigt sie, nachdem sie diese fettfrei abgekocht hat, mittels Fräsen Schmuckanhänger. Nicht immer kommt das gut an. „Ich erlebe oft einen Igitt-Effekt, vor allem unter Veganern“, erzählt die Künstlerin, die zum ersten Mal in Offenbach dabei ist. „Die fragen dann: Wie kann man sich Knochen um den Hals hängen? Dabei wird das Material schon seit jeher zur Herstellung von Kunstobjekten verwendet.“ Ebenfalls neu dabei ist Aussteller Ralf Herzig, der aus seltenen Hölzern einen „soliden, schönen Gebrauchsgegenstand“ macht, wie er sagt. Seine Gewürzmühlen sind aus brasilianischem Tigerholz, aus Maserknollen des Berg-Ahorns oder gestockter Buche gefertigt. Die Exklusivität hat ihren Preis: Je nach Holz zwischen 130 und 230 Euro.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare