Sammelsurium: Wo „Tante Elsa“ glänzt

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Rappelvoll war’s mal wieder beim Sammelsurium. Der Kreativmarkt in und an der Stadthalle erlebte am Wochenende seine 25. Auflage. 

Offenbach - „Du bist nicht ganz helle“, sagt der große Bär zum kleinen Bär und hebt dazu betonend seine pelzige Pfote. Von Katharina Skalli

Die Damen am Stand von Detlef Schmelz kichern und lächeln strahlend hinunter zu dem kleinen, gelben Bär, der mit klackenden Schritten zum Spiegel im Foyer der Stadthalle tapst.

Die beiden Besucherinnen haben sich gerade in ihn verliebt, kaufen können sie den putzigen Gefährten jedoch nicht. „Himbär ist unverkäuflich“, versichert sein Besitzer Schmelz. Der Marionettenbauer präsentiert seine Figuren jedes Jahr den Gästen des Offenbacher Sammelsuriums.

Zum 25. Mal lockte der beliebte Kreativmarkt am Wochenende in und an die Stadthalle. Wer hier ausstellt und verkauft, ist Meister seines kreativen Fachs oder hat mit viel Zeit und Leidenschaft sein Hobby zum Beruf gemacht. Ausnahmslos hochwertige Produkte sind an den Ständen zu finden.

Weit über die Grenzen Offenbachs hinaus ist die Veranstaltung mittlerweile bekannt. Auf dem Parkplatz am Nassen Dreieck stehen Autos aus Darmstadt, Frankfurt, Miltenberg und Hanau. Die 160 Aussteller haben meist eine noch weitere Anreise hinter sich.

Bilder vom Kreativmarkt

Kreativmarkt in der Stadthalle

Detlef Schmelz und seine Marionetten kommen aus dem badischen Hermuthausen. In einer alten Holzkiste mit eisernen Beschlägen sind Himbär und seine Freunde angereist. Doch lange Fahrten ist der freundliche Bär, der die Besucher charmant um seine Tatze wickelt, gewöhnt. Schon an vielen Orten auf der Welt ist der Puppenbauer und Marionettenspieler mit seinen Figuren aufgetreten.

Kürzlich haben er und seine Frau Marlene Gmelin mit Himbär in der Türkei einen Film gedreht. Das Ehepaar lebt nicht nur vom Verkauf der Puppen, die 600 Euro oder mehr kosten, sondern auch von ihrem Tourneetheater „Pendel“ sowie von Puppenspielkursen. Er vergleicht seine Arbeit als Puppenbauer mit der eines Geigenbauers. „Wie viel versteckte Arbeit in so einer Figur steckt, erfährt man erst wenn man sie spielt“, sagt er.

Am Stand gegenüber liegen kleine Puppenkollegen. Ohne Schnüre, aber dafür mit feiner, flauschiger Frisur haben es sich zarte Elfen und Zwerge in einem Körbchen bequem gemacht. Einen Stand weiter gibt es handbemaltes Porzellan mit floralen Motiven. Daneben bunte Quilte und Kissenbezüge.

Sortiment ist riesig

Das Sortiment des „Sammelsuriums“ ist riesig. Die Besucher wissen kaum, wohin sie zuerst schauen sollen. Auch vor der Halle sind der Andrang und die Neugier groß. In der kühlen Novemberluft verkaufen Künstler und Handwerker Feuerschalen, Pinsel, handgefertigte Seifen, Verzierungen für Garten und Balkon, handgeschnitzte Weihnachtskrippen und edlen Schmuck. Hochwertige Unikate und Kleinserien können die Kunden erstehen. Nichts was sich im Zehnerpack im Internet zum Schnäppchenpreis bestellen lässt.

In der Halle herrscht buntes Gewimmel. Neugierig drehen die Besucher ihre Köpfe von links nach rechts, streichen mit ihren Händen über weiche Wollmützen und farbenfrohe Filzhüte. Fühlen über die schmeichelnde Oberfläche einer Holzschatulle, schnuppern an einer bunten Seife mit Zitronengras oder fahren mit den Fingern durch die Seiten selbst gebundener Bücher.

Am Stand von Bärbel Kellermann funkelt es: In kleinen Schubladen, die mit schwarzem Stoff ausgekleidet sind, präsentiert die Goldschmiedin ihre „Schmuck-Collagen“. Broschen, die sie aus Schmuckfragmenten, Perlen, Strass-Steinchen und anderen Elementen zusammensetzt.

Auftragsarbeiten und Recyclingmaterial

Jedes Stück ist ein Unikat, zusammengefügt aus Fundstücken, die aus klassischen Grundformen und edlen Materialien originelle Hingucker machen, denen Bärbel Kellermann noch die passenden Namen verleiht. „Tante Elsa“, „Bergsteiger“, oder „Ganz viel Schwein“ heißen ihre Schätze. „Der Entwurf ist das Aufwendigste“, erklärt sie. Auch Auftragsarbeiten fertigt sie an. Dann bringen Kunden ihr ihre kleinen Schmuckstücke und Elemente, die sie zusammenfügt bis eine Art Schmuckbild entsteht. Wenn die Kunden sagen „Das passt zu mir“, ist die Künstlerin zufrieden.

Hinter ihrem Stand plätschert es. Kleine Zimmerbrunnen lassen Wasser über feine Steinhügel quellen und sprudeln. Daneben hat eine Dame ihre gestrickten Fingerpuppen drapiert.

In der Nähe des Eingangs steht Astrid Haas aus Kaiserslautern. Sie ist zum ersten Mal dabei und präsentiert ihre handgebundenen Bücher und Buchobjekte. Ihre Notiz- und Reisetagebücher fertigt sie aus Recyclingmaterial wie Recycling-Leder, Kaffeesäcken oder alten Atlanten und Comics. Auch Leporellos und kleine Faltbücher liegen vor ihr auf dem Tisch, über den sich ohne Pause neugierige Kunden beugen. Unter anderem feines Japanpapier verarbeitet die Künstlerin, die früher in einem Wirtschaftunternehmen beschäftigt war. „Irgendwann habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht“, erzählt sie.

Um einiges teurer als die handgebundenen Bücher sind die Buchobjekte, die sie kürzlich noch in einem Museum ausgestellt hat. Aus den Seiten der Serie „Brehms Tierleben“, die Astrid Haas filigran zurechtgeschnitten hat, hüpfen dem Betrachter Schildkröten, Echsen und Vögel entgegen . „Artenvielfalt“ ist das Thema ihrer aufwendigen Arbeiten, die nicht nur hochwertig aussehen, sondern auch ein wenig zum Nachdenken über den Artenschutz anregen sollen.

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